{"id":1430,"date":"2016-06-13T23:30:54","date_gmt":"2016-06-13T21:30:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/?p=1430"},"modified":"2016-06-14T09:16:17","modified_gmt":"2016-06-14T07:16:17","slug":"maschinendaemmerung-gut-gemeint-ist-nicht-gut-gemacht-ein-buch-aus-der-kategorie-was-soll-das","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/1430\/maschinendaemmerung-gut-gemeint-ist-nicht-gut-gemacht-ein-buch-aus-der-kategorie-was-soll-das\/","title":{"rendered":"Maschinend\u00e4mmerung. Gut gemeint ist nicht gut gemacht. Ein Buch aus der Kategorie &#8222;Was soll das?&#8220;"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1432\" aria-describedby=\"caption-attachment-1432\" style=\"width: 193px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1432 size-medium\" src=\"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/trid-250-193x300.jpg\" alt=\"trid-250\" width=\"193\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/trid-250-193x300.jpg 193w, http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/trid-250.jpg 250w\" sizes=\"auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1432\" class=\"wp-caption-text\">Buchcover<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mit einiger Vorfreude besorgte ich mir das Buch &#8222;Maschinen- d\u00e4mmerung&#8220; von Thomas Rid, das mit dem Untertitel &#8222;eine kurze Geschichte der Kybernetik&#8220; verspricht. So etwas bekommt man bekanntlich nicht alle Tage geboten, denn der Begriff &#8222;Kybernetik&#8220; ist ja schon eine ganze Weile aus der Mode gekommen.<\/p>\n<p>Thomas Rid,<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.ullsteinbuchverlage.de\/nc\/buch\/details\/maschinendaemmerung-9783549074695.html?cHash=a7fbfb498dfbd99c181fb74b95fec967\" target=\"_blank\">Maschinend\u00e4mmerung<\/a>. Eine kurze Geschichte der Kybernetik. &#8211; Aus dem Englischen von Michael Adrian &#8211; Propyl\u00e4en Verlag, Berlin 2016, 496 Seiten, 24,99 Euro<\/p>\n<p>Aus der Mode gekommen ganz im Gegensatz zu dem von Kybernetik, engl. cybernetics, abgeleiteten Pr\u00e4fix &#8222;Cyber&#8220;, das in tausendundeins Kompositabildungen fr\u00f6hliche Parties der kompletten Sinnbefreiung feiert, vom Cyber-Cash \u00fcber Cybercrime, Cyber-Sex und Cybersecurity bis hin zu Cybersozialisten*.<!--more--><\/p>\n<p>Anmerkung: Wie gut und f\u00fcrsorglich, dass mein Freund Lukas Lamla immer etwas Cyber-Absperrband dabei hat &#8230;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1437 size-full\" src=\"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/cyber-absperrband445.jpg\" alt=\"cyber-absperrband445\" width=\"445\" height=\"255\" srcset=\"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/cyber-absperrband445.jpg 445w, http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/cyber-absperrband445-300x172.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 445px) 100vw, 445px\" \/><\/p>\n<p>Wie dem auch sei, im Zuge der umsichgreifenden Verwunderungen, Desillusionierungen und Ohnmachten im Kontext der Enth\u00fcllungen Edward Snowdens \u2013 ei gugge da, wat is&#8217;n nu passiert \u2013 beginnt man sich zunehmend f\u00fcr Zusammenh\u00e4nge zu interessieren und Ursachenforschung zu betreiben.<\/p>\n<p>Dabei ger\u00e4t nun auch der alte Begriff der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kybernetik\" target=\"_blank\">Kybernetik<\/a> in den Blick und die damit verbundenen Automatisierungshoffnungen der zweite-Weltkrieg-Krieger. Das ist erstmal gut.<\/p>\n<p>Ich freute mich also auf ein Buch, dass mir laut Klappentext verspricht, Licht in das Dunkel der Verkn\u00fcpfungen zu bringen. Die fr\u00fchen Kybernetiker waren n\u00e4mlich feine Menschen, teilweise Sonderlinge, die heutigen \u00dcberwacher &#8230;. nunja.<\/p>\n<p>Jedoch wurde ich bitter entt\u00e4uscht, sogar bis an den Rand der Verzweiflung.<\/p>\n<p>Denn das Buch ist &#8211; obwohl gerade erst erschienen &#8211; jetzt schon sehr popul\u00e4r, das zeigt allein die Zahl der fast ausschlie\u00dflich positiven Rezensionen. Selbst Gert Scobel, der intellektuelle S\u00e4ulenheilige des deutschsprachigen Kultur- und Bildungsfernsehens empfiehlt dieses Buch ausr\u00fccklich in der 3sat-Rubrik &#8222;<a href=\"https:\/\/www.3sat.de\/page\/?source=\/scobel\/bt\/186852\/index.html\" target=\"_blank\">Gert Scobels pers\u00f6nliche Empfehlung<\/a>&#8222;.<\/p>\n<p>Dort hei\u00dft es:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Ein Buch voller f\u00fcr mich weitgehend unbekannter Details und neuer Bez\u00fcge und Verbindungen. Interessant ist das Buch vermutlich vor allem f\u00fcr diejenigen, die im Detail wissen wollen, wie Mythen, Milit\u00e4r und Wirtschaftsentwicklung mit der Kybernetik und Idee intelligenter Roboter zusammenh\u00e4ngen.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Und wer bin ich dagegen, ein Niemand. Dennoch: Ich empfehle dieses Buch nicht, au\u00dfer als abschreckendes Beispiel daf\u00fcr, wie man historische Aufbereitung eben genau nicht b\u00e9treiben sollte.<\/p>\n<p>Lediglich zwei der bislang \u00f6ffentlich verf\u00fcgbaren Rezensionen fallen durch einen kritischen Unterton oder eine kritische Anmerkung auf. Ein durchweg positiver Beitrag auf <a href=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/thomas-rid-maschinendaemmerung-auf-der-suche-nach-der.950.de.html?dram:article_id=352542\" target=\"_blank\">Deutschlandradio Kultur<\/a> schlie\u00dft mit dem Satz:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Das in der Theorie angestrebte &#8222;Gleichgewicht&#8220; trat jedoch nie ein. Technologie war immer wieder Chance und Bedrohung zugleich, wie sich auch heute im Zeitalter der allgegenw\u00e4rtigen \u00dcberwachung zeigt. Einen Ausweg aus diesem Dilemma bietet der Wissenschaftler nicht. Das ist eine Schw\u00e4che dieses Mammutwerkes. Sein lakonisches Fazit lautet: Unsere negativen wie positiven Vorstellungen von Maschinen seien immer \u00fcberzeichnet. Das ist schade.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Dass Utopien und Dystopien jeweils immer \u00fcberzeichnen, wussten wir bereits. Die Dradio-Rezension macht Thomas Rid mit diesem Satz im Grunde zu einem K\u00e4pt&#8217;n Obvious.<\/p>\n<p>Und auf <a href=\"http:\/\/www.welikebooks.de\/maschinendaemmerung-eine-kurze-geschichte-der-kybernetik\/\" target=\"_blank\">welikebooks<\/a> k\u00f6nnen wir lesen:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Einzig dem Untertitel &#8222;Eine kurze Geschichte der Kybernetik&#8220; wird das Werk nicht zu 100% gerecht. Zumindest k\u00f6nnte dieser bei Lesern und K\u00e4ufern des Titels einen etwas falschen Eindruck vom Inhalt evozieren. Denn ja, es geht um das Wechselspiel zwischen Mensch und Maschine, nicht aber immer um die direkte, physische Verbindung von beiden.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8222;Nicht zu 100%&#8220; steht da. Das ist schon sehr leise. Gar nicht, sage ich.<\/p>\n<p>Ok, fangen wir erstens an mit der Sorgfalt. Auf Seite 75 im Buch, mitten im Kapitel \u201eKybernetik\u201c, lesen wir eine Art Auflistung wichtiger Pers\u00f6nlichkeiten der Kybernetik. Da wird aus dem \u00f6sterreichisch-st\u00e4mmigen Physiker <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heinz_von_Foerster\" target=\"_blank\">Heinz von Foerster<\/a> pl\u00f6tzlich ein \u00f6sterreichisch-amerikanischer Arzt. Na sicher hatte von Foerster sich auf Anraten von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Warren_McCulloch\" target=\"_blank\">Warren McCulloch<\/a> bei dem Physiologen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arturo_Rosenblueth\" target=\"_blank\">Arturo Rosenblueth<\/a> in Mexico-City mit Physiologie besch\u00e4ftigt. Aber das macht einen erstens noch nicht zum Arzt und zweitens einen Wiener nicht zum Amerikaner, auch wenn er dort lebt. Vielleicht ist es ja auch nur schlampig \u00fcbersetzt. Der Physiker und der Arzt, physicist und physician, liegen im Englischen ja nicht so weit auseinander. Und der Wiener und der Amerikaner?<\/p>\n<p>Der chilenische Neurophysiologe und Biologe <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Humberto_Maturana\" target=\"_blank\">Humberto Maturana<\/a> hat in der Tat von seinem Menschenrecht Gebrauch gemacht und philosophiert und auch B\u00fccher mit einigem philosophischen Gehalt geschrieben. Aber das macht ihn noch nicht zum Philosophen. Im Gegenteil, f\u00fcr eine schl\u00fcssige Darstellung der fr\u00fchen Kybernetik w\u00e4re es sinnvoll, interessant und spannend gewesen, den Erkenntnisweg zu erl\u00e4utern, wie man \u2013 insbesondere wie Maturana &#8211; von Medizin und Biologie zur Philosophie kommt. Jemand von vornherein als Philosophen zu benennen, der erst im Verlauf des Prozesses der pers\u00f6nlichen wissenschaftlichen Erkenntnis zur Philosophie gelangt, ist hier allzu statisch in der Darstellung und wird der Dynamik einer Entwicklung nicht gerecht.<\/p>\n<p>Wenn nun schon simpelste Informationen falsch oder teilweise falsch sind, die Jederfrau\/mann in der Wikipedia nachschlagen kann, kann ich dann ernsthaft Informationen aus dem Buch trauen, die mir noch nicht bekannt waren?<\/p>\n<p>Machen wir zweitens weiter mit Vollst\u00e4ndigkeit. Selbstverst\u00e4ndlich muss immer irgendwo eine Grenze gezogen sein, und man kann nicht jeden Doktoranden oder jedes Ereignis explizit nennen.<\/p>\n<p>Allerdings f\u00e4llt hier ein ganzes interdisziplin\u00e4res Forschungsinstitut komplett unter den Tisch.<\/p>\n<p>Zur Vollst\u00e4ndigkeit einer &#8211; wenn auch nur kurzen &#8211; Geschichte der Kybernetik geh\u00f6ren nicht nur die grundlegenden Macy-Konferenzen, auf denen der Begriff Kybernetik wissenschaftlich salonf\u00e4hig gemacht wurde, sondern eben auch das legend\u00e4re BCL, das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Biological_Computer_Laboratory\" target=\"_blank\">Biological Computer Lab<\/a> an der University of Urbana, Illinois (1958 &#8211; 1974), das von Heinz von Foerster geleitet und in vielen Projekten wesentlich von der US Air Force und der US Navy finanziert wurde.<\/p>\n<p>Im ganzen Buch kein einziges Wort davon! Dabei war die Gr\u00fcndung dieses Instituts, dessen <a href=\"http:\/\/www.univie.ac.at\/constructivism\/papers\/mueller\/mueller00-bcl.html\" target=\"_blank\">Geschichte<\/a> allein schon wirklich au\u00dfergew\u00f6hnlich und erz\u00e4hlenswert ist, eine direkte Konsequenz der Macy-Konferenzen.<\/p>\n<p>Infolgedessen fehlen auch weitere f\u00fcr die Entwicklung der Kybernetik ma\u00dfgebliche Personen, die am BCL arbeiteten und die mehr als andere deutlich gemacht haben, dass es sich bei Kybernetik um einen wesentlichen Ansatz zu einer v\u00f6llig neuen Kultur des Denkens handelte.<\/p>\n<p>Einer davon war der Britische Psychologe <a href=\"http:\/\/www.cybsoc.org\/gordon.htm\" target=\"_blank\">Gordon Pask<\/a> (Andrew Gordon Speedie Pask):<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Kybernetik ist die Wissenschaft von den vertretbaren Metaphern.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Und wer Humberto Maturana, der ebenfalls am BCL t\u00e4tig war, nennt, der muss in fast einem Atemzug auch den Chilenen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Francisco_Varela\" target=\"_blank\">Francisco Varela<\/a> nennen.<\/p>\n<p>Eine Geschichte der Kybernetik sollte mindestens herausarbeiten k\u00f6nnen, dass die Kybernetik den einzigen nennenswerten Versuch des 20. Jahrhunderts darstellt, eine methodische Metawissenschaft zu etablieren, in der die Trennung zwischen den Geisteswissenschaften und den sui generis subjektlosen Naturwissenschaften im Hegel&#8217;schen Sinne aufgehoben ist. Oder in anderen Worten ausgedr\u00fcckt: Die Kybernetik lehnt den dem klassischen Wissenschaftsgef\u00fcge impliziten Methodendualismus strikt ab.<\/p>\n<p>In Konsequenz dessen griff ihr Anspruch, der immer auch ein Anspruch des technischen Handelns via Konstruktion war, schon sehr fr\u00fch hinter die biologische Fragestellung \u2013 \u201eWas sind die biologischen Voraussetzungen des Erkennens?\u201c \u2013 hinein in das Formale: \u201eWas sind die formalen Voraussetzungen f\u00fcr die Be-Schreibung des Erkennensprozesses?\u201c<\/p>\n<p>Daf\u00fcr stehen die Namen von zwei Personen, die ebenfalls am BCL t\u00e4tig waren, der schwedische Logiker Lars L\u00f6fgren (Autologie) und der deutsche US-Immigrant, der Logiker und Philosoph <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gotthard_G%C3%BCnther\" target=\"_blank\">Gotthard G\u00fcnther<\/a> (Polykontexturalit\u00e4tstheorie), der sich am BCL zu <span style=\"text-decoration: underline;\">dem<\/span> Philosophen der Technik und Kybernetik entwickelte.<\/p>\n<p>Kein Wort davon, stattdessen mehrere Seiten \u00fcber komplett verwirrte Kybernetik- und Computer-Adapteure wie Hubbard und Leary, bei denen die blo\u00dfe Erw\u00e4hnung in einem Nebensatz schon gereicht h\u00e4tte. Es ist doch ein Allgemeinplatz, dass Esoteriker immer versuchen, Wissenschaft f\u00fcr eigene Zwecke erst zu verballhornen und dann zu instrumentalisieren. (Wobei zwischen Leary und dem Sektengr\u00fcnder Hubbard m.E. noch ein Unterschied gemacht werden muss.)<\/p>\n<p>Die zum Teil ideologisch gef\u00fchrte Konnektionismus-Symbolismus-Debatte in den USA, in der u.a. Marvin Minsky einen erheblichen Einfluss auf die F\u00f6rderpolitik f\u00fcr Forschungsprojekte nahm, zugunsten von Expertensystemen und zuungunsten der neuronalen Netze, findet ebenfalls keine Erw\u00e4hnung in dem Buch.<\/p>\n<p>Auch Begriffe wie Selbstorganisation, Selbstreferenz, Zirkularit\u00e4t, Kybernetik zweiter Ordnung, bzw. Kybernetik der Kybernetik oder Rekursion sucht man vergeblich. Selbst das f\u00fcr kybernetische Zusammenh\u00e4nge so wichtige Gebiet der formalen Logik findet keine Erw\u00e4hnung. Das Wort Logik wird fast ausschlie\u00dflich in metaphorischen Zusammenh\u00e4ngen verwendet wie z.B. &#8222;Logik der Vermenschlichung&#8220; oder &#8222;Logik der Abschreckung&#8220;.<\/p>\n<p>Lediglich die einfache R\u00fcckkopplung, die simple Feedback-Schleife wird thematisiert, f\u00fcr die immer wieder \u2013 auch in den Interviews des Autors &#8211; der Thermostat als Standardbeispiel eines recht simplen adaptiven Systems strapaziert wird. Rein technische Kybernetik. Als g\u00e4be es nichts anderes. Genau genommen ist der Thermostat nicht einmal ein System im tieferen Sinne.<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber wirkt es geradezu widerspr\u00fcchlich, wenn Thomas Rid die Tiefgr\u00fcndigkeit der kybernetischen Ideen eines <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gregory_Bateson\" target=\"_blank\">Gregory Bateson<\/a> in den h\u00f6chsten T\u00f6nen w\u00fcrdigt. Zumal Bateson sich der erkenntnistheoretischen und wissenschaftslogischen Problematik zirkul\u00e4rer Zusammenh\u00e4nge durchaus bewusst war. Seine Werke &#8222;Steps to an Ecology of Mind&#8220; (dt. \u00d6kologie des Geistes) und &#8222;Geist und Natur. Eine notwendige Einheit&#8220; legen davon ein beredtes Zeugnis ab.<\/p>\n<p>&#8222;Maschinend\u00e4mmerung&#8220; wird hernach politisch und milit\u00e4risch. Umso verwunderlicher scheint es, dass sich nicht einmal eine Bemerkung zu <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Cybersyn\" target=\"_blank\">Cybersyn<\/a> findet, dem Versuch des Kybernetikers <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stafford_Beer\" target=\"_blank\">Stafford Beer<\/a>, auf Basis seines Konzeptes der algedonischen Schleife ein kybernetisches Regelverfahren f\u00fcr die Volkswirtschaft in Salvador Allendes Chile zu implementieren. Dabei geht Thomas Rid explizit auf den Ursprung des politischen Impetus des Begriffs Kybernetik ein, der in einem Aufsatz des franz\u00f6sischen Physikers Jean Marie Amp\u00e8re liegt, das ist durchaus kein Allgemeinwissen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hat Thomas Rid recht, wenn er kritisiert, dass unser Verh\u00e4ltnis zur Kybernetik und zu Maschinen im allgemeinen polarisiert und \u00fcberzeichnet in Utopisches und Dystopisches, in Euphorie und Entsetzen.<\/p>\n<p>Jedoch wurde die Basis f\u00fcr eine souver\u00e4ne und rationale Positionierung jenseits dieser dichotomen Verh\u00e4ltnisse bereits gelegt, das Tor zu einem formalen Organon jenseits von Hype und Horror findet man in der G\u00fcnther&#8217;schen Theorie polykontexturaler Systeme \u2013 auch als Grundlage f\u00fcr eine transklassische Maschinentheorie. Das scheint Rid \u2013 und leider nicht nur ihm \u2013 entgangen zu sein.<\/p>\n<p>Nein, hier d\u00e4mmert nichts.<\/p>\n<p>Wer mehr und Wesentliches \u00fcber Kybernetik wissen m\u00f6chte, sollte sich den B\u00fcchern Heinz von Foersters zuwenden. Ebenfalls gewinnbringend ist eine Lekt\u00fcre des B\u00fcchleins aus dem Jahr 1962 von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Louis_Couffignal\" target=\"_blank\">Louis Couffignal<\/a>, &#8222;Kybernetische Grundbegriffe&#8220;.<\/p>\n<p>Bestes, Nick H. aka Joachim Paul<\/p>\n<p>*) Als Cybersozialisten bezeichnen sich ehemalige Mitglieder der Piratenpartei, die der politischen Links-Rechts-Ges\u00e4\u00dfgeographie des 19. Jahrhunderts zum Opfer gefallen und als Ausdruck dieses Opfertums zur Partei &#8222;Die Linke&#8220; gewechselt sind. Das Pr\u00e4fix Cyber wird hier dazu verwendet zu suggerieren, man h\u00e4tte etwas von den neuen Ideen der Piraten zu den Linken mitgenommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einiger Vorfreude besorgte ich mir das Buch &#8222;Maschinen- d\u00e4mmerung&#8220; von Thomas Rid, das mit dem Untertitel &#8222;eine kurze Geschichte der Kybernetik&#8220; verspricht. So etwas bekommt man bekanntlich nicht alle Tage geboten, denn der Begriff &#8222;Kybernetik&#8220; ist ja schon eine ganze Weile aus der Mode gekommen. Thomas Rid, Maschinend\u00e4mmerung. 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