{"id":1693,"date":"2017-01-31T13:35:24","date_gmt":"2017-01-31T11:35:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/?p=1693"},"modified":"2017-01-31T13:46:24","modified_gmt":"2017-01-31T11:46:24","slug":"top-1-am-26-01-2017-lt-nrw-forschungsland-nrw-eine-grundsatzrede","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/1693\/top-1-am-26-01-2017-lt-nrw-forschungsland-nrw-eine-grundsatzrede\/","title":{"rendered":"TOP 1 am 26.01.2017 &#8211; LT NRW &#8211; Forschungsland NRW &#8211; eine Grundsatzrede"},"content":{"rendered":"<p>Meine Rede zu TOP 1 am 26. Januar 2017 zur Unterrichtung duch die Landesregierung &#8222;Starke Forschung, starkes Land \u2013 Forschungsland NRW&#8220;<\/p>\n<p>Anmerkung: Daraus ist eine zweiteilige hochschul- und forschungspolitische Grundsatzrede geworden, die unsere Piratenpositionen noch einmal deutlich macht. Wesentliches dreht sich &#8211; auch systemisch &#8211; um die Aspekte Wissenschaftsfreiheit, Kreativit\u00e4t und Innovation.<\/p>\n<p>Der Chef der Staatskanzlei hat mit Schreiben vom 17. Januar dieses Jahres mitgeteilt, dass die Landesregierung beabsichtigt, zu dem genannten Thema zu unterrichten. \u2013 Die Unterrichtung erfolgte durch Frau Ministerin Schulze.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/kF-o0NXE7ak\" width=\"445\" height=\"250\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>Aus dem Plenarprotokoll:<\/p>\n<p>Vizepr\u00e4sident Eckhard Uhlenberg: Vielen Dank, Frau Dr. Seidl. \u2013 F\u00fcr die Fraktion der Piraten spricht Herr Kollege Dr. Paul.<!--more--><\/p>\n<p>Dr.\u00a0Joachim Paul (PIRATEN): Vielen Dank. \u2013 Lieber Herr Pr\u00e4sident! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Nach l\u00e4ngerer Zeit haben wir nun eine erste Unterrichtung der Landesregierung zum Forschungsland NRW geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Ja, zugegeben, es ist grunds\u00e4tzlich schwierig f\u00fcr die Opposition, vor dem Hintergrund von j\u00e4hrlich und stetig steigenden Hochschuletats selbst in haushalterisch kniffligen Zeiten \u2013 oh, Schuldenbremse, du meine Zukunftsbremse \u2013 ihre Punkte zu setzen, und die Zeit von 2005 bis 2010 wird ja als Pinkwarterium in die hochschulpolitische Landesgeschichte eingehen.<\/p>\n<p>(Zurufe von der FDP: Oh!)<\/p>\n<p>Dennoch, nicht nur pro Kopf gerechnet bleibt der Hochschuletat immer noch weit hinter einer ausk\u00f6mmlichen Finanzierung zur\u00fcck. Wir erkennen aber ausdr\u00fccklich das Bem\u00fchen der Landesregierung und von Frau Schulze und ihrem Ministerium um unser Forschungsland NRW und unsere Hochschulen an. Ganz besonders anerkennen wir, dass unsere Hochschulen und Forschungsinstitute und die dort arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Studierenden und die Angeh\u00f6rigen des sogenannten Mittelbaus \u2013 sofern vorhanden, muss man sagen \u2013 wirklich spitze sind und auch international gesehen Bahnbrechendes leisten, oft unter schwierigen Bedingungen und fernab wirtschaftlicher Sicherheiten.<\/p>\n<p>Es muss noch einmal daran erinnert werden, dass Nordrhein-Westfalen mit seinen 70 Hochschulen und 50 Forschungsinstituten die dichteste Hochschullandschaft der Welt ist. Das beinhaltet nicht nur Chancen, es ist auch ein ganz klarer Auftrag an die Politik. Lassen Sie mich daher hier einmal grunds\u00e4tzlich werden und die Frage stellen:<\/p>\n<p>Wird die Politik dem gesellschaftlichen Anspruch an eine erfolgreiche Wissenschaft wirklich gerecht? Denn wir sind heute vor dem Hintergrund der globalen Probleme wie zum Beispiel dem Klimawandel, den weltweiten Fl\u00fcchtlings- und Migrationsbewegungen, der drohenden Energie- und Ressourcenknappheit, des katastrophalen Versagens unserer Wirtschaftsmodelle und dem Umbruch ins Informationszeitalter vielleicht mehr als jemals zuvor in unserer Geschichte auf unsere Hochschulen als gesellschaftliche Denk- und Zukunftslabore angewiesen, und das auch vor dem Hintergrund, dass der gesellschaftliche Konsens \u00fcber die Wichtigkeit der wissenschaftlichen Rationalit\u00e4t gerade in den westlichen Industrienationen zu br\u00f6ckeln beginnt.<\/p>\n<p>Art. 5 Abs. 3 unseres Grundgesetzes schreibt die Freiheit von Kunst, Wissenschaft, Forschung und Lehre als unver\u00e4u\u00dferliches Individualrecht fest. Diesem Individualrecht ist jedoch durch die hochschulpolitische Praxis in der Bundesrepublik in den letzten 25 Jahren und auch anderswo ein gro\u00dfer Schaden zugef\u00fcgt worden.<\/p>\n<p>Hier mal ein Beispiel aus der FuE-Produktentwicklung, weil es dort besonders deutlich wird:<\/p>\n<p>Auf einer Parlamentarierreise nach China im Oktober 2015 besuchten wir auch die Niederlassung deutscher Unternehmen in China. Besonders beeindruckend fand ich einen Besuch beim Lippst\u00e4dter Kraftfahrzeugbeleuchter HELLA in Nanjing, ohne Zweifel ein Unternehmen von Weltrang. HELLA betreibt in China neben der Produktion auch Forschung und Entwicklung mit interkulturellen deutsch-chinesischen Ingenieurteams. Man stellt sich bei HELLA bewusst international auf und ist der Auffassung, dass \u00fcber kurz oder lang auch in China das entsprechende Know-how heimisch wird und nicht nur die nach Fernost ausgelagerte Produktion.<\/p>\n<p>Unsere SPD-Kollegin Heike Gebhard \u2013 ich bin der Heike heute noch unendlich dankbar daf\u00fcr \u2013 fragte einen HELLA-Manager, ob es denn Unterschiede zwischen den chinesischen und den deutschen Ingenieuren gebe. Er antwortete, dass die chinesischen Ingenieure den deutschen in Sachen Fachwissen und Know-how zwar in nichts nachst\u00fcnden, dass aber die kreativ-technische Probleml\u00f6sekompetenz bei den deutschen weitaus besser entwickelt sei. Er f\u00fchrte diesen Vorsprung nicht auf kulturelle oder Mentalit\u00e4tsfragen zur\u00fcck, sondern in erster Linie auf die starke Verschulung an den chinesischen Hochschulen.<\/p>\n<p>Und was machen wir an unseren Hochschulen gerade? \u2013 Modularisieren, Verschulen, Vermessungs- und Evaluierungswahn, Kennzahlenakrobatik. Na super! Um das richtigzustellen: Mir geht es hier nicht etwa um die Aufgabe eines m\u00f6glichen Produktivit\u00e4tsvorsprungs gegen\u00fcber China, sondern um die prinzipielle Aufgabe einer Kreativit\u00e4tskultur, die f\u00fcr uns Menschen insgesamt wichtig ist und, wie ich glaube, wichtiger werden wird.<\/p>\n<p>Die Verschulung ist nur ein dunkler Schatten von Bologna. Den anderen heben nicht wenige Hochschullehrer hervor, die die mangelnde Pers\u00f6nlichkeitsbildung im Rahmen der beschleunigten Bachelor- und Masterstudieng\u00e4nge kritisieren. Dieter Lenzen, der Rektor der Uni Hamburg, spricht sogar von der Bologna-Reform als einen \u201eUnfall mit politischer Fahrerflucht\u201c. Kreativit\u00e4t und Innovation sind Dinge, die sich n\u00e4mlich weit jenseits jeglicher Messbarkeitsfragen ereignen.<\/p>\n<p>Besonders deutlich wird das am Beispiel des japanischen Roboterforschers Isao Shimoyama. Er gr\u00fcbelte in den 90er-Jahren \u00fcber Miniaturroboter nach zum Thema \u201eKanal- und Kabelreinigung\u201c, damit man zum Beispiel nicht immer die Stra\u00dfe aufrei\u00dfen muss. Er hatte das Problem, dass die d\u00fcnnen Achsen der Drehgelenke dauernd durchschmorten. Das Problem schien unl\u00f6sbar.<\/p>\n<p>Eines Abends beobachtete er zu Hause seine Frau beim traditionellen japanischen Origami, diesem Falten von kleinen kunstvollen Objekten aus Papier. Das brachte ihn von R\u00e4dern und Achsen ab auf einen v\u00f6llig neuen Denkweg: Knickgelenke.<\/p>\n<p>Dieses Beispiel zeigt eindrucksvoll: Innovation kommt h\u00e4ufig aus dem Umfeld, aus der pers\u00f6nlichen \u00d6kologie des Forschers und eben nicht immer aus Drittmittelunternehmen oder dem eigenen Labor. Es zeigt ganz besonders etwas, was in unserer westlichen Kultur verlorengegangen ist. Denn in diesem Beispiel von den Knickgelenken vereinigt sich das alte griechische Wort \u201eTechne\u201c, was auch Kunst, Kunstfertigkeit und Handwerk meint, mit unserem Wort \u201eTechnik\u201c, abgeleitet aus \u201eTechne\u201c, bei dem die urspr\u00fcngliche Bedeutung ein wenig verlorengegangen ist.<\/p>\n<p>Ein solches Entstehen von Kreativit\u00e4t k\u00f6nnen Politik und Wirtschaft nicht planen, sondern nur den bestm\u00f6glichen Rahmen schaffen. Ideen entziehen sich jeglicher Planung.<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel, das Ihnen vielleicht schon bekannt ist: Als Chester Charlson und Otto Kornei ihr Fotokopierverfahren entwickelten, begann das Klinkenputzen und die Suche nach Investoren. General Electrics sowie weitere 18 Unternehmen sagten ab. IBM ging besonders klug vor und beauftragte die renommierte Unternehmensberatung Arthur D. Little, eine Marktabsch\u00e4tzung f\u00fcr Fotokopierer vorzunehmen. Und ADL prognostizierte einen Bedarf von 5.000 Kopierern f\u00fcr die gesamte USA. \u2013 IBM nahm daher Abstand von dem Gesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>Man kann sich nur vorstellen, wie IBM-Manager 20 Jahre sp\u00e4ter in Armonk reihenweise in die Tischkanten gebissen haben, als Rank Xerox einen B\u00f6rsenwert von \u00fcber 2 Milliarden \u20ac US-Dollar aufwies.<\/p>\n<p>Ein weiterer Punkt ist Kommunikation und Vernetzung. Auch da zeigt sich: Hochschulen sind keine Unternehmen und sind nicht als solche zu behandeln. Diejenigen, die in Forschung und Wissenschaft unterwegs sein wollen, sind sich sehr wohl im Klaren \u00fcber die sensible dialektische Beziehung \u2013 das wird im Englischen besonders deutlich \u2013 zwischen Cooperation and Competition.<\/p>\n<p>Ein Silberstreif am Horizont \u2013 das ging neulich durch die Presse \u2013: Selbst die Firma Apple hat mittlerweile kapiert, dass es nichts bringt, die eigenen k\u00fcnstlichen Intelligenzforscher hinter verschlossenen T\u00fcren zu halten. Ideen und Innovationen brauchen einen \u00f6ffentlichen Austausch und Kommunikation.<\/p>\n<p>Hier in Deutschland und in Nordrhein-Westfalen wird gerankt und \u201egekennzahlt\u201c, vermessen und bewertet, dass die Schwarte kracht. Und das CHE, dieser hochschulstrategische Kuhfladen, der immer wieder versucht, sich als Elitedelikatesspizza zu verkaufen, steht dabei in der ersten Reihe.<\/p>\n<p>(Zuruf von Dr.\u00a0Stefan Berger [CDU])<\/p>\n<p>Die Wissenschaft muss sich fragen: Welches Mandat haben die eigentlich? Und sie tut das auch wie zuletzt der Historikerverband und die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Soziologie, die diese Rankingverfahren grunds\u00e4tzlich ablehnen.<\/p>\n<p>Im Sport ist das klar. Da gibt es zum Beispiel beim Hundertmetersprint in der Leichtathletik den Starter mit der Pistole und die Zeitnehmer am Zieleinlauf \u2013 heute Elektronik.<\/p>\n<p>Hochschulen auf der Sprintstrecke? Nur ja nicht die Bahn verlassen \u2013 denken Sie an die Knickgelenke! \u2013: Wo bleibt da die Wissenschaftsfreiheit? \u2013 Hier wird mehr \u00fcber Antr\u00e4ge und Drittmittel diskutiert als \u00fcber wissenschaftliche Inhalte.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte einmal etwas l\u00e4nger den leider 2005 verstorbenen Bonner Hirnforscher von Weltruf, Detlef Linke, aufrufen und aus seinem \u00fcberaus feinen Buch \u201eDie Freiheit und das Gehirn\u201c zitieren:<\/p>\n<p>\u201eIch will auch nicht dar\u00fcber klagen, dass in der \u00d6ffentlichkeit von Wissenschaftsfunktion\u00e4ren die Wissbegierde als Antrieb der Forschungsentwicklung genannt wird, obwohl die Forschung immer mehr nicht an den Ergebnissen, sondern an den eingeworbenen Geldmitteln gemessen wird. Man fragt nicht nach den Ergebnissen der Forschung, sondern nach dem Startkapital (z. B. eineinhalb Millionen Euro f\u00fcr ein Gro\u00dfger\u00e4t). Doch dar\u00fcber will ich mich gar nicht beklagen.<\/p>\n<p>Wenn man den Umschlag von Wissenschaft in reine Quantifizierung und dies vor allem bei den verwendeten Geldmitteln beschreiben will, w\u00e4re es angemessen, die ironische Haltung von Douglas Adams einzunehmen, der die Frage, was der Sinn des Universums sei, mit der Zahl 42 beantwortete. Diese Quantifizierung wird mit der Messung von Impaktfaktoren, das hei\u00dft mit der Messung von Faktoren, die die Verbreitung von Publikationen bemessen, vorangetrieben: Am Schluss steht immer eine Zahl.<\/p>\n<p>Meine Problematisierung richtet sich auf einen anderen Bereich. Es geht mir um den angestrengten Optimismus, den Wissenschaftspolitik zu bewahren sucht und dabei gro\u00dfe Verkrampfungen erzeugt, die jenseits aller kreativen Haltungen sind. Neue Erkenntnisse entstehen oft aus Spielerei und fr\u00f6hlichem Witz (man denke an Einstein) und auch aus der F\u00e4higkeit, Wissenschaft selber zu ironisieren. Stattdessen glaubt man, f\u00fcr das viele investierte Geld ein ernsthaftes Gesicht bzw. gar eine saure Miene machen zu m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>Weiter hei\u00dft es:<\/p>\n<p>\u201eHierzulande wird, wenn Wissenschaft gef\u00f6rdert werden soll, erst einmal in Beton gegossen und \u00fcber die Presse angek\u00fcndigt. Der Wissenschaftsbetrieb erscheint dabei manchmal fast genauso verbissen wie das Lager der Wissenschaftskritiker. Will man Kreativit\u00e4t f\u00f6rdern, so sollten beide gemeinsame Lockerungs\u00fcbungen machen.\u201c<\/p>\n<p>Ich f\u00fcge dem Zitat hinzu: Diese Lockerungs\u00fcbung sollte auch f\u00fcr die Wissenschaftspolitik gelten.<\/p>\n<p>Problembewusst, aber locker, jenseits des Ranking- und Evaluierungswahns und f\u00fcr Kreativit\u00e4ts- und Innovationskultur, das w\u00fcrde NRW sehr gut zu Gesicht stehen. Das sagen wir Piraten. Dann klappt es auch mit dem Nachbarn. Wir Piraten pl\u00e4dieren n\u00e4mlich schon eine ganze Weile f\u00fcr eine neue Kommunikationskultur, beispielsweise daf\u00fcr, unterschiede Szenen und Kontexte zusammenzubringen: Hacker- und Makerspaces mit Hochschulen und mittelst\u00e4ndischen Unternehmen.<\/p>\n<p>All das ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass heutzutage prinzipiell didaktisch aufbereitete Inhalte zu jeder Zeit an jedem Ort \u00fcber das Netz verf\u00fcgbar sind. Dann w\u00fcrde das Land als Ganzes zur Hochschule f\u00fcr Innovation werden, und B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger bek\u00e4men eine viel direktere Beziehung zu ihrer Wissenschaft und ihren Hochschulen. \u2013 Herzlichen Dank.<\/p>\n<p>(Beifall von den PIRATEN \u2013 Vereinzelt Beifall von der SPD)<\/p>\n<p>Vizepr\u00e4sident Eckhard Uhlenberg: Vielen Dank, Herr Kollege Dr. Paul. \u2013 F\u00fcr die Landesregierung spricht Frau Ministerin Schulze.<\/p>\n<p><strong>Teil2:<\/strong><\/p>\n<p>Vizepr\u00e4sident Oliver Keymis: Vielen Dank, Herr Bell. \u2013 F\u00fcr die Piratenfraktion hat sich noch einmal Herr Dr. Paul zu Wort gemeldet.<\/p>\n<p>Dr.\u00a0Joachim Paul (PIRATEN): Vielen Dank. \u2013 Herr Pr\u00e4sident! Ich hoffe, Sie glauben mir, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass es mir nicht darum geht, das letzte Wort zu haben, sondern ich m\u00f6chte einfach noch zwei Anmerkungen machen.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst an Herrn Dr. Berger: Teflon wurde 1938 von Roy Plunkett erfunden. Es gab zun\u00e4chst keinerlei technische Anwendungen. Das Ganze entstand aus einer Spielerei dieses Chemikers und hatte mit Milit\u00e4rforschung nichts zu tun. Sp\u00e4ter ist es dann im Rahmen des Manhattan-Projektes genutzt worden. \u2013 So viel dazu.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte noch auf folgenden Punkt eingehen: Im Sommer 2015 besuchte der Wissenschaftsausschuss J\u00fclich. Eine gewisse Redundanz erh\u00f6ht vielleicht auch die mentale Nachhaltigkeit. Herr Prof. Dr. Marquardt hat sich dort dezidiert zum Thema \u201eForschungs- und Entwicklungsf\u00f6rderung\u201c ge\u00e4u\u00dfert und daf\u00fcr pl\u00e4diert, die F\u00f6rderung von der Grundlagenforschung bis hin zum fertigen Produkt \u00fcber Universit\u00e4ts-, Hochschul- und Wirtschaftsgrenzen hinweg quasi als Paket zu sehen, um tats\u00e4chlich auch in der Heimatregion, in der etwas Neues entwickelt oder entdeckt wird, zu einer wirtschaftlichen Nutzbarkeit zu kommen.<\/p>\n<p>Das Risiko, solche Ma\u00dfnahmen zu f\u00f6rdern, ist erst einmal nicht sehr gro\u00df. Denn wenn man in Einrichtungen forscht \u2013 wir sehen es am CERN; da geht es um Higgs-Bosonen oder was auch immer \u2013, kommen als Seiteneffekt immer auch technisch nutzbare Dinge heraus, beispielsweise im Bereich der Supraleiter, die wirtschaftlich verwertbar sind. Daher ist es kein gro\u00dfes Risiko. Nur, diesem Risiko steht die vielleicht gr\u00f6\u00dfte Innovationsbremse zu Beginn des 21. Jahrhunderts gegen\u00fcber. Das ist \u2013 ich sage es in aller Deutlichkeit \u2013 die Schuldenbremse. Schuldenbremse gleich Innovationsbremse!<\/p>\n<p>(Beifall von den PIRATEN)<\/p>\n<p>Ansonsten kann man nur sagen: Das, was Herr Prof. Marquardt vorschl\u00e4gt \u2013 eine Kompaktheit von der Grundlagenforschung bis hin zum fertigen Produkt \u2013, sollte man durchaus einmal strategisch durchdenken und vielleicht testweise auch umsetzen.<\/p>\n<p>In dem Zusammenhang ist es vielleicht auch ganz wichtig, zu sagen: J\u00fclich ist in zwei Bereichen, was den Erkenntnisgewinn angeht, weltweit ziemlich vorne. Das ist zum einen die Speichertechnik, bzw. es sind die Memristoren, die sogenannten Widerst\u00e4nde, die sich an den Strom erinnern, der zuletzt durch sie geflossen ist. Das ist zum anderen die Energiespeichertechnik. Wir sollten dieses Know-how nicht nur f\u00fcr Nordrhein-Westfalen nutzen. Ein gesamtgesellschaftlicher Nutzen f\u00fcr die Menschheit sollte nicht verschenkt, sondern gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p>Ich komme zum n\u00e4chsten Punkt, der mir besonders wichtig ist: Vorhin bin ich ein bisschen auf die \u00d6konomisierungsdinge in der Forschungslandschaft bzw. der Wissenschaft eingegangen. Die hatten eine ganz katastrophale Folge, n\u00e4mlich die Tatsache, dass die Vielfalt der speziell an den volkswirtschaftlichen Lehrst\u00fchlen diskutierten Modelle in den letzten Jahren erheblich zur\u00fcckgegangen ist und dass mittlerweile die \u00dcberzeugung vorherrscht: Unternehmensschulden sind gut, und Staatsschulden sind schlecht.<\/p>\n<p>Niemand versucht noch ernsthaft, in Kreisl\u00e4ufen zu denken, und das zu einer Zeit, in der sich das Denken in Kreisl\u00e4ufen \u2013 Stichwort \u201eglobale Probleme\u201c \u2013 als vielleicht wichtig und rettend herausstellen wird. Das nur noch einmal zur Erinnerung. \u2013 Herzlichen Dank. Sch\u00f6ne Mittagspause!<\/p>\n<p>(Beifall von den PIRATEN \u2013 Michele Marsching [PIRATEN]: Das geht an die, die nicht da sind!)<\/p>\n<p>Vizepr\u00e4sident Oliver Keymis: Vielen Dank, Herr Dr. Paul. \u2013 Es liegen mir keine weiteren Wortmeldungen mehr vor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Rede zu TOP 1 am 26. Januar 2017 zur Unterrichtung duch die Landesregierung &#8222;Starke Forschung, starkes Land \u2013 Forschungsland NRW&#8220; Anmerkung: Daraus ist eine zweiteilige hochschul- und forschungspolitische Grundsatzrede geworden, die unsere Piratenpositionen noch einmal deutlich macht. Wesentliches dreht sich &#8211; auch systemisch &#8211; um die Aspekte Wissenschaftsfreiheit, Kreativit\u00e4t und Innovation. 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