{"id":1746,"date":"2017-03-18T15:32:36","date_gmt":"2017-03-18T13:32:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/?p=1746"},"modified":"2017-03-18T17:41:26","modified_gmt":"2017-03-18T15:41:26","slug":"top-11-16-03-2017-lt-nrw-industrie-4-0-das-loechrige-konzept","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/1746\/top-11-16-03-2017-lt-nrw-industrie-4-0-das-loechrige-konzept\/","title":{"rendered":"TOP 11 &#8211; 16.03.2017- LT NRW &#8211; Industrie 4.0 &#8211; das l\u00f6chrige Konzept &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Meine Rede zu TOP 11 am 16. M\u00e4rz 2017, Fortschritt durch Industrie 4.0 f\u00fcr NRW gestalten &#8211; Investitionen und Innovation f\u00fcr gute Arbeit f\u00f6rdern<br \/>\nAntrag der Fraktion der SPD und der Fraktion der B\u00dcNDNIS 90\/DIE GR\u00dcNEN &#8211; <a href=\"https:\/\/www.landtag.nrw.de\/portal\/WWW\/dokumentenarchiv\/Dokument\/MMD16-12853.pdf\" target=\"_blank\">Drucksache 16\/12853<\/a><br \/>\nBeschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses f\u00fcr Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk &#8211; <a href=\"https:\/\/www.landtag.nrw.de\/portal\/WWW\/dokumentenarchiv\/Dokument\/MMD16-14418.pdf\" target=\"_blank\">Drucksache 16\/14418<\/a><br \/>\nEntschlie\u00dfungsantrag des Abg. Schwerd (fraktionslos) &#8211; <a href=\"https:\/\/www.landtag.nrw.de\/portal\/WWW\/dokumentenarchiv\/Dokument\/MMD16-12906.pdf\" target=\"_blank\">Drucksache 16\/12906<br \/>\n<\/a>Entschlie\u00dfungsantrag der Fraktion der CDU &#8211; <a href=\"https:\/\/www.landtag.nrw.de\/portal\/WWW\/dokumentenarchiv\/Dokument\/MMD16-14521.pdf\" target=\"_blank\">Drucksache 16\/14521<\/a><\/p>\n<p>Die Sprechblase Industrie 4.0 wird entlarvt.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/y5t4pP8aPbw\" width=\"455\" height=\"250\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>Aus dem Plenarprotokoll:<br \/>\nVizepr\u00e4sident Eckhard Uhlenberg: Vielen Dank, Herr Kollege Bombis. \u2013 F\u00fcr die Piratenfraktion spricht Herr Kollege Dr. Paul.<!--more--><\/p>\n<p>Dr.\u00a0Joachim Paul (PIRATEN): Vielen Dank. Lieber Herr Pr\u00e4sident! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Liebe Zuschauer! Industrie 4.0, die Idee der webbasierten vernetzten Fabrik feiert in diesem Jahr den f\u00fcnften Geburtstag. Wir m\u00fcssen aber leider auf f\u00fcnf weitgehend verlorene Jahre zur\u00fcckblicken, in denen weder die Bedeutung des Themas erkannt wurde noch die Zielgruppe von Industrie 4.0, der produzierende Mittelstand, wirklich adressiert worden ist.<\/p>\n<p>Industrie 4.0, diese nur in Deutschland vorhandene Marketingsprechblase \u2013 woanders hei\u00dft es Internet of Things \u2013, wird vornehmlich von zwei Gruppen vorangetrieben, n\u00e4mlich den Fabrikausr\u00fcstern und der Forschung. F\u00fcr die Fabrikausr\u00fcster ist Industrie 4.0 ein willkommenes Konjunkturprogramm, und die Forschung freut sich \u00fcber Zuwendungen aus der \u00f6ffentlichen Hand. Diese Protagonisten treiben in ihrer Rolle als Experten die Politik vor sich her und beeinflussen ma\u00dfgeblich die Agenda und die Mittelverwendung. Hier liegt ein basaler Konstruktionsfehler der F\u00f6rderung vor. Die Experten sind auch gleichzeitig die Nutznie\u00dfer dieser Gelder. Es besteht zweifelsfrei ein Interessenskonflikt.<\/p>\n<p>Fokussiert wird dabei lediglich die Automation. Das erzeugt wenig wirklich Innovatives. So erscheint Industrie 4.0 als eine Fortf\u00fchrung der Automation, die wir bereits seit 70 Jahren haben. Industrie 4.0 kommt aus der Fabrik nicht heraus. Das Denken endet am Werkstor. Dabei wird fast ausschlie\u00dflich mit Effizienzgewinnen argumentiert. Fragen von Nachhaltigkeit und guter Arbeit werden allenfalls am Rand diskutiert, wobei ich mich \u00fcber die Rede von Frau Dr. Beisheim gerade wirklich gefreut habe.<\/p>\n<p>Industrie 4.0 spricht nur von Chancen und von Vorteilen. Gegen\u00fcber dem Mittelstand wird mit Angst vor dem Verlust der Wettbewerbsf\u00e4higkeit argumentiert und das Gef\u00fchl der Alternativlosigkeit vermittelt. Vertrauensbildung geht anders. Deshalb f\u00fchlt sich der Mittelstand von Industrie 4.0 nicht so recht angesprochen. Er ist skeptisch und abwartend.<\/p>\n<p>Es ist die Rede davon, dass die Arbeit in den Fabriken hochwertiger wird und der Mitarbeiter zum Dirigenten der Wertsch\u00f6pfung wird. Das ist nicht richtig. Vielmehr verschiebt sich die Macht in den Fabriken grundlegend und zum Nachteil des Mitarbeiters. Der Mitarbeiter wird seine Anweisungen k\u00fcnftig von Maschinen, Algorithmen oder direkt vom Material erhalten und nur noch einfache Hilfst\u00e4tigkeiten ausf\u00fchren. Ein eigenartiges Verst\u00e4ndnis von Dirigententum!<\/p>\n<p>Anders als heute sind die Mitarbeiter auch nicht mehr l\u00e4nger eingeladen, dieses System mitzugestalten. Dies wird wieder nur die alleinige Aufgabe der Ingenieure sein und ist damit ein ganz klarer Schritt in die l\u00e4ngst \u00fcberwunden geglaubte Zeit der Massenfertigung. Von guter Arbeit also keine Spur! Die Macht hat derjenige, der sich zwischen Produzent und Kunde schiebt. Dies gelingt den Internetmultis in den Sektoren wie Freizeitverhalten, Handel und Mobilit\u00e4t bereits jetzt hervorragend. Warum sollten sie nicht auch versuchen, die Kontrolle \u00fcber die industrielle Wertsch\u00f6pfung zu erlangen? Konzepte, wie dem zu begegnen ist, sucht man bei Industrie 4.0 allerdings vergebens. Stattdessen feiern sich die Protagonisten f\u00fcr Detaill\u00f6sungen der Fabrikautomation.<\/p>\n<p>Deutschlands Antwort auf diese Herausforderungen besteht im Ert\u00fcfteln von technischen Schnittstellen, w\u00e4hrend man in den USA Gesch\u00e4ftsmodelle entwirft. Deutschland will wissen, wie Industrie 4.0 technisch geht. Die USA will wissen, wie man damit Geld verdient.<\/p>\n<p>Das Internet der Dinge ist eine Technologie, die weit \u00fcber die Fabrikgrenzen hinaus unsere Welt ver\u00e4ndern wird. Industrie 4.0 besch\u00e4ftigt sich hierzulande aber nur mit der Perfektionierung des Bestehenden. Sie kommt nicht \u00fcber die fabrikfixierte Nabelschau im Rahmen herk\u00f6mmlicher Gesch\u00e4ftsmodelle mit dem ausschlie\u00dflichen Ziel der Effizienzverbesserung hinaus. Es sollte Aufgabe der Industriepolitik sein, dies zu \u00e4ndern. Es kann nicht darum gehen, die klassische Industrie mittels Automation zu ert\u00fcchtigen, sondern es muss darum gehen, Modelle f\u00fcr die Industrie der Zukunft zu entwickeln.<\/p>\n<p>Wir haben mit dem Internet der Dinge eine m\u00e4chtige Technologie in den H\u00e4nden. Sie gibt uns die historisch einmalige Chance, zu bestimmen, wie wir zuk\u00fcnftig leben, wirtschaften und arbeiten wollen. Deshalb muss das Thema endlich von den Menschen und der Gesellschaft her gedacht werden. Eine gute Industriepolitik muss genau hier ansetzen.<\/p>\n<p>Der Antrag von Rot-Gr\u00fcn enth\u00e4lt ein paar gute Ans\u00e4tze. Wir werden uns daher bei der Abstimmung enthalten.<\/p>\n<p>Der Antrag des Kollegen Schwerd enth\u00e4lt viele richtige Beobachtungen im Analyseteil, spricht jedoch vom Erhalt der sozialen Errungenschaften, statt von ihrer Erweiterung, was ein Piratenziel ist. Als Adresse an die Linken: Wir werden den Antrag ablehnen. Ihr springt da immer zu kurz.<\/p>\n<p>Der CDU-Antrag m\u00f6chte durch die Hintert\u00fcr wieder einmal in Berufskollegs bestimmte Software und Hardware von Herstellern einf\u00fchren. Das hatten wir hier schon einmal. Das wollen wir nicht. Auch an die Adresse der CDU: Seid ihr wirklich so schlecht aufgestellt, dass ihr den Kollegen Stein ins Rennen schicken m\u00fcsst? Der ist nicht einmal im Wirtschaftsausschuss.<\/p>\n<p>(Beifall von den PIRATEN \u2013 Vereinzelt Beifall von der SPD und den GR\u00dcNEN)<\/p>\n<p>Ich kann nur sagen: Digitale schwarze Null! \u2013 Danke.<\/p>\n<p>(Beifall von den PIRATEN)<\/p>\n<p>Vizepr\u00e4sident Eckhard Uhlenberg: Vielen Dank, Herr Kollege. \u2013 Nun spricht der fraktionslose Kollege Herr Schwerd.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Rede zu TOP 11 am 16. 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