{"id":1989,"date":"2018-04-23T15:30:27","date_gmt":"2018-04-23T13:30:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/?p=1989"},"modified":"2018-04-23T15:40:58","modified_gmt":"2018-04-23T13:40:58","slug":"system","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/1989\/system\/","title":{"rendered":"System"},"content":{"rendered":"<h3>Dirk Baecker zum Systembegriff &#8211; reloaded<\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/dbaecker\/dbaecker_system.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">pdf zum Download<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1990\" src=\"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/sponge-2768331_1920.png\" alt=\"\" width=\"445\" height=\"210\" srcset=\"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/sponge-2768331_1920.png 1920w, http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/sponge-2768331_1920-300x141.png 300w, http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/sponge-2768331_1920-768x362.png 768w, http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/sponge-2768331_1920-1024x482.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 445px) 100vw, 445px\" \/><\/p>\n<p>Am 9. April 2018 ver\u00f6ffentlichte ich an dieser Stelle einen Beitrag mit dem Titel <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/?p=1958\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eAnti-Aufkl\u00e4rung? Kriegstechnologie? Anmerkungen zu blinden Flecken im Narrativ der Kybernetik\u201c<\/a>.<\/p>\n<p>Der Soziologe Dirk Baecker sprach mir als einer der ersten seine Anerkennung aus, der Beitrag sei seiner Auffassung nach \u201eau\u00dferordentlich hilfreich\u201c. Und er erinnerte auch gleich daran, dass der Systembegriff in seinem Narrativ ganz \u00e4hnlichen blinden Flecken und Missverst\u00e4ndnissen unterworfen sei <!--more-->wie der der Kybernetik.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise \u2013 und das ist jetzt meine Vermutung \u2013 liegen diesen Missverst\u00e4ndnissen bezogen auf den Systembegriff ganz \u00e4hnliche Mechanismen der iterierten Interpretation zugrunde.<\/p>\n<p>Die Schwesternschaft von Kybernetik und Systemtheorie \u2013 gemeinhin begr\u00fcndbar aus der Pflege auch in der Methodik \u00e4hnlicher sowie aufeinander Bezug nehmender wissenschaftlicher Fragestellungen \u2013 erhielte somit aus dem Feld der kritischen (Kriegs-)Interpretationen heraus eine weitere Komponente. Diese f\u00e4llt jedoch \u2013 und das darf hier gesagt werden &#8211; in ihrem Reflexionsniveau weit hinter die kritische Selbstreflexion der VertreterInnen beider Bereiche zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Wie dem auch sei, Dirk Baecker schreibt &#8211; dankenswerterweise &#8211; gegen diese Missverst\u00e4ndnisse an, und das schon eine ganze Weile. Daher republizieren wir hier mit seiner freundlichen Genehmigung einen Beitrag mit dem Titel \u201e<a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/dbaecker\/dbaecker_system.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">System<\/a>\u201c, der 2010 im Sonderheft 6 des \u201eArchiv f\u00fcr Begriffsgeschichte\u201c erstpubliziert wurde. Dort hei\u00dft es:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie Nachbarschaft von Kybernetik und Systemtheorie hat meines Erachtens nicht darin ihre Pointe, da\u00df beide als technokratische Geheimwissenschaften der Steuerung und Kontrolle komplexer Systeme zu Zeiten des Kalten Kriegs gerade recht kamen,\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8211; Baecker nimmt hier Bezug auf gleich eine ganze Reihe einschl\u00e4giger Publikationen [*] &#8211;<\/p>\n<blockquote><p>\u201esondern darin, da\u00df die von der Kybernetik verwendeten mathematischen Ideen die M\u00f6glichkeit boten, eine der zentralen Fragestellungen des bis dahin \u00fcberlieferten Systembegriffs zu bearbeiten, n\u00e4mlich die Fragestellung eines organismischen oder auch ganzheitlichen Systemerhalts unter der Bedingung einer rauschenden Umwelt.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>\u201eGanzheitlicher Systemerhalt unter der Bedingung einer rauschenden Umwelt\u201c, der Term tr\u00e4gt aphoristische Z\u00fcge und sprengt sogleich jeden machtpolitischen Interpretationsansatz, indem er das Telos eines kybernetischen Systems in einen epistemologischen Fragenraum stellt.<\/p>\n<p>Baecker transformiert die nach McCulloch \u00fcbrig gebliebenen drei ungel\u00f6sten Fragestellungen der Kybernetik in sprachliche Varianten: Wie wird gez\u00e4hlt\/gerechnet, wie wird getauscht und wie wird geordnet? Hernach rollt er den Systembegriff noch einmal aus und schl\u00e4gt vor, ihn \u201ef\u00fcr die Formulierung des Selbstreferenzproblems zu reservieren\u201c.<\/p>\n<p>Gleichwohl gibt es keine geschlossene Formulierung des Systembegriffs. Eine solche w\u00e4re ein Widerspruch in sich. Seine Leistung so Baecker, liege \u201ein der Ordnung von Beobachtungen und Beschreibungen, die es mit dem Problem komplexer Ph\u00e4nomene aufnehmen, den Beobachter mit Einheit und Vielfalt, \u00d6ffnung und Schlie\u00dfung, Bestimmtheit und Unbestimmtheit zugleich zu konfrontieren.\u201c Oder, unter Bezugnahme auf Gotthard G\u00fcnther, jedoch mit anderen Worten: \u201eDas System ist sein eigener Unruhezustand.\u201c<\/p>\n<p>Das ist subversiv im besten Sinne.<\/p>\n<p>Viel Spa\u00df beim Lesen,<\/p>\n<p>Joachim Paul (Hg.)<\/p>\n<p>[*] Die Originalfussnote Baeckers: \u201eSo jedoch Paul N. Edwards: The Closed World. Computers and the Politics of Discourse in Cold War America (Cambridge, Mass. 1996), und Tiqqun: Kybernetik und Revolte (Berlin 2007). Vgl. auch, tendenziell vorsichtiger, Steve J. Heims: John von Neumann and Norbert Wiener. From Mathematics to the Technologies of Live and Death (Cambridge, Mass. 1982) und N. Katherine Hayles: How We Became Posthuman. Virtual Bodies in Cybernetics, Literature, and Informatics (Chicago 1999). St\u00e4rker um die Rekonstruktion kybernetischer Konzepte bem\u00fcht ist Andrew Pickering: Kybernetik und neue Ontologien (Berlin 2007).\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dirk Baecker zum Systembegriff &#8211; reloaded pdf zum Download Am 9. April 2018 ver\u00f6ffentlichte ich an dieser Stelle einen Beitrag mit dem Titel \u201eAnti-Aufkl\u00e4rung? Kriegstechnologie? Anmerkungen zu blinden Flecken im Narrativ der Kybernetik\u201c. 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