{"id":546,"date":"2012-07-26T18:35:46","date_gmt":"2012-07-26T16:35:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/?p=546"},"modified":"2012-10-23T09:16:20","modified_gmt":"2012-10-23T07:16:20","slug":"wahlkampfnachlese-eine-anfrage-der-giordano-bruno-stiftung-zur-gretchenfrage","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/546\/wahlkampfnachlese-eine-anfrage-der-giordano-bruno-stiftung-zur-gretchenfrage\/","title":{"rendered":"Wahlkampfnachlese &#8211; eine Anfrage der Giordano-Bruno-Stiftung zur Gretchenfrage"},"content":{"rendered":"<p>Hallo zusammen,<\/p>\n<p>am 05. Juli erreichte mich eine Email von Philipp M\u00f6ller, dem Pressereferenten der humanistischen Giordano-Bruno-Stiftung GBS \u00fcber den Requesttracker der Piratenpartei NRW.<br \/>\nHerr M\u00f6ller hat sich dankenswerterweise damit einverstanden erkl\u00e4rt, dass ich ihm \u00f6ffentlich in meinem Blog antworte.<br \/>\nEr nahm in seiner Mail Bezug auf ein Telefoninterview, dass ich w\u00e4hrend des Wahlkampfs Herrn Christoph Schmidt von der katholischen Nachrichtenagentur KNA gegeben habe:<!--more--><\/p>\n<p>Mailtext P. M\u00f6ller:<\/p>\n<p><em>\u00a0&#8230; Hallo nach NRW,<\/em><br \/>\n<em>soeben lese ich folgendes Interview: <a title=\"Link zum Interview mit der KNA\" href=\"http:\/\/www.kath.net\/detail.php?id=36279\" target=\"_blank\">Link zur KNA<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;KNA: Haben Kirche und Religion \u00fcberhaupt einen Wert f\u00fcr die Piraten?<\/em><\/p>\n<p><em>Paul: &#8230; Viele Werte und Ideale der Aufkl\u00e4rung, die unsere heutige Freiheit begr\u00fcnden, entwickelten sich jahrhundertelang unter dem Dach der christlichen Religion.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>Nun m\u00f6chte ich mich nicht in den evtl. &#8222;Shitstorm&#8220; einreihen, muss aber doch auf einen kurzen Text unserer FAQs hinweisen:<\/em><\/p>\n<p><em><a title=\"Link zur Leitbildseite der GBS\" href=\"http:\/\/www.giordano-bruno-stiftung.de\/leitbild\/10-fragen-antworten?page=0,2\" target=\"_blank\">Link zu Leitbild-Seite der GBS<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;7. Sind die Religionen nicht doch notwendig f\u00fcr die Wertebildung?<\/em><br \/>\n<em> Es ist eine historisch unumst\u00f6\u00dfliche Tatsache, dass die fundamentalen Rechte, die wir in modernen Rechtsstaaten genie\u00dfen, \u00fcberwiegend nicht den Religionen entstammen, sondern in einem erbitterten Emanzipationskampf gegen die Machtanspr\u00fcche der Religionen durchgesetzt werden mussten. Viele Werte wie etwa Rationalit\u00e4t, individuelle Selbstbestimmung oder Demokratie, die uns heute selbstverst\u00e4ndlich erscheinen, wurden bereits im antiken Griechenland und Rom entwickelt, verschwanden aber mit der Macht\u00fcbernahme des Christentums fast ein Jahrtausend von der Bildfl\u00e4che. Es bedurfte schon der Renaissance, einer Zeit, in der die antiken Schriften wieder entdeckt wurden, damit sich in Europa langsam wieder die Idee der individuellen Freiheit entfalten konnte.<\/em><\/p>\n<p><em>Auch in der Neuzeit waren es vorwiegend religionskritische Menschen, die die Werteentwicklung (etwa die Gleichberechtigung der Geschlechter, die Idee der sozialen Gerechtigkeit, die Gew\u00e4hrung von Meinungs- und Pressefreiheit, die Anerkennung sexueller Selbstbestimmungsrechte etc.) voranbrachten. Die Idee der Menschenrechte beispielsweise wurde ma\u00dfgeblich von dem Religionskritiker Thomas Paine forciert, w\u00e4hrend eine ganze Reihe von P\u00e4psten dies als &#8222;unertr\u00e4gliche Anma\u00dfung&#8220; verdammte. Erst 1961 konnte sich Papst Johannes XXIII. zu einer gewundenen Anerkennung der Menschenrechte durchringen, jedoch hat der Vatikan als einziger Staat in Europa (neben Wei\u00dfrussland) die Europ\u00e4ische Menschenrechtskonvention bis heute nicht ratifiziert. Nur ein Beispiel unter vielen, das zeigt, dass die Rede von den &#8222;christlichen Werten&#8220; einer genaueren Betrachtung nicht standh\u00e4lt.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>Ich hoffe also, dass das Interview m\u00f6glichst selten gelesen wird.<\/em><\/p>\n<p><em>Bedenkt man, dass (1) hierzulande ca. 37% der Bev\u00f6lkerung konfessionsfrei sind und sich sogar unter Christen (v.a. den zwangskonfessionalisierten und &#8222;Papierchristen&#8220;) viele f\u00fcr eine \u00c4quidistanz unserer Regierung zu religi\u00f6sen und anderen esoterischen Gruppen ausspricht und (2) auch andere &#8222;Piratenpositionen&#8220; unter Konfessionsfreien gro\u00dfen Anklang finden, halte ich euer Potential f\u00fcr enorm und m\u00f6chte euch daher davor warnen, mit solch sachlich falschen Aussagen ins Horn der Kirchen zu sto\u00dfen. Die angebliche Rolle des Christentums bei der Entwicklung unserer heutigen Werte ist genauso falsch wie n\u00fctzlich f\u00fcr Kirchenfunktion\u00e4re, die die massive Subventionierung kirchlicher Einrichtungen durch den Staat aufrechterhalten wollen. (19,29 Mrd. in 2009, die NICHT aus Kirchensteuermitteln stammen und NICHT in soziale Einrichtungen flie\u00dfen!)<\/em><\/p>\n<p><em>Falls ihr Herrn Paul (oder seinem Referenten?) mal ein paar Hausaufgaben mit nach Hause geben wollt:<\/em><br \/>\n<em>\u00a0<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Violettbuch-Kirchenfinanzen-Staat-Kirchen-finanziert\/dp\/3865690394\" target=\"_blank\">http:\/\/www.amazon.de\/Violettbuch-Kirchenfinanzen-Staat-Kirchen-finanziert\/dp\/3865690394<\/a><\/em><br \/>\n<em>und<\/em><br \/>\n<em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Schatten-%C3%BCber-Europa-Untergang-antiken\/dp\/3865690750\" target=\"_blank\">http:\/\/www.amazon.de\/Schatten-%C3%BCber-Europa-Untergang-antiken\/dp\/3865690750 <\/a><\/em><\/p>\n<p><em>Obwohl ich den Rest des Interviews sehr gut finde, muss ich euch fragen:<\/em><br \/>\n<em>Hat der Mann das aus strategischen Gr\u00fcnden gesagt oder meint er es ernst?<\/em><\/p>\n<p><em>Welche Antwort auf diese Frage wohl die schlimmere ist fragt sich Philipp M\u00f6ller,<\/em><br \/>\n<em>Pressereferent der gbs (und wegen der konsequent s\u00e4kularen Positionen<\/em><br \/>\n<em>entschiedener Sympathisant der Piraten) aus Berlin.<\/em><\/p>\n<p>Ende Mailtext P. M\u00f6ller<\/p>\n<p>Ja, was f\u00fcr eine Steilvorlage! Nat\u00fcrlich habe ich es strategisch ernst meinend aus strategischen Gr\u00fcnden gesagt, denn praktische Politik bedeutet letztlich das Finden von Mehrheiten und Gemeinsamkeiten.<\/p>\n<p>Herr M\u00f6ller st\u00f6\u00dft sich ausschlie\u00dflich an meiner Interviewaussage: &#8222;&#8230; Viele Werte und Ideale der Aufkl\u00e4rung, die unsere heutige Freiheit begr\u00fcnden, entwickelten sich jahrhundertelang unter dem Dach der christlichen Religion.&#8220;, und verweist auf die FAQ der Giordano-Bruno-Stiftung. Den Rest des Interviews findet er &#8222;sehr gut&#8220;.<\/p>\n<p>Bin ich jetzt deswegen beruhigt? Nein, nicht wirklich. Denn die Verweise auf die \u00fcblichen Statements der Giordano-Bruno-Siftung und eben diese Statements selbst zeugen von einem Mangel an dialektischem Denken und von fehlendem Geschichtsbewusstsein, dass mir Angst und Bange werden mag, bei soviel unn\u00f6tiger Polarisierung. Denn Polarisierung ist keineswegs hilfreich, sie fordert eher religi\u00f6s-fundamentalistische Kr\u00e4fte der Remissionierung heraus, als dass sie einer S\u00e4kularisierung dient.<br \/>\nAuch mag ich religi\u00f6sen Eifer nicht, ganz und gar nicht. Damit meine ich das, was Richard Dawkins und religi\u00f6se Fundamentalisten gemeinsam haben.<br \/>\nIn ganz Europa ist seit den 70er Jahren ein \u00fcberdeutlicher Trend zur S\u00e4kularisierung erkennbar, hoffentlich werden weder Dawkins, noch die Giordano-Bruno-Stiftung noch sonst irgendwelche Brights diesen aufhalten.<\/p>\n<p>Des Weiteren sind die Institution Kirche und &#8222;die Religion&#8220; nicht dasselbe. Vor den religi\u00f6sen Gef\u00fchlen Einzelner habe ich Respekt, nicht jedoch vor den Institutionen. Allerdings ist deren gesellschaftliche und politische Realit\u00e4t als gegeben hinzunehmen in dem Sinne, dass Politik damit umgehen muss.<br \/>\nHerr M\u00f6ller nimmt Religion und Kirche in seiner Argumentation aber f\u00fcr synonym. Das ist unzul\u00e4ssig und auch nicht ganz fair. Schon Kierkegaard war hier weiter mit seinem &#8222;Der Einzelne und sein Gott&#8220;.<\/p>\n<p>Meinen weiteren Argumenten vorweg schicken m\u00f6chte ich auch, dass ich der Ansicht bin, dass die Blutspur des Monotheismus, die im Grunde schon mit Echnaton &#8211; jawohl, mit Echnaton! [1] &#8211; im alten \u00c4gypten ihren Anfang nahm, h\u00f6chstwarscheinlich die l\u00e4ngste und breiteste der gesamten Menschheitsgeschichte ist, da gibt es nichts zu besch\u00f6nigen.<br \/>\nIm \u00dcbrigen sind die historisch aus dem Monotheismus folgenden gro\u00dfen politischen Ideologien da mit in die Rechnung hinein zu nehmen. Denn sie haben &#8211; ebenso wie die Monotheismen &#8211; ihre strukturellen Fundamente in der klassischen, altgriechischen! Identit\u00e4tsontologie &#8211; das ist aber eher ein Thema f\u00fcr einen philosophischen Aufsatz.<br \/>\nMonotheismen haben wie der Name schon sagt einen Alleinvertretungsanspruch f\u00fcr Wahrheit. Der Humanismus &#8211; in seiner Rolle als \u00fcbergeordnetes Prinzip, wie es schon von Foucault kritisiert wird &#8211; \u00fcbrigens auch &#8230;.<br \/>\nNach meiner Auffassung ist der Humanismus heute tot und als Prinzipienausdruck einer europ\u00e4isch gepr\u00e4gten Hegemonie f\u00fcr eine Weltzivilisation nicht tauglich (-&gt; Vil\u00e9m Flusser, Michel Foucault, Gotthard G\u00fcnther u.v.a.) Da hilft es auch nix, wenn man das Adjektiv &#8218;evolution\u00e4r&#8216; davor setzt.<\/p>\n<p>Sicher, manch einer mag die kalte Wut kriegen, bei einem Spaziergang durch das historische Rom, wo von der alten Republik fast nichts mehr \u00fcbrig ist, alles \u00fcberdeckt durch Basilika hier und Basilika dort.<\/p>\n<p>Von daher verstehe ich auch Herrn M\u00f6llers Link-Empfehlung des unfassbar einseitigen Buchs &#8222;Schatten \u00fcber Europa&#8220; von Rolf Bergmeier nicht, die Art und Weise, wie dort der fr\u00fche Islam eher gut wegkommt, ist nur ein Beispiel einer ganzen Reihe von einseitigen und verf\u00e4lschenden Darstellungen, die sich keinesfalls durch historische Quellen belegen lassen. Man mag dazu auch die Rezensionen im Amazon-Buchladen aufmerksam lesen.<\/p>\n<p>Dialektisches Geschichtsverst\u00e4ndnis jedoch setzt auf eine nicht-einseitige Interpretation der Prozesse, die zu historischen Entwicklungen gef\u00fchrt haben.<br \/>\nIn der Tat ist die Frage interessant, warum der Aufstieg des Christentums und der Niedergang der Antike zeitlich nahezu zusammen fielen. Der von Bergmeier angenommene Ursache-Wirkungs-Zusammenhang entspricht einer eher monokausalen und monokontexturalen Sichtweise und wird dem historischen Prozessgeschehen in keiner Weise gerecht. Zudem bringt er die Schuldfrage, eher ein klassisches Thema der Religionen!, in unzul\u00e4ssiger Weise in einen Kontext der historischen Verantwortlichkeit. Kann das im Sinn einer von der GBS angestrebten humanistischen Gesellschaft sein?<\/p>\n<p>Wie soll es einer Bewegung mit jenseitigem Heilsversprechen gelungen sein, schuldhaft ein Weltreich zu Fall zu bringen?<br \/>\nEine andere Wahrheit ist, dass Rom ideologisch und mental &#8218;fertig&#8216; war, es ist langsam verfault. Und dieser Prozess begann mit dem Verlustiggehen des gro\u00dfen Gegners bereits in der Zeit der R\u00f6mischen Republik, mit dem Fall Karthagos.<\/p>\n<p>Die Geburt der Idee der Freiheit im alten Griechenland hochleben zu lassen, so wie Sie, Herr M\u00f6ller, dass in ihrer FAQ Nr.7 der GBS tun, einer Freiheit der Wenigen, der 500 reichen B\u00fcrger Athens, die auf der Basis einer Sklavenwirtschaft existierten, ist auch eher eine Argumentationsstrategie, die auf Auslassung setzt, oder die Hoffnung, dass der\/die Kontrahenden es nicht merken?<\/p>\n<p>Historisch Neues entsteht meist aus der Ber\u00fchrung unterschiedlicher Kulturen, hier dem Konflikt der griechisch-r\u00f6misch gepr\u00e4gten Antike und dort dem nordafrikanisch-vorderasiatischen Kulturkreis, dessen alte Bezeichnung &#8218;hamito-semitisch&#8216; konsequenterweise aufgrund ihrer rassistischen Belastung aufgegeben wurde. Die Idee des Jenseits kollidiert mit dem k\u00f6rperlichen Selbstverst\u00e4ndnis der griechisch vorgepr\u00e4gten r\u00f6mischen Kolonialherren. Gleichwohl passte sie in das Schema der griechischen Ontologie, was der eigentliche Religionsstifter Saulus\/Paulus sich geschickt zunutze zu machen wusste.<br \/>\nFest steht auch, die Idee der Null &#8211; essentiell f\u00fcr eine als Wissenschaft betriebene und geformte Mathematik &#8211; haben die Griechen nicht entwickelt, daf\u00fcr war ihr Zahlenverst\u00e4ndnis zu k\u00f6rperlich. Die Null, so belegen die sp\u00e4rlichen historischen Quellen [2,3], entstand eher im Dreieck Griechenland &#8211; Indien &#8211; Arabien und kam von dort zu uns. Und in ihrer Folge auch die Idee der k\u00f6rperlosen juristischen Person, so wie sie Eingang in unser vom r\u00f6mischen Recht gepr\u00e4gtes B\u00fcrgerliches Gesetzbuch fand. Ob eine kontinuierliche bruchlose Weiterentwicklung der europ\u00e4ischen Antike dorthin gef\u00fchrt h\u00e4tte, ist als Frage m\u00fc\u00dfig. Obwohl ich wage zu behaupten eher nicht, denn dann h\u00e4tte die kontinuierlich erfolgende Entwicklung eines anderen zur Zeit der Antike f\u00fchrenden Gro\u00dfreichs ebenfalls dorthin f\u00fchren m\u00fcssen, die Chinas. Hat sie aber nicht. Eine Wissenschaft im analytischen Sinn hat China nie entwickelt, sondern irgendwann \u00fcbernommen, von uns.<br \/>\nDie M\u00e4r vom Mittelalter als dem dunklen Zeitalter basiert auf dem romantischen Zeitgeist des 19. Jahrhunderts, dem heute offensichtlich noch viele anh\u00e4ngen. Am Ende der Antike bauten lediglich die R\u00f6mer mit Stein, am Ende des Mittelalters ganz Europa. Es sind die kleineren, praktischen Techniken wie z.B. die Erfindung der Brille gewesen, die das Mittelalter ausmachen und dort eine weit \u00fcber die Antike hinausgehende Verfeinerung erfuhren. Hexenverbrennungen und Verfolgungen sind im \u00dcbrigen ein Ph\u00e4nomen der Renaissance und der fr\u00fchen Neuzeit.<\/p>\n<p>An dem unaufl\u00f6slichen Widerspruch des Clashes zwischen den beiden Kirchendogmen &#8218;die Bibel hat recht&#8216; und &#8218;Aristoteles hat recht&#8216; entz\u00fcndete sich der Verstand der Pr\u00e4-Wissenschaftler-M\u00f6nche des Mittelalters, die allm\u00e4hlich begannen, sich anstatt vor Gott \u00fcber die Dinge zu beugen &#8211; sie sind die wahren Ahnen unserer modernen Naturwissenschaft. Noch Newton spricht vom Raum als dem Sensorium Gottes und in der klassischen Mechanik gibt es den Begriff der kanonischen (gott-gewollten) Transformation. Thomas von Aquin kann mit seiner Forderung, sich nicht auf die arabischen Kommentare zu verlassen, sondern die alten Griechen selbst ins Lateinische zu \u00fcbersetzen, als fr\u00fcher Initiator der Aufkl\u00e4rung verstanden werden, eine eher dialektische Interpretation, die weder Benedikt XVI noch Richard Dawkins gefallen mag, daf\u00fcr aber mir.<\/p>\n<p>Die Renaissance &#8211; verstanden als Wiedergeburt der Antike &#8211; war eigentlich ein Witz. W\u00e4re die Antike tats\u00e4chlich wiedergeboren, g\u00e4be es immer noch keinen Buchdruck, keinen Albertus Magnus, keinen Abaelard, keinen William von Ockham, keinen Hugo de Groot und sein V\u00f6lkerrecht, keinen Nikolaus von Kues, keine Orgel, keine Bach-Musik und keine Klassik, keinen Newton, keinen Leibniz und schon gar keine modernen Naturwissenschaften und auch nicht die Gedanken zur menschlichen Freiheit eines Schelling.<\/p>\n<p>Oswald Spenglers &#8218;Untergang des Abendlandes&#8216; &#8211; wenngleich umstritten &#8211; kann hier lehrreich sein im Entwickeln eines Verst\u00e4ndnisses f\u00fcr historische Prozesse. Was Arnold Toynbee recht ist, kann mir billig sein. Was? Der Pirat wagt es, diesen rechtskonservativen Kerl zu erw\u00e4hnen? Ja, und die Legitimation daf\u00fcr hole ich mir beim linken Adorno:<em> &#8222;Spengler hat kaum einen Gegner gefunden, der sich ihm gewachsen gezeigt h\u00e4tte: das Vergessen wirkt als Ausflucht&#8220;<\/em>.<\/p>\n<p>Des Weiteren verweise ich darauf, dass es bereits vor einiger Zeit einen Briefwechsel zwischen meinem gesch\u00e4tzten Freund und ehemaligem akademischen Lehrer, Herrn Eberhard von Goldammer und Herrn Schmidt-Salomon von der Giordano-Bruno-Stiftung gegeben hat. Der letzte Brief von Herrn von Goldammer wurde von Herrn Schmidt-Salomon bis heute nicht beantwortet. <a title=\"Briefwechsel von Goldammer - Schmidt-Salomon\" href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/vgo\/briefwechsel_vgo-gbs_juni-10.pdf\" target=\"_blank\">Der Briefwechsel kann hier nachgelesen werden.<\/a><br \/>\nProfunde Religionskritik beginnt heute mit John Leslie Mackie &#8211; dessen Name auf der HP der Giordano-Bruno-Stiftung nicht einmal erw\u00e4hnt wird &#8211; und h\u00f6rt mit Gotthard G\u00fcnther lange nicht auf. Es steht zu bef\u00fcrchten, dass die GBS hier die philosophische Auseinandersetzung auf gehobenem Niveau scheut.<\/p>\n<p>Wer nach der katholischen Sexualmoral lebt, entwickelt schlimmstenfalls eine ecclesiogene Sexualneurose, ein Psychiater kann da in der Regel helfen. Wer allerdings Wissenschaft &#8211; in der die Prinzipien der begrenzten G\u00fcltigkeit und das des korrigierbaren Erkenntnisfehlers regieren &#8211; zum Glauben macht, l\u00e4uft Gefahr, gleich ein Fall f\u00fcr den Pathologen zu werden.<\/p>\n<p>Wer der Vernunft Alt\u00e4re baut, verr\u00e4t nicht nur die Vernunft, sondern unser Konzept von Rationalit\u00e4t und Wissenschaft insgesamt.<\/p>\n<p>In diesem Sinne,<\/p>\n<p>Nick H. aka Joachim Paul<\/p>\n<p>Quellennachweise<\/p>\n<p>[1] Assmann, Jan; Moses der \u00c4gypter, Frankfurt a.M. 2000<br \/>\n[2] Borst, Arno; Computus &#8211; Zeit und Zahl in der Geschichte Europas, Berlin 1990<br \/>\n[3] Kaplan, Robert; Die Geschichte der Null, M\u00fcnchen 2003<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo zusammen, am 05. Juli erreichte mich eine Email von Philipp M\u00f6ller, dem Pressereferenten der humanistischen Giordano-Bruno-Stiftung GBS \u00fcber den Requesttracker der Piratenpartei NRW. Herr M\u00f6ller hat sich dankenswerterweise damit einverstanden erkl\u00e4rt, dass ich ihm \u00f6ffentlich in meinem Blog antworte. 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