{"id":560,"date":"2012-08-10T12:34:39","date_gmt":"2012-08-10T10:34:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/?p=560"},"modified":"2012-08-10T12:34:39","modified_gmt":"2012-08-10T10:34:39","slug":"wahlkampfnachlese-ii-die-linke-konsequenz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/560\/wahlkampfnachlese-ii-die-linke-konsequenz\/","title":{"rendered":"Wahlkampfnachlese II &#8211; Die Linke Konsequenz"},"content":{"rendered":"<p>Die Linke hat es nicht geschafft, bei der letzten Landtagswahl in NRW erneut in den Landtag einzuziehen.<br \/>\nHernach scheint es auf den ersten Blick \u00fcberfl\u00fcssig und verschwendete Zeit, darauf noch schriftlich einzugehen &#8211; auch vor dem Hintergrund der um sich greifenden Selbstaufl\u00f6sungserscheinungen der Partei in NRW auf kommunaler Ebene.<\/p>\n<p><!--more-->Anlass f\u00fcr diesen Blogbeitrag ist ein <a title=\"Artikel, Wer sind die NRW-Piraten?\" href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/2012\/apr2012\/pira-a27.shtml\" target=\"_blank\">Artikel von Martin Kreickenbaum<\/a> auf der World Socialist WebSite WSWS, den ich nicht unwidersprochen lassen m\u00f6chte.<br \/>\nKreickenbaum kritisiert in seinem Aufsatz aus seinem Blickwinkel Inkonsistenzen und Vagheiten im Wahlprogramm und Herrn Michele Marsching, damals Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes NRW der Piratenpartei, und mich explizit als Listenkandidaten.<\/p>\n<p>Die Kritik Kreickenbaums am Wahlprogramm der Piraten ist sehr konsequent &#8211; vor dem Hintergrund der Tatsache, dass &#8218;Die Linke&#8216; ja eine mehr oder weniger statische Ideologie besitzt, aus der sich politische Positionen per Ableitung quasi &#8218;ganz nat\u00fcrlich und von selbst&#8216; ergeben. Das grunds\u00e4tzliche Vorgehen der Piraten, Programmteile und Positionspapiere aus der Basis und den Arbeitskreisen heraus &#8211; mit sehr viel konstruktivem Streit &#8211; zu entwickeln \u00fcber die gemeinsame Einsicht, dass nur das zu einem guten Programm geh\u00f6rt, was auch m\u00f6glichst viele wenn nicht gar alle Parteimitglieder aus sich selbst heraus wollen oder wenigstens mit tragen k\u00f6nnen, kann nicht \u00fcber die ideologische Brille eines Denk-Systems verstanden werden, das seine Einsichten aus \u00fcbergeordneten Prinzipien gewinnt, bzw. dessen Ger\u00fcst durch einen hierarchisch strukturierten Rationalit\u00e4tsbegriff gebildet wird.<\/p>\n<p>Die inhaltliche Pr\u00e4zisierung und Sch\u00e4rfung von Programm und Parteiprofil ist ein stetiger Prozess, der sich aus den &#8211; jeweils partiellen &#8211; Lebenswirklichkeiten und Einsichten der Parteimitglieder und der Gesellschaft speist und nicht \u00fcber die Ableitung aus einer Theorie. Eine Theorie des Vorgehens z.B. der Open Source-Bewegung gab es vorher auch nicht. Das Vorgehen dieser transnationalen technischen Bewegung entstand aus den unterschiedlichen Aktivit\u00e4ten vieler Einzelner.<\/p>\n<p>Die Idee &#8222;Netzwerk&#8220;, so wie sie schon von Vil\u00e9m Flusser und anderen in den 80ern kolportiert wurde und die letztlich mehr ist als &#8217;nur&#8216; ein Kommunikationsnetz, erschlie\u00dft sich vielen &#8211; nicht allen! &#8211; Mitgliedern der Partei &#8218;Die Linke&#8216; nicht einmal im Ansatz. Allein deshalb muss der Partei jedwede Zukunftsf\u00e4higkeit abgesprochen werden.<\/p>\n<p>Des Weiteren kritisiert Kreickenbaum mich pers\u00f6nlich als<em> &#8222;Anh\u00e4nger der systemtheoretischen Ideen von Heinz von Foerster, Francisco Varela, Humberto Maturana und Niklas Luhmann&#8220;<\/em>. Diese<em> &#8222;Spielart des radialen Konstruktivismus&#8220;<\/em>, so der Autor, gehe <em>&#8222;von selbstreferentiell operierenden autopoietischen Systemen aus. Gesellschaftliche Teilsysteme wie die Wirtschaft, das Recht und die Politik sind danach zwar lose miteinander verbunden, funktionieren aber nach ihrer je eigenen Logik und k\u00f6nnen sich untereinander kaum beeinflussen. In der Politik gehe es daher in erster Linie um Macht und nicht um Steuerung von gesellschaftlichen Prozessen&#8220;<\/em>.<\/p>\n<p>Juhu. Weiter hei\u00dft es, dass diese Theoriestr\u00f6mung <em>&#8222;nicht nur erzkonservativ&#8220;<\/em> sei, sondern auch noch <em>&#8222;zynisch&#8220;<\/em>, da sie<em> &#8222;den Erhalt des Status quo gewisserma\u00dfen als logische Notwendigkeit&#8220;<\/em> betrachte.<\/p>\n<p>Nicht nur, dass diese Anw\u00fcrfe bar jedweder Kenntnis des Radikalen Konstruktivismus RK sind, ich bin definitiv kein Anh\u00e4nger des RK, auch wenn ich aus diversen Gr\u00fcnden viele Sympathien f\u00fcr Varela, Maturana und Heinz von Foerster hege. Was meine Sichtweise auf Luhmann betrifft, so ist Kreickenbaum einem Fundamentalirrtum aufgesessen. Das w\u00e4re durch eine gleichwohl fundiertere Recherche vermeidbar gewesen. Dann h\u00e4tte der Kritiker n\u00e4mlich entdecken m\u00fcssen, dass sich auf der von mir herausgegebenen WebSite www.vordenker.de Arbeiten des Luhmann-Kritikers Walter L. B\u00fchl finden, &#8222;<a title=\"W. L. B\u00fchl - Das Ende der zweiwertigen Soziologie\" href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/buehl\/buehl_ende-zweiwert-soziol.pdf\" target=\"_blank\">Das Ende der zweiwertigen Soziologie<\/a>&#8222;, &#8222;<a title=\"W. L. B\u00fchl - Die Grenzen der Autopoiesis\" href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/buehl\/wlb_grenzen-autopoiesis.pdf\" target=\"_blank\">Die Grenzen der Autopoiesis<\/a>&#8220; und &#8222;<a title=\"W. L. B\u00fchl - Luhmanns Flucht in die Paradoxie\" href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/buehl\/wlb_luhmann-flucht-paradoxie.pdf\" target=\"_blank\">Luhmanns Flucht in die Paradoxie<\/a>&#8222;, die ich nahezu vollumf\u00e4nglich unterschreiben kann.<br \/>\nAnnmerkungen zu meinem Verh\u00e4ltnis etwa zum logisch-philosophischen Werk eines <a title=\"Wikipedia - Gotthard G\u00fcnther\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gotthard_G%C3%BCnther\" target=\"_blank\">Gotthard G\u00fcnther<\/a> trifft der Kritiker hingegen nicht. Traut er sich nicht?<br \/>\nWeitere Kommentare &#8211; so zu Kreickenbaums jeder rationalen Grundlage entbehrenden und daher v\u00f6llig aus der Luft gegriffenen Sicht auf mein Verh\u00e4ltnis zur Agenda 2010 &#8211; schenke ich mir. Polemik &#8211; notwendig in der politischen Auseinandersetzung &#8211; und gleichwohl unerfreuliche Klitterung seien dem Herrn beide zugestanden. Es war ja Wahlkampf.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend bemerkenswert scheint mir jedoch, dass in der Kritik Kreickenbaums implizit ein leider bei vielen Linken weithin etablierter Denkfehler auftaucht &#8211; man nimmt Kapitalismus und Marktwirtschaft gern f\u00fcr synonym &#8211; und stellt sich somit selbst als Opfer neoliberaler Gehirnw\u00e4sche dar.<br \/>\nDer Turbo-Kapitalismus, wie wir ihn heute erleben, kann jedoch in erster Linie als ein Protektionismus begriffen werden, ein Protektionismus, der im Interesse diverser Kapitalkonzentrationen die Marktteilnahme m\u00f6glichst vieler potentieller Konkurrenten verhindert. Selbstverst\u00e4ndlich ist das eine verk\u00fcrzte Betrachtung. Eine detailliertere Ausf\u00fchrung verdient einen eigenen Aufsatz und muss daher nicht Bestandteil dieser Replik sein.<\/p>\n<p>Stattdessen g\u00f6nne ich mir meinerseits noch ein bisschen Polemik: Onkel Karl war sicher ein gro\u00dfer Denker. Er h\u00e4tte &#8211; w\u00fcrde er noch leben &#8211; seine Theorien ggf. teilweise revidiert und\/oder weiterentwickelt, anstatt sich darauf zu beschr\u00e4nken, politische Handlungen aus seinem geschichtlichen Konzept lediglich abzuleiten. Marx w\u00e4re heute Pirat.<\/p>\n<p>Ich bleibe dabei, die Partei &#8218;Die Linke&#8216; handelt schl\u00fcssig.<br \/>\nWer seine politischen Ideen- und Theoriegeb\u00e4ude weitestgehend fertig hat, braucht sich nur noch ums Personal zu streiten.<br \/>\nDas tut die Partei &#8218;Die Linke&#8216; in bitterer Konsequenz.<br \/>\nSie nimmt dabei sogar tiefe psychische Traumata bei ihren Mitgliedern in Kauf. Ideologisch notwendiger Verschnitt eben.<\/p>\n<p>In diesem Sinne,<\/p>\n<p>Nick H. aka Joachim Paul<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Linke hat es nicht geschafft, bei der letzten Landtagswahl in NRW erneut in den Landtag einzuziehen. Hernach scheint es auf den ersten Blick \u00fcberfl\u00fcssig und verschwendete Zeit, darauf noch schriftlich einzugehen &#8211; auch vor dem Hintergrund der um sich greifenden Selbstaufl\u00f6sungserscheinungen der Partei in NRW auf kommunaler Ebene.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,1],"tags":[265,267,268,266,269],"class_list":["post-560","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-piratenpartei","category-politik","tag-die-linke","tag-kapitalismus","tag-marktwirtschaft","tag-martin-kreickenbaum","tag-parteipolitik"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/560","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=560"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/560\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":565,"href":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/560\/revisions\/565"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=560"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=560"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=560"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}