{"id":702,"date":"2013-06-23T13:07:48","date_gmt":"2013-06-23T11:07:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/?p=702"},"modified":"2013-06-23T13:07:48","modified_gmt":"2013-06-23T11:07:48","slug":"50-jahre-gerhart-hauptmann-stiftung-gruswort-des-vorsitzenden-der-piratenfraktion-im-landtag-nrw-dr-joachim-paul","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/702\/50-jahre-gerhart-hauptmann-stiftung-gruswort-des-vorsitzenden-der-piratenfraktion-im-landtag-nrw-dr-joachim-paul\/","title":{"rendered":"50 Jahre Gerhart-Hauptmann-Stiftung &#8211; Gru\u00dfwort des Vorsitzenden der Piratenfraktion im Landtag NRW &#8211; Dr. Joachim Paul"},"content":{"rendered":"<p>Gestern war ein echt seltsamer Tag f\u00fcr mich. Ein Tag mit einem politischen Kontrastprogramm, wie es gr\u00f6\u00dfer nicht sein kann. Erst die kleine, aber sehr feine #noprism Demo in D\u00fcsseldorf ab 13.37. Gute Reden, gute Motivation der Teilnehmer, und &#8211; abgesehen vom Anlass &#8211; auch gute Stimmung. Schlie\u00dflich geht es um unsere Zukunft. &#8211; \u00dcbrigens, ab sofort stehen alle Regierungen der Welt f\u00fcr mich unter Generalverdacht, ihre B\u00fcrger abzuh\u00f6ren!<\/p>\n<p>Danach, ab 16 Uhr &#8211; im Eichendorff-Saal des <a title=\"WebSite des Gerhart-Hauptmann-Hauses\" href=\"http:\/\/www.g-h-h.de\" target=\"_blank\">Gerhart-Hauptmann-Hauses<\/a> -, war zwar auch Zukunft, aber f\u00fcr mich pers\u00f6nlich auch historisches Bewusstsein gefragt, zum Festakt des 50-j\u00e4hrigen Bestehens der Gerhart-Hauptmann-Stiftung. Schlie\u00dflich bin ich selbst <!--more-->&#8211; nicht nur aber auch &#8211; Schlesier, ein in K\u00f6ln geborenes Vertriebenen-Kind, dessen Eltern reichlich erz\u00e4hlt haben, vom Krieg (WK I und II) und von ihrer Jugendzeit dazwischen. Nun habe ich Vertriebenenorganisationen immer kritisch gesehen, als Triebkr\u00e4fte politischen Ressentiments. Heute wei\u00df ich &#8211; auch Ressentiments geb\u00e4ren sich &#8211; jenseits einer Rechtfertigung &#8211; aus Schmerz und Verletzungen. Leidtragende milit\u00e4rischer Auseinandersetzungen sind immer die B\u00fcrger, die Zivilbev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Anbei mein Gru\u00dfwort, das ich nicht vorgetragen habe. Die Reden des Festakts waren Helmut Harbich (Vorstandsvorsitzender), Hans G\u00fcnther Parplies (Vorsitzender des Landesverbandes NRW des Bundes der Vertriebenen), Landtagspr\u00e4sidentin Carina G\u00f6decke und dem Festredner Minister a.D. Friedhelm Farthmann vorbehalten. Das Gru\u00dfwort wurde jedoch in einer Sonderausgabe des <a title=\"West-Ost-Journal - GHH\" href=\"http:\/\/www.g-h-h.de\/index.php?id=8\" target=\"_blank\">West-Ost-Journals<\/a> abgedruckt.\u00a0 Ich gebe es hier noch einmal wieder.<\/p>\n<p>All the best, und sch\u00f6nen Sonntag noch,<\/p>\n<p>Joachim Paul MdL aka Nick H.<\/p>\n<h2>Gru\u00dfwort<\/h2>\n<p>Nach gro\u00dfen M\u00e4nnern benannte Einrichtungen stehen immer in der Gefahr unkritischer Heldenverehrung. Dies beginnt schon mit der Frage nach der Frau, die hinter ihnen stand. Auch Gerhart Hauptmann ist hier jemand, der in seiner Biographie ein Spiegel der Zeitl\u00e4ufe war. Bemerkenswert ist nicht nur seine grundlegende Orientierung in soz ialen Fragen. Beachtenswert ist auch sein konsequenter Lernprozess &#8211; jenseits konjunktur-politischer Orientierungen, dem man sich nur schwer zwischen taktischen Notwendigkeiten und ethischen Imperativen entziehen kann. Vom Weltkrieg I-Bef\u00fcrworter wandelte er sich zu einem \u00fcberzeugten Pazifisten. Ein Lernprozess, dem man den vielen empfehlen sollte, die heute wieder eine Remilitarisierung der Au\u00dfenpolitik gut hei\u00dfen. Jeder Konflikt ist ein politischer, wirtschaftlicher und sozialer Konflikt, bevor er milit\u00e4risch wird. Damit ist er Ausdruck gesellschaftlichen Zivilversagens. Die Kriege neuerer Zeit machen zudem deutlich, zwischen einer milt\u00e4rischen und zivilen Front kann nicht mehr getrennt werden. Waren im ersten Weltkrieg unter 100 Toten 14 Zivilisten, im 2. Weltkrieg mehr als 40, im Korea- und Vietnamkrieg um die 90, ist heute die Entscheidung f\u00fcr einen Krieg im Grunde genommen die Entscheidung f\u00fcr einen Massenmord an der Zivilbev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Als Einrichtung, an deren politischen Anfang die Vertreibung aus den fr\u00fcheren sog. Ostgebiete stand, geh\u00f6rte es bis zur neuen Ostpolitik der Regierung Brandt\/Scheel, sich aus der deutschen Verantwortung zu mogeln. War es doch in der Restaurationsphase der Bundesrepublik f\u00fcr T\u00e4ter leicht, sich in die Haut der Opfer zu mogeln. Seri\u00f6ser Geschichtsaufarbeitung ging und geht es nicht darum, das Leid der Heimatvertriebenen zu verneinen. Es geht aber darum, den Ausgangspunkt f\u00fcr dieses Leid zu benennen: Den Angriffskrieg Deutschlands gegen seine Nachbarn und die damalige Einstufung der Polen, Russen und Slowenen als &#8222;minderwertig&#8220;. Nicht wenige Deutsche, auch und gerade in den Gebieten, aus denen sie vertrieben wurden, haben diese Politik bis zu bitteren Ende unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Kritische Vergangenheitsbew\u00e4ltigung ist eine Facette der Arbeit. Der neue Auftrag &#8211; Erhaltung und St\u00e4rkung der kulturellen Identit\u00e4t auf der Grundlage der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung- steht heute vor zwei Herausforderungen:<\/p>\n<ul>\n<li>Aussiedler aus den sog. Ost-Gebieten, haben im Sinne einer retrograden Utopie ein Deutschland-Bild gepflegt, da\u00df mit der zunehmend multikulturellen Wirklichkeit des heutigen Deutschland nicht \u00fcbereinstimmt und massive interkulturelle Lernprozesse und deren Begleitung erfordert.<\/li>\n<li>Die Globalisierung und der mit der europ\u00e4ischen Integration einhergehende Abbau des Wohlfahrtsstaates f\u00fchrt mit der Prekarisierung des &#8222;Arbeitsmarktes&#8220; nicht nur zur vermeindlichen &#8222;Wohlstandsmigration&#8220; aus osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern. Auch die vielen Scheinselbst\u00e4ndigen, die \u00fcber Werkvertr\u00e4ge bei uns auf dem Altar der Marktgesellschaft ausgenommen werden, kommen aus Osteuropa.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Genug Arbeits- und Konfliktstoff f\u00fcr weitere Jahre hoffentlich erfolgreicher Arbeit.<br \/>\n\/Ende Gru\u00dfwort<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern war ein echt seltsamer Tag f\u00fcr mich. Ein Tag mit einem politischen Kontrastprogramm, wie es gr\u00f6\u00dfer nicht sein kann. Erst die kleine, aber sehr feine #noprism Demo in D\u00fcsseldorf ab 13.37. Gute Reden, gute Motivation der Teilnehmer, und &#8211; abgesehen vom Anlass &#8211; auch gute Stimmung. Schlie\u00dflich geht es um unsere Zukunft. &#8211; \u00dcbrigens, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[73,3,1],"tags":[],"class_list":["post-702","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kulturpolitik","category-piratenpartei","category-politik"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/702","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=702"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/702\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":706,"href":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/702\/revisions\/706"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=702"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=702"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=702"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}