{"id":768,"date":"2013-12-09T16:12:11","date_gmt":"2013-12-09T14:12:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/?p=768"},"modified":"2013-12-12T17:26:48","modified_gmt":"2013-12-12T15:26:48","slug":"mein-lesezeug-ich-mach-mal-das-mit-dem-buch-politische-lektueren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/768\/mein-lesezeug-ich-mach-mal-das-mit-dem-buch-politische-lektueren\/","title":{"rendered":"Mein Lesezeug &#8211; ich mach&#8216; mal das mit dem Buch &#8230; politische Lekt\u00fcren"},"content":{"rendered":"<p>Im Parlamentsbetrieb besteht oft aufgrund partei- und fraktionstaktischer Antragsspiele die Gefahr, sich in Detailfragen zu verlieren und den Blick f\u00fcr Grunds\u00e4tzliches zumindest zu verschleiern, was dazu f\u00fchren kann, dass man sich im Hamsterrad verstrampelt. Die Besch\u00e4ftigung mit Grunds\u00e4tzlichem aber ist sowohl f\u00fcr die Partei als auch f\u00fcr die Fraktionsarbeit wichtig. Schlie\u00dflich wollen wir Piraten <!--more-->unser politisches Profil sch\u00e4rfen, oder? Dazu geh\u00f6rt auch ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Zusammenh\u00e4nge, das die Leistungsf\u00e4higkeit des gemeinsamen wie auch des pers\u00f6nlichen politischen Kompasses erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Meine Strategie dazu ist, mich dazu anzuhalten und manchmal geradezu zu zwingen, in das ein oder andere Buch zu schauen. Das f\u00f6rdert den inneren Motor zur freien Assoziation. Au\u00dferdem kann man sich an B\u00fcchern reiben, auch die Besch\u00e4ftigung mit Standpunkten, mit denen man nicht einverstanden ist, bringt einen weiter. Ich treibe das schon l\u00e4nger so und setzte es mit dem Einzug in den Landtag letztes Jahr fort.<\/p>\n<p>Anbei eine \u2013 unvollst\u00e4ndige &#8211; Liste von gedrucktem Zeug, das ich l\u00e4ngst &#8211; noch &#8211; nicht alles gelesen habe.<br \/>\nWann habe ich Zeit f\u00fcr sowas? Nachts. Im Zug. In der Stra\u00dfenbahn zum und vom Landtag.<\/p>\n<h4>Ulrike Herrmann \u2013 Der Sieg des Kapitals \u2013 Wie der Reichtum in die Welt kam: Die Geschichte von Wachstum, Geld und Krisen<\/h4>\n<p>Westend 2013, \u20ac 19,99<\/p>\n<p>gelesen, pers\u00f6nliche Bewertung: Dem Titel nach kann der Eindruck entstehen, hier eine typische Kapitalismuskritik Marx&#8217;scher F\u00e4rbung in den H\u00e4nden zu halten. Weit gefehlt. Die taz-Wirtschaftsredakteurin schreibt \u00fcber Wirtschaftsgeschichte, und das spannend und super-verst\u00e4ndlich! F\u00fcr jeden ein Muss, der die Finanzkrise und die Euro-Krisen! verstehen m\u00f6chte. Das Buch ist zudem occupy-kritisch und erkl\u00e4rt, warum dieser Bewegung die inhaltlich tragf\u00e4hige Vision fehlt. Es deckt auch unfreiwillige politische Allianzen zwischen neoliberal auf der einen und sozial-links auf der anderen Seite auf, die in wirtschaftspolitisch sehr kritisch zu bewertende Entscheidungen m\u00fcndeten und auch heute noch m\u00fcnden.<\/p>\n<p><a title=\"Link zum Kr\u00e4hennest\" href=\"https:\/\/blog.piratenpartei-nrw.de\/kraehennest\/tag\/herrmann\/\" target=\"_blank\">Ulrike Herrmann hat mit Piraten in Mumble diskutiert<\/a>.<\/p>\n<p><a title=\"Buchauszug\" href=\"http:\/\/www.monde-diplomatique.de\/pm\/2013\/09\/13.mondeText1.artikel,a0004.idx,0\" target=\"_blank\">Die vier Krisen des Euro \u2013 gek\u00fcrzter Buchauszug aus Le monde diplomatique<\/a>.<span style=\"font-family: Verdana,sans-serif;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<h4>G\u00fcnter Dux \u2013 Demokratie als Lebensform: Die Welt nach der Krise des Kapitalismus<\/h4>\n<p>Velbr\u00fcck Wissenschaft 2012, \u20ac 39,90<\/p>\n<p>gelesen, pers\u00f6nliche Bewertung: teuer und sehr trocken (Pr\u00e4dikat &#8218;extra dry&#8216;), aber super. Ist was f\u00fcr Bei\u00dfer, ein Grundlagenwerk, dann aber sehr bereichernd.<br \/>\nDer Jurist, Soziologe und Philosoph kann zum Umfeld der sog. Frankfurter Schule gerechnet werden. Das Buch enth\u00e4lt die nach meiner unma\u00dfgeblichen pers\u00f6nlichen Meinung tragf\u00e4higste Definition der Staatsform Demokratie:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDemokratie, ist die Verfassungsform, die dazu bestimmt ist, allererst die gesellschaftlichen Bedingungen einer selbstbestimmten Lebensf\u00fchrung des Subjekts zu schaffen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Dux arbeitet die Bruchlinien zwischen Anspruch und Realit\u00e4t mit strengster logischer Vorgehensweise heraus, eben trocken, aber daf\u00fcr argumentativ sehr belastbar. Nach meiner Einsch\u00e4tzung ein Super-Beispiel f\u00fcr eine Form der politischen Rationalit\u00e4t, die auch uns Piraten als wissenschaftsfreundlicher Partei mit den Anspr\u00fcchen von Nachhaltigkeit, Gemeinwohl und Teilhabe sehr gut anstehen w\u00fcrde.<\/p>\n<h4>Richard Sennett, Zusammenarbeit: Was unsere Gesellschaft zusammenh\u00e4lt<\/h4>\n<p>Hanser 2012, 24,90<\/p>\n<p>gelesen, pers\u00f6nliche Bewertung: super! Vorneweg, in der Person des bekannten Soziologen verbindet sich wissenschaftliche Pr\u00e4zision mit dem Verm\u00f6gen, sehr verst\u00e4ndlich und spannend schreiben zu k\u00f6nnen.<br \/>\nAus dem Klappentext: Wie k\u00f6nnen Menschen, die sich sozial, ethnisch oder in ihrer Weltanschauung unterscheiden, zusammenleben und -arbeiten? In unserer von Konkurrenz und Gegens\u00e4tzen gepr\u00e4gten Gesellschaft ist dies f\u00fcr Richard Sennett die Schl\u00fcsselfrage. Er erl\u00e4utert, was das Wesen von Zusammenarbeit ausmacht, warum sie so an Bedeutung verloren hat und wie sie wieder als Wert wahrgenommen werden kann. Ob er \u00fcber mittelalterliche Gilden schreibt, \u00fcber die Geschichte der Diplomatie oder \u00fcber seine Interviews mit entlassenen Wall-Street-Angestellten nach dem Lehman-Crash &#8211; Sennetts Herangehensweise ist wie stets interdisziplin\u00e4r und pragmatisch. Eine brillante Analyse unserer modernen Arbeits- und Lebenswelt.<br \/>\nAlso f\u00fcr Piraten fast schon Pflicht &#8230;. vor allem, was die Zusammenarbeit angeht \u2026.<\/p>\n<h4>Paul Verhaeghe, Und ich? &#8211; Identit\u00e4t in einer durch\u00f6konomisierten Gesellschaft<\/h4>\n<p>Kunstmann 2013, \u20ac 19,95<\/p>\n<p>will ich noch lesen, pers\u00f6nliche Bewertung bis jetzt: wirft wichtige Fragen auf, deshalb hab&#8216; ich&#8217;s ja beschafft, aus dem Klappentext:<br \/>\nDie Botschaft der heutigen Zeit lautet: Jeder kann perfekt sein, jeder kann alles haben. Wer versagt, hat sich nicht genug angestrengt; wer scheitert, ist allein schuld. Besch\u00e4mung und Schuldgef\u00fchle sind die Folge, Wut, Aggression und diffuse Trauer, Selbstzweifel und \u00bbbipolare St\u00f6rungen\u00ab &#8211; oder gar T\u00e4uschung und Betrug, wenn es gilt, die ausufernden Leistungskataloge der modernen Arbeitswelt zu erf\u00fcllen. Keineswegs zuf\u00e4llig werden sie uns im Gewande objektiver, wissenschaftlich gepr\u00fcfter Erfordernisse pr\u00e4sentiert, gegen die aufzubegehren zwecklos ist. In einer furiosen Anklage zeigt der Psychoanalytiker Paul Verhaeghe, welche Auswirkungen das Selbstverst\u00e4ndnis einer Gesellschaft, die jeden Lebensbereich unter das Diktat der \u00d6konomie stellt, auf die Psyche der Menschen hat.<\/p>\n<h4>Oskar Negt, Nur noch Utopien sind realistisch \u2013 Politische Interventionen<\/h4>\n<p>Steidl 2012, \u20ac 34,-<\/p>\n<p>Allein der Titel ist schon eine Provokation, stand und steht doch das Pragmatische, das Machbare seit Jahren im Vordergrund. Aber laut Negt sind gerade die Utopien entscheidende Kraftquellen einer jeden Emanzipationsbewegung. Sie entspringen meist der Emp\u00f6rung \u00fcber Zust\u00e4nde, die als unertr\u00e4glich empfunden werden. Utopien \u00f6ffnen den Horizont f\u00fcr den Blick auf eine vern\u00fcnftig organisierte Welt und ein gerechtes Gemeinwesen. Profund analysiert Negt im ersten Teil des Buches die sozialen Utopien der vergangenen beiden Jahrhunderte und demaskiert pr\u00e4gnant die Leerstellen in ihren Argumentationen. Meist liegen sie in den offen gelassenen oder nur unzureichend behandelten Fragestellungen, wie man denn in einer Entwicklung von A nach B gelangt. Er arbeitet klar heraus, dass erst das utopische Ideal voran gestellt wurde, die Fragen nach der Ver\u00e4nderung der menschlichen Subjekte sind in diesen Utopien \u201eeine Aufgabe nach der Revolution\u201c. Allerdings wissen nicht nur wir Piraten, dass die Ver\u00e4nderungen der menschlichen Subjekte im Grunde immer und gerade jetzt in Zeiten der massiven Ver\u00e4nderung der Medienwelten laufende Prozesse sind. Utopien, die dies nicht ber\u00fccksichtigen, haben von vornherein verloren. Vielmehr m\u00fcssen die Ver\u00e4nderungsprozesse selbst in den Blick genommen werden.<br \/>\nDer zweite Teil des Buches liefert 8-Minuten-Interventionen zu vielen politischen Themen, u.a. zum Grundgehalt, zum Sparen als Politikersatz, zu Bindungen, zur kulturellen Bedeutung \u00f6kologischen Bewusstseins, uvm.<br \/>\nIm dritten Teil schlie\u00dflich widmet sich der Autor der Aufgabe, Krisenherde in Handlungsfelder zu verwandeln.<br \/>\nInspirierend.<\/p>\n<h4>Claudia Kemfert, Kampf um Strom, Mythen, Macht und Monopole<\/h4>\n<p>Murmann 2013, \u20ac 16,90<\/p>\n<p>gelesen, pers\u00f6nliche Bewertung: Klasse! Wichtig f\u00fcr alle, die mehr Klarheit zum Thema Energiewende haben wollen und Durchblick durch die vielf\u00e4ltigen Argumente und Positionen zum Thema anstreben. Zugegeben, es ist kompliziert, aber Claudia Kemfert schreibt gut und verst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>&#8211; wird fortgesetzt &#8211; erstmal viel Spa\u00df damit.<\/p>\n<p>Nick H. aka Joachim Paul<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Parlamentsbetrieb besteht oft aufgrund partei- und fraktionstaktischer Antragsspiele die Gefahr, sich in Detailfragen zu verlieren und den Blick f\u00fcr Grunds\u00e4tzliches zumindest zu verschleiern, was dazu f\u00fchren kann, dass man sich im Hamsterrad verstrampelt. Die Besch\u00e4ftigung mit Grunds\u00e4tzlichem aber ist sowohl f\u00fcr die Partei als auch f\u00fcr die Fraktionsarbeit wichtig. 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