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Das Hungertuch

Erstmals verliehen
am 16. Dezember 2001 in Düsseldorf!

Hungertuch-Startseite

Die Laudatio auf die Preisträger von Dr. Enrik Lauer

Die Laudatio auf Barbara Ester, verfasst von Maya Nolte

 

Barbara Ester

aus

Wanne-Eickel

 

erhält in Anerkennung ihrer Arbeit an dem Krimi "Massaker"

 das

Hungertuch für Literatur 2001

 

Der Krimi „Massaker“ wählt als Handlungsort die „berühmte“ Cranger-Kirmes, mit der Barbara Ester grossgeworden ist. In diesem Stück Independent-Literatur betritt die Hauptfigur Jaqueline, eine Killerin, verstrickt in scheinbar durchschaubare Konflikte, die Bühne Cranger-Kirmes. Diese Figur, quasi als Untote, durchschaut die Zukunft der Menschen, die mit ihr, fast zufällig, über die Tatorte schlendern. Sie weiss um die Schicksale, die sie ihren Opfern beschert.

Der kalte Blick, der Barbara Ester gelungen ist, lässt zeitweise erschaudern, „versöhnt“ jedoch durch die innovative Literaturform. Tempo der Handlung und versteckte „Trüffel“ lassen den Leser nicht zur Ruhe kommen; ein Phänomen, wie es den Jerry Cotton Heften in den siebziger Jahren zu Eigen war.

 

Düsseldorf, den 16. Dezember 2001

Ulrich Peters

   
 

Peter Meilchen

aus

Arnsberg

 

erhält in Anerkennung seines Lebenswerks

 das

Hungertuch für Bildende Kunst 2001

 

Die Arbeit von Peter Meilchen lässt sich exemplarisch an dem Zeitfetzen »Schland« darstellen. Das Projekt folgt dem poetischen Kernsatz: „Nur die Fiktion ist noch wirklich, weil die Wirklichkeit durch mannigfaltige Wahrheiten verunstaltet wurde.“ Schland ist nicht nur ein Acker in Herdringen auf dem Milchproduzenten umherlaufen, Schland ist überall. Es geht (ganz im Sinne Poes: „Man sieht es und sieht doch hindurch“.) um den Blick, das Sehen, die Kurzsichtigkeit. Im Gegensatz zum, oft beliebigem High–Tech–Bilderschaschlik, wurde Schland mit einem scheinbar antiquierten Bildträger gedreht: Super 8 S/W–Material. Die Nachbearbeitung mit Tipp–Ex, Tinte, Farbstiften und das partielle Zerkratzen der Filmoberfläche kommentiert und verfremdet den Film zugleich. Genauso, wie der Blick manipuliert wird, wurde die Tonspur bearbeitet. Wir hören als Continuum: Zikaden aus dem Mittelmeerraum, Kühe vom Niederrhein, Kuhglocken aus dem Zillertal und Unken aus dem Aquazoo. Die heile Welt als virtuelles Ereignis.

 

Düsseldorf, den 16. Dezember 2001

Ulrich Peters

   
 

Tom Täger

aus

Mülheim an der Ruhr

 

erhält in Anerkennung seines Lebenswerks

 das

Hungertuch für Musik 2001

 

Die Arbeit von Tom Täger als Musiker und Produzent im Tonstudio an der Ruhr lässt sich exemplarisch an der Produktion "Raumbredouille Replica" darstellen. „Was heute noch wie ein Märchen klingt..." - so haben sich die Deutschen in den 60–er Jahren des 20. Jahrhunderts die Zukunft vorgestellt, als militärischen Staat, in dem die Akteure in einem Rhythmus reden, der sich als Vorläufer des Rap hören läßt. "Es gibt keine Nationalstaaten mehr, es gibt nur noch die Menschheit und ihre Kolonien."

Tom Täger, der in seinem Tonstudio an der Ruhr die ersten Alben von Helge Schneider und Tom Liwa produzierte oder die Missfits begleitete, hat ein Faible für Trivialmythen. Die RaumbredouilleReplica berücksichtigt die Anforderung des klassischen Sience-Fiction (Bedrohung der Erde, Rettung derselbigen) und ergänzt sie um Chiffren der Popkultur.

Bei der Hörspielcollage RaumbredouilleReplica geht es in einer Invasion der Geistesgegenwart um alles: Die Bedrohung der Erde. Einen gesteuerten Schnellläufer. Eine Invasion und natürlich: Die Rettung der Erde. Selbstverständlich mit einem Humor, der Lichtjahre von der Spaßgesellschaft dieser Tage entfernt ist.

 

Düsseldorf, den 16. Dezember 2001

Ulrich Peters

 

Hungertuch-Startseite

Die Laudatio auf die Preisträger von Dr. Enrik Lauer

Die Laudatio auf Barbara Ester, verfasst von Maya Nolte