Über die Notwendigkeit eines Lernens jenseits von Kulturpessimismus und Technikeuphorie …

Vom 02. bis 03. April 2011 fand in Soest das erste Barcamp der Piratenpartei zur Sozialpolitik statt. Die etwa 50 Teilnehmer diskutierten verschiedene Modelle und Realisierungsmöglichkeiten zu der im Grundsatzprogramm der Partei verabschiedeten Forderung „Recht auf eine sichere Existenz und gesellschaftliche Teilhabe“ (ResET), wie bedingungsloses und gemeinnütziges Grundeinkommen. Desweiteren wurden Rechnungsmodelle und Parameter behandelt sowie die Möglichkeit der Abschaffung der relativen Armut diskutiert. Die sehr konstruktive und offene Grundstimmung ließ auch Raum für eine von mir vorbereitete, zum Thema des Barcamps etwas abseitige Thematik aus dem Bereich der Bildungspolitik. Unter dem etwas sperrigen Titel „Über die Notwendigkeit eines Lernens jenseits
von Kulturpessimismus und Technikeuphorie – oder – Denken und Medien – als Basiselemente einer erfolgreichen Politik des 21. Jahrhunderts“ habe ich einen Bogen geschlagen von grundsätzlicheren Gedanken zu Menschwerdung und Medienbegriff bis zu bildungspolitischen Handlungsoptionen im 21. Jahrhundert. Dies ist lediglich als Versuch zu werten.
Der Beitrag gliedert sich in vier Blöcke:
1. Eine kleine Kulturgeschichte
2. Medienphilosophie -> Medienkritik,
die Geschichte einer Verwerfung,
oder: von Sokrates zu Heidegger
3. Denk-Wege zu einer neuen Souveränität
4. Handlungsoptionen für die Bildungspolitik
– Schwerpunkt Schule –

Video des Beitrags – Piraten-Streaming
In einer selbstkritischen Rückschau muss ich einräumen, dass der Block 3, Denk-Wege zu einer neuen Souveränität (Welt, Technik und Medien gegenüber), eine detailliertere und klarere Ausarbeitung verdient. Ich werde diesen Aspekt bei Gelegenheit weiter ausbauen.

Link zum Foliensatz des Beitrags (cc-by-sa)
Weiterführender Aufsatz zu medienphilosophischen Fragen

Für’s erste viel Spaß damit und einen herzlichen Dank an die Veranstalter, die AG Sozialpolitik der Piratenpartei und Wolfgang Preiss (www.piraten-streaming.de) für professionelle Technik.

Nick H.

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2 Responses to “Über die Notwendigkeit eines Lernens jenseits von Kulturpessimismus und Technikeuphorie …”

  1. Nick_Haflinger sagt:

    Sehr geehrter Herr Sternbald,
    vielen Dank für Ihren Kommentar. Das Video im Beitrag funktioniert jetzt auch wieder :-). Gleichwohl muss ich anmerken, dass mir Ihr Kommentar in gewissem Sinne in der Technik des Argumentierens mit einer Entweder-Oder-Logik festzuhängen scheint. Es geht mir natürlich nicht um eine fortschreitende Verdinglichung von uns selbst und den uns umgebenden Lebewesen, sondern um eine reflektierte Befreiung unserer Technik aus rein ökonomischen Zwängen. Technik ist letztlich auch Ausdruck menschlicher Kreativität. Und diese hat m.E. mehr zu bieten, als das, was bis jetzt technisch realisiert ist. Eine technologische Zivilisation, das ist etwas grundlegend Anderes als eine technokratische Zivilisation. Letztere ist ein Ausbund an Selbsteinkerkerung.
    Beste Grüße, Joachim Paul aka Nick H.

  2. Franz Sternbald sagt:

    Empfehlung Bucherscheinung: „Ausgesetzt zur Existenz“; Franz Sternbald

    *

    Transfiguration des Humanen

    Der Sinn des Ganzen, der ganze Sinn, läge in der bewußten Höherstufung des Seins in uns, und durch uns – über uns hinaus.
    Mit der Bewußtwerdung jenes Strebensmotivs ist dem Menschen gleichzeitig eine bittere Wurzel des permanenten Ungenügens an sich selbst eingepflanzt worden. Jene so leicht zu verinnerlichenden Zwänge der Selbstoptimierung sind in ihrer gestalterischen Entartung inzwischen zum ökonomischen oder ästhetischen Normativ mißraten, dennoch bedeuten sie ein generelles Mißverständnis über das eigentlich geistige Motiv des Aufstrebens als Typus. Die platte Erhöhung der hirnorganischen Rechen- und Merkleistung durch Implantation von brain-chips, oder die elektrochemische Steigerung der Muskelleistung, tragen nicht wesentlich, und im Eigentlichen, zur Höherstufung des Menschen als Typus bei, sondern stellen lediglich beindruckend irritierende Monstrositäten dar. Wir werden möglicherweise künftig noch, konsterniert ob deren Fatalität, festzustellen haben: „Verzeihung, so haben wir uns das aber gar nicht vorgestellt, wenn wir bloß geahnt hätten, so war das nicht gemeint, das widert uns an, darin erkennen wir uns selbst nicht wieder!“
    Unsere technologische Zivilisation wächst sich zu einer veritablen Technokratie aus, in der der Mensch selbst von der Technik beherrscht wird, die ihm zuvor dazu verholfen hatte, die objektive Welt zur Verfügungsmasse zu unterwerfen. Der biologische Typus des Menschen droht durch dieses Mißverständnis von techne (=Fähigkeit, Geschick), mit der Selbstoptimierung zum bio-physikalischen Objekt degradiert zu werden. Denn jenes virtuell bebrillte, Vitalwert-kalibrierte, akzellerierte Hybridwesen ist zum real über seine Displays hinwelkenden, tatsächlich lebens- und beziehungs-unfähiges Geschöpf degeneriert. Unfähig zudem, sich aus eigener Kraft und Fertigkeit zu ernähren, neurasthenisch und von zu tiefst verunsicherter Zimperlichkeit in seiner Armut an Beziehungsfähigkeit. Seine Ego-Konfiguration, deren Parameter die Grade der Netz-Kompatibilität sind, generiert sich um einen abwesenden Ich-Kern.
    Es findet damit also faktisch statt einer Aufwertung eine Herabstufung statt. Die Zukunft des Menschen hält für ihn dadurch keine Bestimmung eines erhabeneren Schicksals vor, sondern die Gefahr, selbst nur noch Objekt unter Objekten zu werden. Den Menschen als Nutztier der dinglichen Verwertung, erwartet der Raub von jeglichem Sinn und Zweck, gerade durch die Mittel seiner eigenen Technik.

    *

    „ Ausgesetzt zur Existenz “ – warum der Mensch ein Schicksal ist
    – vom Ausgang aus der unverschuldeten Absurdität –
    Verlag BoD-D-Norderstedt
    Franz Sternbald

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