{"id":2537,"date":"2024-07-31T15:52:53","date_gmt":"2024-07-31T13:52:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vordenker.de\/blog\/?p=2537"},"modified":"2024-08-06T23:02:07","modified_gmt":"2024-08-06T21:02:07","slug":"eberhard-von-goldammer-1941-2024-persoenlicher-nachruf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vordenker.de\/blog\/2537\/eberhard-von-goldammer-1941-2024-persoenlicher-nachruf\/","title":{"rendered":"Eberhard von Goldammer (1941 \u2013 2024) \u2013 pers\u00f6nlicher Nachruf"},"content":{"rendered":"\n<p>(geb. 06.03.1941 in Halle (Saale), \u2013 verstorben 27.05.2024 in Herne)<\/p>\n\n\n<h4>&#8211; <strong>Transdisziplinarit\u00e4t \u2013 Komplexit\u00e4t &#8211; Selbstreferenz<\/strong> &#8211;<\/h4>\n\n\n<p><strong>von Joachim Paul<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Wie anfangen?<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/EvGo_GfK_20101029_400.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"478\" src=\"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/EvGo_GfK_20101029_400.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2539\" srcset=\"https:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/EvGo_GfK_20101029_400.jpg 400w, https:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/EvGo_GfK_20101029_400-251x300.jpg 251w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Eberhard von Goldammer, Vortrag bei der Gesellschaft f\u00fcr Kybernetik am 29.10.2010 \/\/ Foto aus Video: Oliver Bandel<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">&gt;<a href=\"https:\/\/www.vordenker.de\/jpaul\/EvGoldammer_Nachruf_20240731.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Download als PDF<\/a>&lt;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><a href=\"https:\/\/www.vordenker.de\/vgo\/evgo_bibliographie.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vollst\u00e4ndige Bibliographie<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p>Den Beitrag widme ich meinem Doktorvater und langj\u00e4hrigen Freund, Prof. em. Dr. Eberhard von Goldammer und seiner Familie, seinen Freundinnen und Freunden, Kolleginnen und Kollegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist mir ein pers\u00f6nliches Bed\u00fcrfnis, diesen Nachruf zu schreiben, denn ich habe dem Verstorbenen sowohl fachlich-wissenschaftlich als auch als Mensch viel zu verdanken. Aber wo anfangen? So nach und nach realisiert sich aus den Erinnerungen heraus ein Bewusstsein f\u00fcr die Bedeutung des Verstorbenen f\u00fcr die Menschen in seiner Umgebung \u2013 und f\u00fcr mich.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Eberhard von Goldammer blicken wir zur\u00fcck auf ein reiches, erf\u00fclltes Leben, in dem zwei Zuschreibungen besonders hervortraten, erstens der Familienmensch und zweitens der Wissenschaftler. Famili\u00e4res geh\u00f6rt in die Privatheit der Familie, dar\u00fcber hinaus verdient sein wissenschaftliches und menschliches Wirken auch eine \u00f6ffentliche W\u00fcrdigung.<\/p>\n\n\n<p><!--more--><\/p>\n\n\n<p>Als Eberhard von Goldammer 10 Jahre alt war, verstarb sein Vater, ein Verlust mit zwangsl\u00e4ufig pr\u00e4gender Wirkung. Er wuchs im Allg\u00e4u als \u00c4ltestes von drei Geschwistern auf und ging dort zur Schule. An seinem Gymnasium geh\u00f6rte auch der Ski-Sport zum Unterricht. Nach dem Abitur studierte er Chemie und Physik, Letzteres u.a. bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gottfried_Falk\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gottfried Falk<\/a>, an der Technischen Universit\u00e4t Karlsruhe. Er erwarb das Diplom im Fach Chemie und promovierte in physikalischer Chemie. Im Anschluss an die Promotion zog es ihn und seine Frau \u2013 das Paar hat sich in Karlsruhe kennengelernt &#8211; f\u00fcr einen l\u00e4ngeren Aufenthalt nach Kanada, wo er am Chemistry Department der University of Ottawa mit <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Brian_Evans_Conway\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Brian Evans Conway<\/a> zusammenarbeitete, einem weltweit anerkannten Elektrochemiker.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder zur\u00fcck in Deutschland schenkte das Ehepaar kurz nacheinander zwei S\u00f6hnen das Leben. Eberhard von Goldammer habilitierte an der Universit\u00e4t Regensburg in Biophysik. Sein besonderes Interesse galt damals den biophysikalischen Anwendungsm\u00f6glichkeiten der Kernspinresonanz- (NMR) und der Elektronenspinresonanz- (ESR) Spektroskopie. Erstere spielt heute als Magnetresonanztomographie (MRT), als bildgebendes Verfahren eine nicht mehr wegzudenkende Rolle in der medizinischen Diagnostik. Und mit der zweiten lassen sich weitere Erkenntnisse zu Molek\u00fcldynamiken gewinnen. Eberhard von Goldammer konnte dazu in der Grundlagenforschung Wesentliches beitragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Ruhruniversit\u00e4t Bochum<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1976 trat er eine auf acht Jahre befristete, au\u00dferplanm\u00e4\u00dfige (apl.) Professur am Institut f\u00fcr Biophysik der Ruhruniversit\u00e4t Bochum (RUB) an. Dort begegnete ich ihm als Student der Physik erstmals 1981 im Fortgeschrittenen-Praktikum, wo er einen Versuch zur Kernspinresonanz (NMR) betreute. Zu Beginn des Wintersemesters 1981\/82 wurde ich dann in seinem B\u00fcro am anderen Ende des Naturwissenschaftstraktes der RUB \u2013 bei den Biologen im Keller! \u2013 vorstellig und bat, bei ihm in Biophysik meine Diplomarbeit leisten zu d\u00fcrfen.<br><br>Auf seine Frage: &#8222;Warum ausgerechnet Biophysik?&#8220;, gab ich eine zuvor \u00fcberlegte Antwort, die mir heute als ausgesucht dumm erscheint: &#8222;Das ist als angewandte Physik von Allem etwas, Quantenmechanik, Elektrodynamik, usw., da kann man ein wenig den \u00dcberblick behalten.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Er lachte kurz auf und meinte: &#8222;\u00dcberblick? Vergessen Sie\u2019s. Den verlieren Sie sowieso!&#8220;<br>Ein wenig verunsichert wollte ich das schon als Absage auffassen, da schloss er direkt eine Frage an: &#8222;K\u00f6nnen Sie mit einem L\u00f6tkolben umgehen?&#8220; Als ich bejahte, sagte er: &#8222;Prima, kommen Sie morgen um Zehn vorbei!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Diesem &#8222;k\u00fcrzesten Vorstellungsgespr\u00e4ch aller Zeiten&#8220; folgte ein Sch\u00fcler-Lehrer-Verh\u00e4ltnis, das sich in den 43 Jahren bis zu seinem Tod \u00fcber eine enge Zusammenarbeit ganz allm\u00e4hlich in eine Freundschaft verwandelte.<\/p>\n\n\n\n<p>Am darauf folgenden Tag steckten wir dann die K\u00f6pfe gemeinsam in ein Bruker-NMR-Spektrometer, um einen defekten Hochfrequenztransistor auszuwechseln.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei fielen mir in seinem NMR-Labor zwei Notenst\u00e4nder auf. Auf meine Frage, ob er darauf die Plots seiner Messungen studiere, lachte er und sagte: &#8222;So ein Spektrometer-Durchlauf dauert. Und wenn ich hier nachts messe, dann spiele ich Geige.&#8220; Ich selbst habe ihn nie spielen h\u00f6ren, aber er muss &#8222;ziemlich gut&#8220; gewesen sein, sagte mir einer seiner S\u00f6hne. Jedenfalls lagen im Notenstapel im Labor unter vielem Anderen auch Paganinis Capricen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir waren 1981 eine Diplomandin und f\u00fcnf Diplomanden in von Goldammers Arbeitsgruppe, erg\u00e4nzt durch einen weiteren Diplomanden von Prof. Dr. Josef Pelzl aus der Bochumer Festk\u00f6rperphysik, der regelm\u00e4\u00dfig an unseren Arbeitstreffen teilnahm. Und gelegentlich schaute Dr. Hablick, akademischer Rat an Prof. Dr. Gieses Institut f\u00fcr extraterrestrische Physik, auf ein Gespr\u00e4ch vorbei.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Arbeitsgruppe traf sich regelm\u00e4\u00dfig einmal pro Woche f\u00fcr etwa anderthalb Stunden. Angewandte Physik birgt prinzipiell technische und fachliche H\u00fcrden und Probleme, die wir Diplomanden miteinander diskutierten. Locker und spielerisch lernten wir dort die Kunst der wissenschaftlichen Argumentation, wie man Vortr\u00e4ge h\u00e4lt und wissenschaftliche Inhalte pr\u00e4sentiert, und das in einer untereinander eher von Freundschaft denn Konkurrenz gepr\u00e4gten Atmosph\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Eberhard von Goldammer gab uns ein meist auf die Situation gut abgestimmtes motivierendes Feedback, oft knapp, ruhig und sachlich, manches Mal begeisternd, manchmal sogar verbl\u00fcffend. Er flocht nicht nur dort gelegentlich Weisheiten und Tipps seines fr\u00fcheren, von ihm verehrten Geigenlehrers ein:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p> &#8222;Wenn man auf\u2019s Podium geht, muss das perfekt sitzen, selbst wenn nur &#8222;Alle meine Entchen&#8220; gespielt wird!&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Des Weiteren ging ihm eine auch in den Naturwissenschaften nicht so seltene professorale Arroganz v\u00f6llig ab. Seine inhaltliche und methodische Autorit\u00e4t vermittelte sich \u00fcber detailliertes Eingehen auf Fragen und Probleme. Hinzu kam, dass er die Besch\u00e4ftigung mit Computern \u2013 auch abseits unserer Themen &#8211; nicht nur duldete, sondern begr\u00fc\u00dfte. Anfang der 80er w\u00e4re in einigen Bereichen noch ein Diplom in Physik ohne jegliche Computerkenntnisse m\u00f6glich gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hervorzuheben ist auch, dass Disziplingrenzen f\u00fcr ihn im Grunde keine Rolle spielten. Dies zeigte sich insbesondere in seiner Bereitschaft zur \u00dcbernahme von Lehrverantwortung. In den Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie der Mathematik ist es allgemein \u00fcblich, dass f\u00fcr die thematisch benachbarten Fakult\u00e4ten und Fachbereiche Services in Form von Spezialvorlesungen angeboten werden, so z.B. &#8222;Mathematik f\u00fcr Physiker&#8220;, &#8222;Einf\u00fchrung in die Physik f\u00fcr Biologen&#8220;, usw. Letztere war bei Physikprofessoren nicht sehr beliebt, &#8222;Physik als Hilfswissenschaft? F\u00fcr fachfremde Studierende, die wom\u00f6glich nur am Pflichtschein interessiert sind? Oh, bitte nicht!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht so Eberhard von Goldammer. Als der damalige Dekan der Fakult\u00e4t f\u00fcr Physik, Detlef Kamke, ihn bat, diese Vorlesung zu halten, sagte er nach kurzer \u00dcberlegung zu und \u00fcbernahm den an spektakul\u00e4ren Live-Experimenten so reichen Einf\u00fchrungskurs, den sogenannten &#8222;Zirkus&#8220;. Und sein Engagement hatte Strahlkraft. Selbst die physikalisch-technischen Assistenten, die die Experimente in der Vorlesung betreuten, erlebten einen mitrei\u00dfenden Dozenten, sie haben sich f\u00fcr ihn buchst\u00e4blich krumm gemacht, wie mir einer der Techniker \u2013 &#8222;so macht mein Job richtig Spa\u00df!&#8220; &#8211; glaubhaft versicherte, als ich einmal einen Botengang f\u00fcr die Vorlesung erledigte.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist erst wenige Jahre her, da erz\u00e4hlte er mir, und der Stolz in seiner Stimme war nicht zu \u00fcberh\u00f6ren, dass er bei einem Spaziergang eine ehemalige Biologie-Studentin getroffen habe, die sich bei ihm \u00fcberschw\u00e4nglich bedankt habe. Dank seiner Vorlesung habe sie &#8222;die Physik kapiert&#8220; und ihr Biologie-Studium erfolgreich abgeschlossen. Das liegt ohne Zweifel daran, dass f\u00fcr ihn nicht Paukerei und tumbes Abfragen von Wissen, sondern echtes Verst\u00e4ndnis im Vordergrund stand.<\/p>\n\n\n\n<p>Was meine Person betrifft kann ich das nur best\u00e4tigen, er hat phasenweise mehr an mich geglaubt, als ich selbst dazu in der Lage war. Ganz offensichtlich besa\u00df er die Gabe, Potenziale in Personen zu sehen, die der Selbstwahrnehmung der Person \u2013 zumindest zeitweise \u2013 nicht zug\u00e4nglich waren. Und es mag sein, dass genau das die Kernkompetenz eines guten Lehrers ausmacht.<\/p>\n\n\n\n<p>In seiner <a href=\"https:\/\/www.vordenker.de\/vgo\/evgo_bibliographie.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Publikationsliste<\/a> findet sich eine Arbeit aus dem Jahr 1980, in der ein gewisser Christos Bassaris als Co-Autor genannt ist. Bassaris war Chemie-Laborant am Institut f\u00fcr Biophysik. Er hat Herrn Bassaris, einen Nicht-Akademiker, mit auf die Publikation genommen, weil die Arbeit durch sein laborchemisches K\u00f6nnen erheblich erleichtert wurde! Ein f\u00fcr Dozenten und Professoren v\u00f6llig untypisches Verhalten, zumal Ende der 70er-Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>\u00dcber den Tellerrand<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die f\u00fcr Eberhard von Goldammer nicht vorhandenen Disziplingrenzen hatten noch eine andere Seite. Es gab eine wohl nicht stillbare Neugier und eine Unzufriedenheit dar\u00fcber, wie Wissenschaft derzeit in Deutschland betrieben wurde. Er las viel. Das f\u00fchrte auch dazu, dass er seine Diplomanden kontinuierlich mit detaillierten Informationen zu den aktuellen Neuzug\u00e4ngen seiner Leseliste begl\u00fcckte. Es sei zugegeben, dass uns das \u2013 in erster Linie besch\u00e4ftigt mit den Anforderungen unserer jeweiligen Diplomprojekte &#8211; so manches Mal \u00fcberforderte.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den Autoren geh\u00f6rten u.v.a. der \u00d6konom <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jeremy_Rifkin\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Jeremy Rifkin<\/a> und der Chemiker und Wissenschaftskritiker <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erwin_Chargaff\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Erwin Chargaff<\/a>, bekannt f\u00fcr seinen Beitrag zur Entschl\u00fcsselung der DNA-Struktur. Es folgte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nicholas_Georgescu-Roegen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Nicholas Georgescu-Roegen<\/a>, Verfasser des Nachworts zu Rifkins Buch &#8222;Entropie&#8220; und Begr\u00fcnder der \u00f6kologischen \u00d6konomie. Der Klimawandel und die Rohstoffkrise waren schon damals Diskussionsthemen in unserer Gruppe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin mir ziemlich sicher, dass es sein Geigenlehrer und der theoretische Physiker Gottfried Falk, den er im Studium in Karlsruhe geh\u00f6rt hatte, gewesen sein m\u00fcssen, deren Keime des ganzheitlichen Weltinteresses und deren transdisziplin\u00e4re Arten zu Denken bei Eberhard von Goldammer auf fruchtbaren Boden fielen. Er machte damals bisweilen eine heiter-abf\u00e4llige Bemerkung \u00fcber Physiker-Kollegen, die beim Aufstellen der thermodynamischen Zustandsgleichung eines Systems meist die chemischen Potentiale der Systemkomponenten verga\u00dfen. (Tats\u00e4chlich ging es hierbei auch um eine von Gottfried Falk eingef\u00fchrte Verallgemeinerung des Begriffs des<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Thermodynamisches_Potential\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> thermodynamischen Potenzials<\/a>, der sog. Massieu-Gibbs-Funktionen.)<\/p>\n\n\n\n<p>Als er Jahre sp\u00e4ter zusammen mit Rudolf Kaehr den Aufsatz &#8222;<a href=\"https:\/\/www.vordenker.de\/vgo\/transdiziplinaritaet-technologieforschung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Transdisziplinarit\u00e4t in der Technologieforschung und Ausbildung<\/a>&#8220; ver\u00f6ffentlichte, stellte er ein Zitat des amerikanischen &#8222;Systemdenkers&#8220; <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Russell_Ackoff\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Russell Ackoff<\/a> voran:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;Wir m\u00fcssen aufh\u00f6ren, so zu tun, als sei die Natur in Disziplinen gegliedert, so wie es die Universit\u00e4ten sind.&#8220; <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das l\u00e4sst sich unmittelbar vereinfachen zu: &#8222;Unser Forschungsgegenstand, das ist das ganze Universum!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Es gab aber auch eine verbl\u00fcffend praktische Komponente. Auf die Frage, warum er sich von der Chemie hin zur Physik orientiert habe, erkl\u00e4rte er mehrfach: &#8222;Weil ich mir mathematische und physikalische Gleichungen besser merken kann als chemische Formeln!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Und weiter ging es \u2013 nicht ganz chronologisch &#8211; mit den B\u00fcchern und Aufs\u00e4tzen des russisch-belgischen Physikochemikers und Nobelpreistr\u00e4gers <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ilya_Prigogine\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ilya Prigogine<\/a> zu dissipativen Strukturen, zu Selbstorganisation und Irreversibilit\u00e4t. Dahinter stand eine im Prinzip einfache Frage, die er sehr viel sp\u00e4ter in einem Vortrag einmal offen aussprach: &#8222;Wie funktioniert eine biologische Zelle?&#8220;, oder allgemeiner, &#8222;Was ist Leben?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Es folgten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erwin_Schr\u00f6dinger\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Erwin Schr\u00f6dinger<\/a>s gleichnamiger Aufsatz, <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Robert_Rosen_(biologist)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Robert Rosen<\/a>s &#8222;Essays on Life Itself&#8220;, sowie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Walter_Elsasser\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Walter Elsasser<\/a>s &#8222;A Form of Logic Suited for Biology&#8220;. Als besonders dicke Meilensteine auf der Leseliste erinnere ich <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gregory_Bateson\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gregory Bateson<\/a>s Werke &#8222;\u00d6kologie des Geistes&#8220; und &#8222;Geist und Natur \u2013 Eine notwendige Einheit&#8220;, aus denen er wochenlang Gedanken vortrug:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;Wissenschaft beweist nie irgend etwas, Wissenschaft sondiert, sie beweist nicht.&#8220;[1]<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Damit stand er mit einem Bein bereits auf dem Boden der Kybernetik, oder genauer, einer kybernetischen Erkenntnistheorie.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber als der &#8222;Game Changer&#8220;, wie wir heute sagen, sollte sich jemand Anderes erweisen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Gotthard G\u00fcnther<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem R\u00fcckweg von gemeinsamen Mittagessen unserer Arbeitsgruppe st\u00f6berten wir manches Mal im Antiquariatsstand eines Bochumer Buchh\u00e4ndlers in der Mensa der Ruhruniversit\u00e4t. 1982 bei einer solchen Gelegenheit hielt unsere Diplomandin pl\u00f6tzlich ein Buch in der Hand &#8211; wir hatten wohl vorher \u00fcber Logik und Axiome diskutiert \u2013, die 2. Auflage von &#8222;Idee und Grundriss einer nicht-Aristotelischen Logik&#8220; (Hamburg 1978) von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gotthard_G\u00fcnther\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gotthard G\u00fcnther<\/a>. Eberhard warf einen Blick hinein und brauchte keine drei Minuten. &#8222;Nur 10 Mark? Das nehme ich mit!&#8220; &#8222;Was deinem Professor recht ist, kann dir nur billig sein&#8220;, dachte ich und erwarb ebenfalls ein Exemplar.<\/p>\n\n\n\n<p>Es muss seine \u00fcber die Zeit und die verschiedenen Lekt\u00fcren gewachsene Erkenntnis gewesen sein, dass unser aus den Naturwissenschaften sowie Mathematik und Logik bereitstehender formaler Apparat bei weitem nicht hinreichend ist, um die sich selbst organisierenden komplexen Prozesse des Lebens mit ihren Selbstr\u00fcckbez\u00fcglichkeiten ad\u00e4quat formal beschreiben zu k\u00f6nnen, die ihn sofort auf den Titel dieses Werkes haben anspringen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie heftig dieser &#8222;Trigger&#8220; f\u00fcr ihn gewesen sein muss, erfuhren wir Diplomanden in den n\u00e4chsten Wochen. Wir konnten \u2013 teilweise beunruhigt &#8211; f\u00f6rmlich zusehen, wie sein fachliches Interesse an den gemeinsamen Projekten nachlie\u00df, allerdings nicht seine Sorge, dass alle Diplomanden ihre Wege bis zum Diplom auch sauber zu Ende gehen. Noch Jahre sp\u00e4ter sagte er: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;Wer sich auf das Lesen von Gotthard G\u00fcnther ernsthaft einl\u00e4sst, der bekommt erstmal eine Schreibblockade.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Von Giovannino Guareschi, bekannt f\u00fcr seine Erz\u00e4hlungen um Don Camillo und Peppone, ist folgender Ausspruch \u00fcberliefert: &#8222;Ein Diplomat ist ein Mensch, der offen ausspricht, was er nicht denkt.&#8220; Wenn das richtig ist, dann war Eberhard von Goldammer das genaue Gegenteil. Er sprach so gut wie immer offen aus, was er gerade dachte, sofern es etwas mit rationalem Inhalt war.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich erinnere den Beginn eines seiner Vortr\u00e4ge, hier bei einer Jahrestagung der Sektion Biophysik der Deutschen Physikalischen Gesellschaft im Kloster Maria Laach: &#8222;Meine Damen und Herren, so kann man das nicht messen.&#8220; Das so etwas nicht immer Freude hervorruft, sondern auch Gefahr l\u00e4uft, als Affront verstanden zu werden, leuchtet unmittelbar ein. Aber wer ihn n\u00e4her kannte, der wusste, es ging ihm immer nur um die Sache, den Inhalt, das Argument. Und da konnten nur so die Fetzen fliegen, er wurde nie \u2013 das muss gro\u00df geschrieben werden, NIE &#8211; pers\u00f6nlich. Wirklich ver\u00e4rgert reagierte er nur dann, wenn die Gegenseite den Boden der Sachlichkeit verlies.<\/p>\n\n\n\n<p>So stellte er, als das Thema &#8222;Nicht-Aristotelische Logik&#8220; noch neu f\u00fcr ihn und uns war, im Anschlu\u00df an einen gemeinsam mit seinen Diplomanden besuchten \u00f6ffentlichen Vortrag \u00fcber Logik an der philosophischen Fakult\u00e4t der Ruhruniversit\u00e4t Bochum eine Frage zu seiner aktuellen G\u00fcnther-Lekt\u00fcre und gab \u2013 eher als Warum, denn als Vorwurf &#8211; seiner Verwunderung Ausdruck, dass es an der philosophischen Fakult\u00e4t keinerlei Vorlesungen oder Seminare zu diesem Philosophen gab. Im Verlauf des folgenden, kurzen Dialogs griff der sich in der Kritik sehende Referent zu einem Argumentum ad hominem und bezeichnete Eberhard von Goldammer despektierlich als B\u00fccherwissenschaftler. Nachdem der erste \u00c4rger verraucht war, lachten wir in der Arbeitsgruppe dar\u00fcber. Es hat geradezu kom\u00f6diantische Qualit\u00e4t, wenn ein Geisteswissenschaftler jemand als B\u00fccherwissenschaftler bezeichnet, der den gr\u00f6\u00dfen Teil seines akademischen Lebens seine Finger buchst\u00e4blich in biologische oder biologisch relevante Materie gesteckt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann begriffen wir, dass der Referent ein Vertreter der sogenannten analytischen Philosophie gewesen sein muss. Bis weit in die 90er hinein war dort alles verp\u00f6nt, was nur irgendwie nach Hegel und Dialektik roch, und dazu geh\u00f6ren Gotthard G\u00fcnther und sein Werk in ganz besonderem Ma\u00dfe. (Diese ablehnende Haltung der analytischen Philosophie gegen\u00fcber Hegel ist \u00fcber die Jahre aufgeweicht und gipfelte j\u00fcngst 2019 im Erscheinen des Werkes &#8222;A Spirit of Trust: A Reading of Hegel\u2019s Phenomenology&#8220; des Richard Rorty-Sch\u00fclers und einflussreichen Vertreters der analytischen Philosophie, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Robert_Brandom\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Robert Brandom<\/a>, der schon in den Nullerjahren zu einer erneuten Hegel-Lekt\u00fcre aufgerufen hatte.[2])<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erstausgabe von G\u00fcnthers Idee und Grundriss erfolgte bereits 1958, die von uns zudem antiquarisch erworbene 2. Auflage ist auf 1978 datiert. Waren wir also &#8222;sp\u00e4t dran&#8220; mit unserer Lekt\u00fcre? Nein. Dem entgegen steht die von Brandom geforderte Hegel-Lekt\u00fcre in den Nullerjahren und eine Bemerkung, die Gert K\u00f6nig, seinerzeit Inhaber des Lehrstuhls f\u00fcr Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte an der RUB, auf die entsprechende Frage eines Studenten hin machte: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;Gotthard G\u00fcnther? Das ist noch zu fr\u00fch.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Mit Fug und Recht l\u00e4sst sich also sagen, dass Eberhard von Goldammer mit seiner G\u00fcnther-Lekt\u00fcre &#8222;seiner Zeit voraus&#8220; war. Insofern war die Besch\u00e4ftigung damit f\u00fcr ihn auch eine unfreiwillige \u00dcbung im &#8222;sich zwischen die St\u00fchle Setzen&#8220;. Aber allm\u00e4hlich wuchs eine Art w\u00fctender Gelassenheit. Als ich mich Jahre sp\u00e4ter einmal bei ihm beklagte, dass Naturwissenschaftler mir in Diskussionen h\u00e4ufiger entgegneten, ich w\u00fcrde wie ein typischer Geisteswissenschaftler argumentieren, eben diese mir jedoch den typischen Naturwissenschaftler sogar vorwarfen, meinte er nur trocken: &#8222;Nehmen Sie\u2019s doch als Kompliment!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Er hatte sich inzwischen die Haltung einiger Vertreter der Kybernetik (zweiter Ordnung) zu eigen gemacht, die den dem klassischen Wissenschaftsgef\u00fcge impliziten Methodendualismus zwischen Geistes- und Naturwissenschaften strikt ablehnen und stattdessen daf\u00fcr pl\u00e4dieren, dort, wo es sinnvoll ist, das erkennende und handelnde Subjekt ausdr\u00fccklich in den Bereich der Wissenschaft mit einzubeziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Forschungsfeld hatte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/W._Ross_Ashby\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">W. Ross Ashby<\/a> bereits 1957 folgenderma\u00dfen umfassend benannt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;Kybernetik untersucht alle Ph\u00e4nomene in Unabh\u00e4ngigkeit ihres Materials, so sie regelgeleitet und reproduzierbar sind.&#8220;[3] <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heinz_von_Foerster\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Heinz von Foerster<\/a> nimmt eine wesentliche Pr\u00e4zisierung vor, er teilt durch seine Definition die Kybernetik in zwei Ordnungen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;Die Kybernetik erster Ordnung besch\u00e4ftigt sich mit beobachtbaren Systemen, die Kybernetik zweiter Ordnung mit beobachtenden Systemen.&#8220;[4] <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Es ist eben diese sog. &#8222;2nd order cybernetics&#8220;, die die eigentliche transdisziplin\u00e4re Erweiterung darstellt und zum &#8222;Ausgangsort jener zweiten kybernetischen Welle&#8220; wurde, &#8222;die gro\u00dfen Einfluss auf zentrale amerikanische und europ\u00e4ische Diskurse des sp\u00e4ten 20. Jahrhunderts nehmen sollte&#8220;[5]. &#8222;Beobachtende Systeme&#8220;, das bedeutet Subjekte, die erkennen, Lebewesen, die Kognitionen haben. Dar\u00fcber forschen zu k\u00f6nnen, das stellt ein besonderes Faszinosum dar. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Universit\u00e4t Witten\/ Herdecke<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Haltung zur Wissenschaft, die man auch als holistisch, bzw. ganzheitlich bezeichnen kann, wollte nicht so recht in das Prokrustesbett staatlicher Hochschulen passen. Insofern war Eberhard von Goldammer kein Einzelfall. Neue Ideen haben an staatlichen Einrichtungen nicht selten einen schweren Stand. (Das best\u00e4tigte mir unl\u00e4ngst der Philosoph und Psychoanalytiker Rudolf Heinz, Begr\u00fcnder der Pathognostik, der etwa zur selben Zeit eine Professur ohne Lehrstuhl an der Philosophischen Fakult\u00e4t der Heinrich Heine-Universit\u00e4t D\u00fcsseldorf innehatte.)<\/p>\n\n\n\n<p>Eberhard von Goldammer kam in Kontakt mit Dr. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gerhard_Kienle\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gerhard Kienle<\/a>, dem Chefarzt und Gr\u00fcnder des Gemeinschaftskrankenhauses Herdecke, der zusammen mit Anderen an der Gr\u00fcndung einer privaten Universit\u00e4t arbeitete, an der auch Mediziner ausgebildet werden sollten, und das in direkter N\u00e4he zur Praxis in der Herdecker Klinik. Motivation hierf\u00fcr war neben einer basalen Kritik der Medizinerausbildung an staatlichen Hochschulen auch eine grundlegende Kritik an der Praxis des deutschen Gesundheitswesens.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerhard Kienle und der Marburger Physiologe <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herbert_Hensel\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Herbert Hensel<\/a>, der 1965\/66 Rektor der Phillips-Universit\u00e4t Marburg war, waren beide Anthroposophen und k\u00f6nnen als die eigentlichen Gr\u00fcnder der Universit\u00e4t Witten\/ Herdecke (UWH) angesehen werden. Ihre Kritiken zielten allerdings nicht nur auf die Praxis der Medizinerausbildung an staatlichen Hochschulen sondern auch nach innen. Insbesondere Hensel forderte von anthroposophischen Wissenschaftlern strenge Wissenschaftlichkeit ein und kritisierte deren &#8222;weitverbreitete Methode, gewisse Aussagen der Anthroposophie a priori als absolute Wahrheit zu setzen und diese dann durch Zusammensuchen bekannter Tatsachen aus der wissenschaftlichen Literatur zu st\u00fctzen&#8220;.[2]<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits ab 1980 \u2013 noch vor meinem Start in seiner Bochumer Arbeitsgruppe \u2013 engagierte sich Eberhard von Goldammer am Projekt Universit\u00e4t Witten\/ Herdecke, zu dessen Unterst\u00fctzern u.v.a. auch der Bochumer Physiker Haro von Buttlar geh\u00f6rte. Neben dem Schreiben von erfolgreichen Antr\u00e4gen f\u00fcr F\u00f6rdermittel (Stiftung Volkswagenwerk) und der Beschaffung eines MRT-Ger\u00e4tes war dies auch der Aufbau und die Organisation eines Physikpraktikums f\u00fcr die Studenten der Medizin. Als die UWH 1983 ihren Betrieb aufnahm, waren es einige seiner Diplomanden von der RUB, die die Betreuung des Physik-Praktikums f\u00fcr die ersten beiden Jahrg\u00e4nge \u00fcbernahmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist nur konsequent, die Frage zu stellen, wie das zusammengehen sollte. Auf der einen Seite Anthroposophen, auf der anderen ein von Kybernetik, Philosophie und mehrwertiger Logik infizierter Biophysiker. Eberhard von Goldammer hat immer betont, dass es in seiner Wahrnehmung Gerhard Kienle, Herbert Hensel und der sp\u00e4tere faktische Gr\u00fcndungsrektor der UWH, der ebenfalls in Marburg lehrende Physiologe <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gunther_Hildebrandt\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gunther Hildebrandt<\/a> &#8211; &#8222;open minded people&#8220; fern von Ideologien oder Dogmatiken &#8211; seien, mit denen er &#8222;gut konnte&#8220;. Das ist aber nicht unbedingt eine Frage der pers\u00f6nlichen &#8222;Chemie&#8220;. Hier kann ein Aphorismus des amerikanischen Rockmusikers und Komponisten Frank Zappa herangezogen werden:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;Ein Geist ist wie ein Fallschirm. Er funktioniert nicht, wenn er nicht offen ist.&#8220; <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Allein deswegen, weil sie offen \u2013 open minded &#8211; waren, &#8222;konnten&#8220; sie miteinander, auch im Team. Gegenseitige Sympathie stellt sich dann ganz von selbst ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ungl\u00fccklicherweise verstarben Gerhard Kienle und Herbert Hensel 1983 kurz vor der offiziellen Er\u00f6ffnung der Universit\u00e4t Witten\/ Herdecke. Die Leitung der Universit\u00e4t \u00fcbernahm der Neurologe Konrad Schily.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die Vorstellungen und Hoffnungen, die Eberhard von Goldammer f\u00fcr die Universit\u00e4t, f\u00fcr sein Institut f\u00fcr Biophysik und Medizintechnik an der UWH sowie f\u00fcr das Institut f\u00fcr theoretische Biowissenschaften, dessen Leitung 1985 <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rudolf_Kaehr\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Rudolf Kaehr<\/a> \u00fcbernahm, und letztlich f\u00fcr sich selbst und seinen weiteren wissenschaftlichen Weg gehabt haben mag, wurden bitter entt\u00e4uscht.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier soll dies nicht weiter ausgef\u00fchrt werden. Stattdessen k\u00f6nnen wir ihn selbst sprechen lassen. Er verfasste dazu einen Text &#8222;<a href=\"https:\/\/www.vordenker.de\/vgo\/vgo_ein-ungeliebtes-forschungsprojekt.pdf\">Historischer R\u00fcckblick und Anmerkungen zu einem Projekt, das an einer Privat-Universit\u00e4t unerw\u00fcnscht war \u2026<\/a>&#8222;. Die Datei enth\u00e4lt dar\u00fcber hinaus auch ein Interview &#8222;Wissenschaftszensur oder Universit\u00e4t nach Gutsherrenart \u2013 Eine Elite in Deutschen Landen -&#8222;, dass er im Sommer 2007 Peter Rath gab. Beides gibt neben zahlreichen Projektergebnissen auch Zeugnis von eher Unerfreulichem, von dem Intrigenspiele und unberechtigte Vorw\u00fcrfe noch das Geringste sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Gr\u00fcndungsinitiative Nordische Universit\u00e4t Flensburg\/ Neum\u00fcnster<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Seinen inter- und transdisziplin\u00e4ren Anspruch an Wissenschaft gab Eberhard von Goldammer nicht auf. Schon w\u00e4hrend der sich zunehmend ins Ung\u00fcnstige entwickelnden universit\u00e4tspolitischen Wetterlage an der UWH startete er neue Initiativen oder nahm daran Anteil. Seine zeitliche Auslastung \u2013 und damit auch die Belastung f\u00fcr seine Familie &#8211; waren immens.<\/p>\n\n\n\n<p>Das, was ihm als Institut vorgeschwebt haben mag, war mit Sicherheit beeinflusst und inspiriert von zwei gro\u00dfen Vorbildern, beides US-amerikanische Einrichtungen. Zum einen war dies das BCL, das &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Biological_Computer_Laboratory\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Biological Computer Laboratory<\/a>&#8220; (1958 \u2013 1974) an der University of Illinois in Urbana, Illinois, das aus den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Macy-Konferenzen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Macy-Konferenzen<\/a> hervorgegangen war und von dem aus Wien stammenden Physiker Heinz von Foerster geleitet wurde. F\u00fchrende Kybernetiker haben sich dort die Klinke in die Hand gegeben, es war ein Kommen und Gehen mit regem Austausch. Gotthard G\u00fcnther hat am BCL wesentliche Teile seines \u00fcber &#8222;Idee und Grundriss \u2026&#8220; weit hinausgehenden Werks verfasst. Die zweite Einrichtung existiert heute noch, es ist das SFI, das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Santa_Fe_Institute\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Santa Fe Institute<\/a> in Santa Fe, New Mexico, gegr\u00fcndet 1984, das sich der Erforschung von komplexen Systemen verschrieben hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielversprechende Ankl\u00e4nge an diese Kultur des offenen Austauschs gab es schon an der UWH. Er hatte den Philosophen und Logiker Rudolf Kaehr, der bei Gotthard G\u00fcnther promoviert hatte, an die UWH geholt. Joseph Ditterich, ebenfalls ehemaliges Mitglied von G\u00fcnthers Berliner Arbeitsgruppe, kam vorbei und verfasste mit Kaehr zusammen mehrere Beitr\u00e4ge. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Humberto_R._Maturana\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Humberto Maturana<\/a> war zweimal zu Gast und hielt Vortr\u00e4ge, ebenso der Physiker und Neurobiologe <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Christoph_von_der_Malsburg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Christoph von der Malsburg<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Die DoIT, die Deutsche Occam-Interessengemeinschaft der Transputeranwender gastierte mit einer gro\u00dfen Tagung in der Wittener Stadthalle. Damals war der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Transputer\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Transputer<\/a> (Transfer-Computer) der britischen Firma Inmos Ltd. eine geradezu revolution\u00e4re Entwicklung auf dem Gebiet der Computer-Hardware, die den Aufbau paralleler Prozessornetzwerke erlaubt. Auf Initiative von Martin Busch besch\u00e4ftigten wir uns an der UWH mit Parallelnetzwerken aus Transputern und deren Anwendungsm\u00f6glichkeiten, insbesondere mit Simulationen von neuronalen Netzen in der Programmiersprache <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Occam\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Occam<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Abschluss meines Physikdiploms an der RUB war ich wie zuvor Martin Busch Eberhard von Goldammer als Assistent in sein Institut f\u00fcr Biophysik und Medizintechnik an der UWH gefolgt. Dabei mutet es reichlich paradox an, dass ich meine Bez\u00fcge \u00fcber den &#8222;Projektschwerpunkt Neurokybernetik des Wirtschaftsministeriums des Landes Schleswig-Holstein&#8220; erhielt, der zu der Zeit zum Kern einer Gr\u00fcndungsinitiative f\u00fcr eine privatwirtschaftliche Universit\u00e4t, die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nordische_Universit%C3%A4t\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Nordische Universit\u00e4t<\/a> Flensburg\/ Neum\u00fcnster geh\u00f6rte. Das Bundesland ist im Bereich Medizintechnik traditionell gut aufgestellt. Es gab daher \u2013 neben den Wirtschaftswissenschaften &#8211; ein starkes Interesse an einer Universit\u00e4tsgr\u00fcndung mit entsprechendem Schwerpunkt, das bis in Regierungskreise reichte. Das Projekt wurde hierbei \u00fcber eine medizintechnische Beratungsfirma koordiniert, die ein ehemaliger Doktorand von Goldammers gegr\u00fcndet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen dieser Aktivit\u00e4ten sollte zun\u00e4chst der aktuelle internationale Sachstand von Forschung und Technik im Bereich aktiver, sensorgesteuerter Prothesen erhoben werden. Eberhard von Goldammer und ich besuchten daher 1988 eine Tagung und zwei Kongresse zu Robotik und Prothetik in Kanada. F\u00fcr ihn war dies eine willkommene Auszeit vom politischen Hickhack an der UWH, eine Mischung aus neuen Anregungen und einer Reise in seine Vergangenheit, denn wir besuchten in Ottawa Prof. Conway.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Jahrestagung der ASC, der <a href=\"https:\/\/asc-cybernetics.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">American Society for Cybernetics<\/a> an der University of Victoria (BC), trafen wir Humberto Maturana wieder und lernten u.v.a. <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Gordon_Pask\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gordon Pask<\/a> kennen, der noch selbst an den Macy-Konferenzen teilgenommen hatte und der uns beide durch seinen selbst f\u00fcr einen Briten au\u00dfergew\u00f6hnlich hintergr\u00fcndigen Humor begeisterte:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;I prefer choice number five!&#8220; &#8211; &#8222;But it isn\u2019t there! You have only four choices.&#8220; &#8211; &#8222;Yes, because it isn\u2019t there!&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Wissenschaft ist Kommunikation. Wir hielten gemeinsam einen Workshop zu Gotthard G\u00fcnthers Polykontexturalit\u00e4tstheorie ab. Im Anschluss kam ein Psychologe aufgeregt auf uns zu und wedelte mit einem Buch: &#8222;Das hier m\u00fcssen Sie unbedingt lesen!&#8220; Es handelte sich um die englische Ausgabe der Evolutionstheorie des Bewussteins des amerikanischen Psychologen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Julian_Jaynes\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Julian Jaynes<\/a>: &#8222;Der Ursprung des Bewusstseins \u2026&#8220;. Und in der Tat erweisen sich zum einen Jaynes\u2019 Vorstellungen zur Sprachentwicklung anschlussf\u00e4hig zu Grundelementen der Polykontexturalit\u00e4tstheorie G\u00fcnthers, zum anderen gibt es interessante Ber\u00fchrungspunkte zwischen den Vorstellungen beider zur kulturellen Evolution.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bem\u00fchungen um eine Konsolidierung der Nordischen Universit\u00e4t zogen sich \u00fcber mehrere Jahre hin und waren 1989 entg\u00fcltig zum Scheitern verurteilt, da sich keine vollst\u00e4ndig private Finanzierung finden lie\u00df. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bj%C3%B6rn_Engholm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bj\u00f6rn Engholm<\/a> (SPD) hatte schon als Oppositionsf\u00fchrer davor gewarnt, dass die Universit\u00e4t staatliche F\u00f6rderung ben\u00f6tigen werde, diese jedoch kategorisch ausgeschlossen. Und auch der Versuch, Teile der Initiative zu retten, musste aufgegeben werden, als Engholm 1993 \u00fcber die Barschel-Aff\u00e4re stolperte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>ICS, Institut f\u00fcr Kybernetik und Systemtheorie e.V. \/\/ FH Dortmund<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eberhard von Goldammer wurde schlie\u00dflich Professor an der FH Dortmund und unterrichtete dort Biophysik und Informatik bis zu seiner Emeritierung, blieb aber formal Mitglied der Medizinischen Universit\u00e4t zu L\u00fcbeck, ein Nebeneffekt der nicht gl\u00fccklich verlaufenen Nordischen Initiative, die es ihm weiterhin erlaubte, Promotionen abzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Um Projekten einen gr\u00f6\u00dferen offiziellen Rahmen zu geben, gr\u00fcndete Eberhard von Goldammer mit einigen Freunden und Kollegen das ICS, das Institut f\u00fcr Kybernetik und Systemtheorie als gemeinn\u00fctzigen Verein. Das ICS war ein virtuelles Institut, deren Mitglieder via Internet miteinander vernetzt waren und das als An-Institut der Technischen Universit\u00e4t Dresden firmierte. Mit von der Partie war Siegfried Fuchs, Ingenieur und Professor f\u00fcr Informatik an der Technischen Universit\u00e4t Dresden, der zu Computervision und k\u00fcnstlicher Intelligenz forschte.<\/p>\n\n\n\n<p>Im ICS schlug sich gewisserma\u00dfen die deutsche Wiedervereinigung mit einem besonders interessanten Aspekt nieder. Im Ostblock hatte man die Kybernetik nach anf\u00e4nglichen Widerst\u00e4nden \u2013 man sah sie zun\u00e4chst als ein ideologisches Machwerk des Klassenfeindes \u2013 als den Marxismus best\u00e4tigend begr\u00fc\u00dft und begonnen, intensive Forschung auf dem Gebiet zu betreiben. &#8222;Open minded people&#8220; aus beiden Teilen hatten sich also viel zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/ICS_Tagungsband_400.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"556\" src=\"https:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/ICS_Tagungsband_400.jpg\" alt=\"Cover des Tagungsbandes zum Dresdener Symposium\" class=\"wp-image-2543\" srcset=\"https:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/ICS_Tagungsband_400.jpg 400w, https:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/ICS_Tagungsband_400-216x300.jpg 216w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Eine inhaltliche Aufarbeitung und Zusammenf\u00fchrung der unterschiedlichen Forschungsans\u00e4tze in Ost und West fand allerdings de facto nicht statt. So wurde das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zentralinstitut_f%C3%BCr_Kybernetik_und_Informationsprozesse\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zentralinstitut f\u00fcr Kybernetik und Informationsprozesse<\/a> der Akademie der Wissenschaften der DDR mit der Begr\u00fcndung &#8222;brauchen wir nicht&#8220; aufgel\u00f6st. Einzelne Abteilungen wurden entweder geschlossen oder in andere Institutionen integriert. Wir hatten gemeinsam ein Institut gegr\u00fcndet! Als Gr\u00fcndungsmitglied konnte u.v.a. Prof. em. Alfred Locker gewonnen werden, der einen Lehrstuhl f\u00fcr theoretische Biophysik an der TU Wien innehatte. Die erneute Aufbruchstimmung war auf dem Dresdner Symposium &#8222;Kybernetik und Systemtheorie \u2013 Wissenschaftsgebiete der Zukunft?&#8220; im November 1991 deutlich sp\u00fcrbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem ICS als Institution und der damaligen Berliner Firma Brainware GmbH konnte Eberhard von Goldammer mehrere Vertr\u00e4ge f\u00fcr von der Europ\u00e4ischen Union gef\u00f6rderte Projekte gegenzeichnen. Es handelte sich dabei um StatLog (ESPRIT II project 5170: Comparative testing and evaluation of statistical and logical learning algorithms on large-scale applications to classification, prediction and control) und PAPAGENA (ESPRIT III project 6857: Programming Environment for Applications of Parallel Genetic Algorithms), in deren Rahmen ich \u2013 nunmehr voll finanziert &#8211; meine Dissertation verfassen konnte. Ohne ihn w\u00e4re das nicht m\u00f6glich gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Denken und Schreiben \u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach meiner Promotion ging ich eigene, zun\u00e4chst freiberufliche Wege, bevor ich dann 1998 eine Position als wissenschaftlicher Referent am Medienzentrum Rheinland annahm, heute LVR-Zentrum f\u00fcr Medien und Bildung, eine Dienststelle des Landschaftsverbandes Rheinland.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir hielten Kontakt und besuchten gelegentlich Tagungen miteinander. Und aus dem &#8222;Sie&#8220; wurde ein &#8222;Du&#8220;. Auf einem vom Wissenschaftszentrum NRW in D\u00fcsseldorf veranstalteten Kongress zur Hirnforschung trafen wir Humberto Maturana wieder und lernten Heinz von Foerster pers\u00f6nlich kennen. Und bei einem Kybernetik-Treffen in Amsterdam kam es zu einem intensiven Vierer-Gespr\u00e4ch mit Gordon Pask und seinem ehemaligen Doktoranden <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ranulph_Glanville\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ranulph Glanville<\/a>, das erst nachts um Drei in einer Amsterdamer Bar endete.<\/p>\n\n\n\n<p>Eberhard von Goldammer konnte sich \u2013 nunmehr unbelastet von irgendwelchem universit\u00e4tspolitischen Hickhack und anderen ideologischen Stressfaktoren \u2013 neben seiner Lehrt\u00e4tigkeit an der FH Dortmund frei und nat\u00fcrlich transdisziplin\u00e4r der Wissenschaft und dem wissenschaftlichen Schreiben widmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinsam, zu zweit und mit anderen ver\u00f6ffentlichten wir eine ganze Reihe von Aufs\u00e4tzen, die die Probleme der formalen Beschreibung von Lebensprozessen und lebenden Systemen stellen und sichtbar machen. Hervorgehoben werden kann ein Aufsatz zu &#8222;<a href=\"https:\/\/www.vordenker.de\/autonomie\/autonomie.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Autonomie in Biologie und Technik<\/a>&#8222;, der in einem Jahrbuch zu Komplexit\u00e4t in Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften publiziert wurde. Wir nahmen dabei Bezug auf grundlegende Arbeiten von Humberto Maturana, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Francisco_J._Varela\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Francisco Varela<\/a>, Gregory Bateson und Heinz von Foerster.<\/p>\n\n\n\n<p>Die derzeit noch recht unerprobten kulturtechnischen M\u00f6glichkeiten des Internet nutzend gr\u00fcndete ich mit dem D\u00fcsseldorfer Philosophen <a href=\"https:\/\/philpeople.org\/profiles\/larry-steindler\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Larry Steindler<\/a> das eJournal www.vordenker.de, ein &#8222;Webforum f\u00fcr Innovatives in Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur&#8220;, das im September 1996 an den Start ging. Selbstverst\u00e4ndlich lud ich auch Eberhard dazu ein, diese Plattform f\u00fcrs Publizieren und sich mit Anderen Austauschen zu nutzen und er machte regen Gebrauch davon, wurde zu einem festen Autor.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Schreiben wendet sich nun immer mehr der erneuten Reflexion &#8211; heute stehen daf\u00fcr die Begriffe &#8222;re-reading&#8220; oder &#8222;close reading&#8220; &#8211; der Werke von Gotthard G\u00fcnther zu. 2002 hatten wir das gro\u00dfe Vergn\u00fcgen, zusammen das &#8222;Das Bewusstsein der Maschinen&#8220; anl\u00e4sslich des 50. Jahrestags der Erstauflage 1952 in einer erweiterten dritten Auflage mit einer <a href=\"https:\/\/www.vordenker.de\/ggphilosophy\/dbdm_einfuehrung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">umfangreichen Einf\u00fchrung<\/a> erneut im AGIS-Verlag herausgeben zu k\u00f6nnen. Zudem erhielten wir die Genehmigung, einen Schl\u00fcsselaufsatz G\u00fcnthers, &#8222;Erkennen und Wollen&#8220; dem Anhang hinzuzuf\u00fcgen. Bei einem gemeinsamen Besuch in Berlin in der Staatsbibliothek sichteten wir einige bislang unpublizierte Texte aus dem Nachlass des Philosophen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine nach dieser Herausgeberschaft verfassten Aufs\u00e4tze, die oft bescheiden mit &#8222;Anmerkungen zu&#8220; oder &#8222;Annotationen zu&#8220; beginnende Titel tragen, sprechen eine eigene Sprache. Vor dem Hintergrund des im wissenschaftlichen Mainstream sich ganz allm\u00e4hlich aufweichenden aber immer noch vorherrschenden Methodendualismus und der tiefen \u00dcberzeugung, dass &#8222;Ganzheit nur durch eine Vielheit von einander vermittelnden Positionen [\u2026] beschrieben werden kann&#8220;, diese Formulierung stammt aus dem bereits genannten und zusammen mit Rudolf Kaehr verfassten Aufsatz &#8222;Transdisziplinarit\u00e4t in der Technologieforschung und Ausbildung&#8220;, ringt er um erweiterte Zug\u00e4nge zum G\u00fcntherschen Werk. Das macht er nicht f\u00fcr sich, denn seine Zug\u00e4nge hat er l\u00e4ngst, sondern f\u00fcr Studierende und bildungsaffine B\u00fcrgerInnen aller Fakult\u00e4ten, um ihnen die Polykontexturalit\u00e4tstheorie n\u00e4herzubringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die besondere Herausforderung besteht hierbei darin, einerseits Geisteswissenschaftlern die formalen Aspekte des G\u00fcntherschen Werks verst\u00e4ndlich darzustellen und andererseits den oft positivistisch vorgepr\u00e4gten Naturwissenschaftlern dialektisches Denken schmackhaft zu machen. Gelegentlich bricht sich auch seine &#8222;w\u00fctende Gelassenheit&#8220; Bahn. &#8222;Lest verflixt nochmal diesen G\u00fcnther. Ihr wisst ja nicht, was Euch entgeht!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Rudolf Kaehr k\u00f6nnen wir dazu fragen, warum soll ein rationaler Gedanke nicht von der &#8222;vorsprachlichen Wucht eines Gef\u00fchls&#8220; begleitet sein, warum ein Gef\u00fchl nicht von einem &#8222;ebenso m\u00e4chtigen Gedanken&#8220; begleitet werden k\u00f6nnen? &#8222;Warum soll das Denken dem F\u00fchlen nicht standhalten k\u00f6nnen \u2013 und umgekehrt?&#8220;[6] In gewissem Sinne w\u00e4re damit ja einer Ganzheit Gen\u00fcge getan. Die Lehrt\u00e4tigkeit und die Kommunikation mit Studierenden d\u00fcrfte ein \u00dcbriges zu der zunehmenden Griffigkeit seiner Texte beigetragen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Hintergrundfolie des G\u00fcntherschen Werkes erschloss Eberhard von Goldammer sich eine ganze Reihe von Autoren neu und schrieb dar\u00fcber f\u00fcr das eJournal und einige Druckver\u00f6ffentlichungen. Hier ist vor allem der Kommunikationswissenschaftler und Medienphilosoph <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vil\u00e9m_Flusser\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vil\u00e9m Flusser<\/a> zu nennen, auf den er u.a. in seinem Aufsatz &#8222;<a href=\"https:\/\/www.vordenker.de\/vgo\/vgo_mehrzeitigkeit.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zeit \u2013 Mehrzeitigkeit \u2013 Polyrhythmie oder das polylogische Orchestrion<\/a>&#8220; Bezug nimmt. In diesem Titel verr\u00e4t sich zudem der Musiker.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ich darf an dieser Stelle meinem Bedauern Ausdruck geben, dass er nicht mehr dazu kam, das Werk des britischen Physiologen und Begr\u00fcnders der Systembiologie, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Denis_Noble\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Denis Noble<\/a> (The Music of Life \u2013 Biology Beyond Genes, Dance to the Tune of Life) zur Kenntnis zu nehmen, der ebenfalls Musiker ist und der mit brillanter Rhetorik und ausgesucht argumentativer Sch\u00e4rfe den genetischen Determinismus und Reduktionismus kritisiert. Das h\u00e4tte ihm tiefe Freude bereitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinsam besuchten wir Veranstaltungen im Rahmen des Bochumer Kolloquiums Medienwissenschaft an der RUB, aus der Taufe gehoben von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erich_H\u00f6rl\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Erich H\u00f6rl<\/a>. Dort konnten wir dem franz\u00f6sischen Philosophen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jean-Luc_Nancy\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Jean-Luc Nancy<\/a> beim Denken f\u00f6rmlich zusehen. Nicht weniger beeindruckend war ein technikphilosophischer Vortrag des Komparatisten und Literaturtheoretikers <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Werner_Hamacher\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Werner Hamacher<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Oft diskutierte er mit mir Formulierungen am Telefon. Seine Auseinandersetzung mit Flusser setzt sich fort in seinem Beitrag &#8222;<a href=\"https:\/\/www.vordenker.de\/vgo\/vgo_subjekt-projekt-subjektivitaet.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vom Subjekt zum Projekt oder VOM PROJEKT ZUR SUBJEKTIVIT\u00c4T!<\/a>&#8222;.<\/p>\n\n\n\n<p>2006 l\u00e4dt er mich ein, mit ihm einen Aufsatz &#8222;<a href=\"https:\/\/www.vordenker.de\/vgo\/logical-categories-of-learning.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">The Logical Categories of Learning and Communication \u2014 reconsidered from a polycontextural point of view<\/a>&#8220; f\u00fcr eine Jubil\u00e4umsausgabe der Zeitschrift KYBERNETES zu verfassen zu Ehren von Gregory Bateson. Seit 2023 liegt dieser \u00fcber die Jahre vielzitierte Text auch in einer deutschen Version vor.<\/p>\n\n\n\n<p>So um 2010 &#8222;entdeckt&#8220; er den schwedischen Theologen und Religionswissenschaftler <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/John_Cullberg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">John Cullberg<\/a> und dessen Kritik an der zu armen abendl\u00e4ndischen Ontologie, in der das &#8222;Du&#8220; fehlt und setzt den Autor gleich in Beziehung zu G\u00fcnthers Begriff der \u00fcber mehrere Ich-Zentren verteilten Subjektivit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Werk des britisch-amerikanischen Philosophen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stephen_Toulmin\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Stephen Toulmin<\/a> &#8222;Kosmopolis \u2013 Die unerkannten Aufgaben der Moderne&#8220; nimmt er zum Anlass zu einem Exkurs \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.vordenker.de\/vgo\/anmerkungen_leibniz_a.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Leibniz\u2019 Projekt einer Universalschriftsprache<\/a> und interpretiert ein solches oder solche Vorhaben als notwendig zu ber\u00fccksichtigende Bedingung auf dem Weg zu einer planetaren Zivilisation.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Texte werden zunehmend politischer. Zudem ist er fasziniert vom Aufstieg Chinas. Er besch\u00e4ftigte sich &#8211; schon seit den 90ern &#8211; intensiv mit dem Werk des britischen Biochemikers und Sinologen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Joseph_Needham\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Joseph Needham<\/a>. Als ich 2012 f\u00fcr f\u00fcnf Jahre als Abgeordneter (Piratenpartei) in den Landtag von NRW einzog, nahm er daran aktiv Anteil und besuchte mich mehrfach dort. Zu einem kleinen \u00f6ffentlichen Kongress &#8222;Zukunft der \u00d6konomie \u2013 \u00d6konomie der Zukunft&#8220; (Mai 2015) lud ich ihn als Vortragsredner ein. Er sagte sofort zu. Sein Beitrag trug als Titel eine Frage, &#8222;<a href=\"https:\/\/www.vordenker.de\/vgo\/vgo_welches-wissen-welche-gesellschaft_grkg-2012.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Welches Wissen? Welche Gesellschaft?<\/a>&#8222;. Ausgehend von \u00dcberlegungen des Sozialphilosophen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Andr\u00e9_Gorz\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Andr\u00e9 Gorz<\/a> sprach Eberhard von Goldammer \u00fcber gesellschaftlichen Wandel durch Technologie und Wissenschaft, gefolgt von einem regen konstruktiven Dialog mit Personen aus dem Publikum.<\/p>\n\n\n\n<p>Das letzte gr\u00f6\u00dfere gemeinsame Projekt war das Aufbereiten des <a href=\"https:\/\/www.vordenker.de\/rk\/rk_bibliographie.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">digitalen Archivs der Arbeiten von Rudolf Kaehr<\/a>, der 2016 verstarb. 2019 ver\u00f6ffentlichte Eberhard von Goldammer noch zwei \u00e4u\u00dferst verdichtete Darstellungen der Polykontexturalit\u00e4stheorie in einer <a href=\"https:\/\/www.vordenker.de\/vgo\/Polykontexturalitaet_kurzgefasst_a.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">kurzen<\/a> und einer <a href=\"https:\/\/www.vordenker.de\/vgo\/vgo_pkt-wik-06.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">l\u00e4ngeren <\/a>Version.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist Komplexit\u00e4t, was ist ein komplexes System?<br>Ein bekanntes <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Komplexit\u00e4t\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Online-Lexikon sagt dazu<\/a>:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;Komplexit\u00e4t (lateinisch complexum, Partizip Perfekt Passiv von complecti &#8222;umschlingen&#8220;, &#8222;umfassen&#8220; oder &#8222;zusammenfassen&#8220;) bezeichnet eine gro\u00dfe Anzahl und Unterschiedlichkeit von Elementen, die untereinander in vielf\u00e4ltigen Wechselbeziehungen, Strukturen und Prozessen in einem Gesamtzusammenhang stehen.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff Komplexit\u00e4t eher lax verwendet. Da meint &#8222;komplex&#8220; in der Regel &#8222;sehr oder besonders kompliziert&#8220;. Das ist wenig hilfreich und hat keine Trennsch\u00e4rfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Die k\u00fcrzeste Definition, die ich kenne, ist bislang nicht schriftlich ver\u00f6ffentlicht. Sie stammt aus einem Telefonat mit Eberhard von Goldammer am 14.04.2011 (sagt mein Zettelkasten):<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;Ein komplexes System ist ein System, dessen formale Beschreibungskriterien sich nicht auf eine Kontextur reduzieren lassen.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Und &#8222;Kontextur&#8220; kann man nachschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Forschen, das hei\u00dft, regelm\u00e4\u00dfig Ausfl\u00fcge an die Grenzen des eigenen Verstehens zu machen, alles andere ist Verwalten.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Eberhard von Goldammer hat mich eingeladen, dies mit ihm gemeinsam zu tun. Das hat auch mein Leben und Denken reicher gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine schriftlichen Arbeiten &#8211; sofern m\u00f6glich &#8211; weiterhin f\u00fcr eine interessierte \u00d6ffentlichkeit zur Verf\u00fcgung zu halten, ist das Mindeste, was ich tun kann. <br>[<a href=\"https:\/\/www.vordenker.de\/vgo\/evgo_bibliographie.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Link zur Bibliographie<\/a>]<\/p>\n\n\n\n<p>Eberhard von Goldammer verstarb am 27. Mai 2024 in Herne.<br>Er hinterl\u00e4sst seine Frau, zwei S\u00f6hne und zwei Enkel.<\/p>\n\n\n\n<p>Joachim Paul, Neuss, <br>Ende Juli 2024<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Quellen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>[1] Gregory Bateson, &#8222;<em>Geist und Natur \u2013 Eine notwendige Einheit<\/em>&#8222;, Frankfurt a.M. 1982, S. 37<br>[2] Herbert Hensel, &#8222;<em>Zum Verh\u00e4ltnis von Anthroposophie und Hochschule.<\/em>&#8220; In: Uwe Stave i.A. der Freien Europ\u00e4ischen Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): &#8222;<em>Wissenschaft und Anthroposophie. Impulse f\u00fcr neue Wege der Forschung.<\/em>&#8220; Urachhaus Verlag, Stuttgart 1989, S. 70\u201377 (Manuskript vom 1.12.1982).<br>[3] W.Ross Ashby, <em>Einf\u00fchrung in die Kybernetik<\/em>, S. 7<br><em>An Introduction to Cybernetics<\/em>, London 1957, p. 1<br><a href=\"http:\/\/pespmc1.vub.ac.be\/books\/IntroCyb.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">http:\/\/pespmc1.vub.ac.be\/books\/IntroCyb.pdf<\/a><br>[4] Heinz von Foerster et al (1974): <em>Cybernetics of Cybernetics, The Control of Control and the Communication of Communication<\/em>, Univ. of Illinois, Urbana, Ill., S. 1<br>[5] Jan M\u00fcggenburg, <em>Lebhafte Artefakte \u2013 Heinz von Foerster und die Maschinen des Biological Computer Laboratory<\/em>, Konstanz 2018, S.37<br>[6] Rudolf Kaehr, <em>Welt-Entwurf durch Sprache \u2013 Diamondstrategies<\/em>;<br>Glasgow 1997, S. 28; online: <a href=\"https:\/\/www.vordenker.de\/rk\/rk_Diamond-Strategies_Weltentwurf-durch-Sprache_1997.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.vordenker.de\/rk\/rk_Diamond-Strategies_Weltentwurf-durch-Sprache_1997.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(geb. 06.03.1941 in Halle (Saale), \u2013 verstorben 27.05.2024 in Herne) &#8211; Transdisziplinarit\u00e4t \u2013 Komplexit\u00e4t &#8211; Selbstreferenz &#8211; von Joachim Paul Wie anfangen? &gt;Download als PDF&lt; Vollst\u00e4ndige Bibliographie Den Beitrag widme ich meinem Doktorvater und langj\u00e4hrigen Freund, Prof. em. 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