{"id":2633,"date":"2024-12-15T17:23:04","date_gmt":"2024-12-15T16:23:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vordenker.de\/blog\/?p=2633"},"modified":"2025-01-05T14:41:43","modified_gmt":"2025-01-05T13:41:43","slug":"telepolis-programmierte-digitale-geschichtsvergessenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vordenker.de\/blog\/2633\/telepolis-programmierte-digitale-geschichtsvergessenheit\/","title":{"rendered":"TELEPOLIS: Programmierte digitale Geschichtsvergessenheit"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/delete_dalle20241210_600.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"600\" src=\"http:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/delete_dalle20241210_600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2637\" style=\"width:400px\" srcset=\"https:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/delete_dalle20241210_600.jpg 600w, https:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/delete_dalle20241210_600-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.vordenker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/delete_dalle20241210_600-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Vorab f\u00fcr Eilige: <\/strong><br><a href=\"https:\/\/www.vordenker.de\/blog\/2632\/aus-telepolis-entfernt-wtf\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>Meine Telepolis-Beitr\u00e4ge und von mir gef\u00fchrten Interviews sind hier republiziert.<\/strong><\/a> <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.vordenker.de\/jpaul\/jp_Telepolis_programmierte_Geschichtsvergessenheit.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">pdf-Download dieses Beitrags<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Am 6. Dezember 2024 gab das Onlinemagazin Telepolis bekannt, dass man Anfang Dezember alle Beitr\u00e4ge, die vor 2021 erschienen sind, in der Summe sind das \u00fcber 50.000, vom Netz, bzw. &#8222;<em>aus dem Archiv<\/em>&#8220; genommen habe, da, so der Chefredakteur Harald Neuber, &#8222;wir f\u00fcr deren Qualit\u00e4t nicht pauschal garantieren k\u00f6nnen&#8220;. <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Qualitaetsoffensive-Telepolis-ueberprueft-historische-Artikel-10190173.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Qualitaetsoffensive-Telepolis-ueberprueft-historische-Artikel-10190173.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>In der Begr\u00fcndung des Chefredakteurs steckt ein unmittelbar ins Auge springender eklatanter Widerspruch. Einerseits hei\u00dft es, &#8222;<em>die Deindizierung<\/em>&#8220; sei <em>&#8222;keinesfalls ein Misstrauensvotum gegen fr\u00fchere Autoren und damalige Beitr\u00e4ge heutiger Autoren. Wir mussten aber einsehen, dass es keine realistische M\u00f6glichkeit gibt, die enorme Menge von Artikeln aus gut 25 Jahren hinreichend zu pr\u00fcfen.<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber schon im \u00fcbern\u00e4chsten Absatz schreibt Neuber: &#8222;<em>Wir werden die alten Inhalte systematisch und so schnell wie m\u00f6glich sichten und \u2013 soweit sie noch einen Mehrwert bieten \u2013 nach unseren Qualit\u00e4tskriterien bewerten und \u00fcberarbeiten.<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>Erst wird gesagt, dass eine hinreichende Pr\u00fcfung nicht m\u00f6glich sei, gleichwohl <\/p>\n\n\n<p><!--more--><\/p>\n\n\n<p> soll bewertet und \u00fcberarbeitet werden. \u00dcberarbeiten? Hallo, geht&#8217;s noch!<br>F\u00fcr mich klingt das schwer nach, &#8222;wir werden dem Werk von Karl May die Indianer schon austreiben.&#8220; Und man ma\u00dft sich an zu bewerten, obwohl, siehe oben, eine hinreichende Pr\u00fcfung erkl\u00e4rterma\u00dfen nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Essays und Fachaufs\u00e4tze haben dabei Vorrang<\/em>&#8222;, hei\u00dft es weiter, &#8222;<em>tagesaktuelle Texte aus der Vergangenheit nicht. Schrittweise sollen die vielen Perlen aus dem Archiv wieder zug\u00e4nglich gemacht werden \u2026<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt sind mehr als 50.000 Beitr\u00e4ge, Berichte, Essays, Gespr\u00e4che, Interviews, von der L\u00f6schung betroffen, \u00fcber die vorab weder die Autoren noch die \u00d6ffentlichkeit informiert wurden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Diese Aktion hat zudem technisch zur Folge, dass tausende Links aus dem Netz auf diese Telepolis-Beitr\u00e4ge nun zerbrochen sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vom Inhalt her betrachtet rei\u00dft das ein riesiges Loch in die Netzkultur, bzw. in den deutschsprachigen Teil unseres digitalen kulturellen Ged\u00e4chtnisses.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine wesentliche M\u00f6glichkeit der Interaktivit\u00e4t, ein technischer Ausdruck der Meinungsfreiheit, bestand in der gern und reichlich genutzten Kommentarfunktion auf Telepolis.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Kommentare in den Diskussionsforen zu den abgeschalteten Beitr\u00e4gen sind nicht mehr verf\u00fcgbar. Einige der ernstzunehmenderen Kommentarbeitr\u00e4ge enthalten nicht selten ihrerseits Links auf weiteren themenrelevanten Content.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Somit stellt die Herausnahme der Texte und der zugeh\u00f6rigen Forenbeitr\u00e4ge einen massiven Ri\u00df im Medien- und Textgewebe der Zeit dar.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Forenbeitr\u00e4ge sind m\u00f6glicherweise ganz verloren, denn das privat gef\u00fchrte Internet-Archiv archive.org sowie auch die Deutsche Nationalbibliothek archivieren sie nicht. Dasselbe gilt f\u00fcr das Fu\u00dfnotenmanagement von Telepolis.<\/p>\n\n\n\n<p>In Zukunft sind also nicht nur Diejenigen, die sich mit Kultur- und Mediengeschichte des Internet und der Ver\u00e4nderung unserer Kommunikationskultur besch\u00e4ftigen, sondern auch allgemeine Leser, die sich f\u00fcr das Vierteljahrhundert Telepolis interessieren, auf Spezialarchive angewiesen. Doch deren Existenz ist nicht garantiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die aktuelle Telepolis-Aktion ist programmierte digitale Geschichtsvergessenheit. Ohne Ansage.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Florian R\u00f6tzer war Mitgr\u00fcnder und von 1996 bis 2020 Chefredakteur des Online-Magazins. Auch wenn er mittlerweile Abstand dazu hat, es ist die Unzug\u00e4nglichmachung eines Teils seines Lebenswerks.<\/p>\n\n\n\n<p>Und f\u00fcr viele Autoren war Telepolis auch eine Referenz, manche begannen ihre Schreibkarriere dort. Ihnen ist mit der Abschaltung zumindest ein Teil ihrer digitalen Existenz, ihrer Identit\u00e4t, genommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Man h\u00e4tte es ahnen k\u00f6nnen, denn bereits im Februar 2024 wurde den \u00e4lteren Beitr\u00e4gen auf der Plattform ein Disclaimer vorgeschaltet. Florian R\u00f6tzer sprach in diesem Zusammenhang von einem &#8222;Journalismus f\u00fcr das betreute Lesen&#8220; mit dem Zusatz &#8222;ganz im Trend der Zeit&#8220;.<br><a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/top-story\/telepolis-oder-der-journalismus-fuer-das-betreute-lesen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/overton-magazin.de\/top-story\/telepolis-oder-der-journalismus-fuer-das-betreute-lesen\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Reaktionen im Netz auf die nunmehr erfolgte Depublikationsaktion blieben nicht aus.<br><a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/top-story\/telepolis-loescht-alle-frueheren-texte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/overton-magazin.de\/top-story\/telepolis-loescht-alle-frueheren-texte\/<\/a><br><a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/top-story\/telepolis-damnatio-memoriae\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/overton-magazin.de\/top-story\/telepolis-damnatio-memoriae\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Zusammenstellung weiterer Reaktionen gibt es hier.<br><a href=\"https:\/\/www.spiegelkritik.de\/2024\/12\/08\/medienreaktionen-auf-archiv-loeschung-bei-telepolis\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.spiegelkritik.de\/2024\/12\/08\/medienreaktionen-auf-archiv-loeschung-bei-telepolis\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Nun denn, Telepolis antwortet nicht auf Anfragen. Und ich habe nicht wirklich Hoffnung, dass dort noch etwas passiert. Die Pseudo-Strategie des Aussitzens ist weit verbreitet. Derartige Probleme haben aber nicht selten die Eigenschaft, in unerwartet ver\u00e4nderter Form irgendwann durch eine Hintert\u00fcr wieder hereinzukommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt jedoch auch eine Verantwortung des Autors f\u00fcr seine Texte und f\u00fcr die von ihm gef\u00fchrten Interviews sowie die Gespr\u00e4chspartner. Der will ich, soweit es mir m\u00f6glich ist, nachkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus diesem Grund stelle ich meine <a href=\"https:\/\/www.vordenker.de\/blog\/2632\/aus-telepolis-entfernt-wtf\/\"><strong>Beitr\u00e4ge und Interviews<\/strong><\/a> nun hier zur Verf\u00fcgung. Die geringere Reichweite dieses Journals gegen\u00fcber Telepolis muss eben in Kauf genommen werden. Aber wenigstens sind die Texte weiterhin verf\u00fcgbar.<\/p>\n\n\n\n<p>I&#8217;m not amused, <br>dennoch beste W\u00fcnsche f\u00fcr das kommende Jahr 2025, <br>Nick H. aka Joachim Paul<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nachtrag vom 16.12.2024<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Herrje, die Dimension des Schadens geht mir erst allm\u00e4hlich auf. Bei meinen vier Beitr\u00e4gen und vier Interviews ist das nicht so das Problem. Da kann wenigstens behelfsm\u00e4\u00dfig repariert werden durch Republikation. Aber heute fiel mir ein Buch aus meinem Regal in die Hand, also kein eBook, sondern Papier, mit gedruckten Links auf \u00e4ltere Telepolis-Adressen. Br\u00fccken zwischen Print und Online sind also auch kaputt.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorab f\u00fcr Eilige: Meine Telepolis-Beitr\u00e4ge und von mir gef\u00fchrten Interviews sind hier republiziert. pdf-Download dieses Beitrags Am 6. 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