
NEWS
News vom 02. September 2010
Liebe Vordenkerinnen, liebe Vordenker,
für dieses Mal präsentieren wir erstens den schwedischen Denker John Cullberg, der sich dem
philosophischen Problem des Du widmete. In seiner
Anmoderation
von John Cullbergs "Das
Du und die Wirklichkeit" würdigt Eberhard von Goldammer das Werk
Cullbergs als eine diagnostisch zu nennende Aufarbeitung der
abendländischen Philosophiegeschichte von Platon bis zum deutschen
Idealismus unter dem Gesichtspunkt der Du-Problematik. Von Goldammer
stellt den "metaphysischen Subjektivismus" (Cullberg) der deutschen
Klassik dem blinden Fleck in den heutigen empirischen Wissenschaften
gegenüber, in denen Subjektivität aus der Reflexion ausgeblendet ist, und
macht deutlich, dass eine Säkularisierung des Du-Problems notwendig ist,
die aller künftiger (posthumaner) Wissenschaft voraus zu gehen hat. Er
schlägt die Brücke zu den Arbeiten Gotthard Günthers und Rudolf Kaehrs, in
deren Polykontexturalitätstheorie die formale Einschreibung von
Standpunktabhängigkeiten und damit die Säkularisierung des Du weitgehend
durchgeführt ist.
Zweitens stellen wir hier das erstmals
im Jahr 1922 erschienene Werk "Das
Menschheitsrätsel" des jüdischen Arztes und Anthropologen
Paul Alsberg bereit, der während des braunen Regimes einige Zeit im KZ
Oranienburg festgehalten wurde und anschließend nach England floh, ein
weiteres Beispiel für den katastrophalen bis heute nachwirkenden brain
drain 33-45. Alsberg ist neben vielen anderen ein hervorragendes
Beispiel für die durch den Nationalsozialismus vernichtete inter- und
transdisziplinäre Denkkultur, die im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts
in Deutschland gepflegt wurde. "Das Menschheitsrätsel" wurde Mitte der
siebziger Jahre von
Dieter Claessens "wiederentdeckt" und erfuhr jüngst durch Peter
Sloterdijk insbes. in seinem Aufsatz "Die Domestikation des Seins"
(enthalten im Band "Nicht gerettet – Versuche nach Heidegger") eine
erneute Rezeption. Der durch Alsberg geprägte Begriff der
Körperausschaltung stellt einen wichtigen Schlüssel zum Verständnis der
Anthropogenese bereit. Vor der Hintergrundfolie von Alsbergs
Körperausschaltung erhält Marshall McLuhans Dialektik der
Körpererweiterungen und Anästhesierungen durch Medien und Technik ein
neues, gewissermaßen anthropogenetisches Gewicht. Alsberg bewegt sich mit
seinem Konzept deutlich jenseits des Gegensatzes von Kulturpessimismus und
Technikeuphorie. Sein Werk liefert somit einen wichtigen Baustein zur
Bestimmung der Frage nach der Conditio humana.
Desweiteren weisen wir auf eine kommende
Buchveröffentlichung des Düsseldorfer Autors A. J. Weigoni hin. "Zombies",
ein Band schwarzhumoriger Erzählungen, erscheint in der "Edition
Das Labor - Verlag der Artisten".
Viel Spaß beim Lesen,
Ihr vordenker team,
Joachim Paul (Hrsg.)
News vom 22. April 2010
Liebe Vordenkerinnen, liebe Vordenker,
aus gegebenem Anlass kurz vor der
Landtagswahl in NRW am 9. Mai 2010 erreichte uns ein Text des Autors Peter
Rath-Sangkhakorn, der polemisch-poetisch ein Schlaglicht auf ein führendes
Mitglied der Partei DIE LINKE wirft, das als auch historischer Einblick in
die innere Kultur auf die Partei als Ganzes zurückschlägt. Die LINKE will
nun in NRW die 5%-Hürde überspringen.
Aber lesen Sie selbst:
Bartsch - des SPIEGELs braver SED-Nachfolger.
Ebenfalls aus aktuellem Anlass bringen wir
vorgezogen einen Beitrag des Herausgebers "Gedanken
zum Bildungsprogramm der NRW-Piraten zur Landtagswahl 2010" in
Nordrhein-Westfalen. Der Beitrag ist vorgesehen für die Piratenzeitung
www.piratenzeitung.de, Ausgabe
2010/2, deren Erscheinen für die nächsten Tage geplant ist.
Joachim Paul (Hrsg.)
News vom 02. März 2010
Liebe Vordenkerinnen, liebe Vordenker,
wir bedauern, ihnen mitteilen zu müssen,
dass Herr Toth den Wunsch äußerte, seine sämtlichen hier vorgehaltenen
Aufsätze zu entfernen. Selbstverständlich haben wir diesem Wunsch
entsprochen.
Joachim Paul (Hrsg.)
News vom 03. Januar 2010
Liebe Vordenkerinnen und Vordenker,
ein frohes neues Jahr wünschen wir!
In seinen
Anmerkungen widmet sich
Eberhard von Goldammer einem
Aufsatz Gotthard Günthers aus dem Jahr 1954,
der die Heisenberg'sche Unbestimmtheitsrelation und ihre Beziehung zum
Erkenntnisinstrument Logik zum Gegenstand hat, ein intellektuell ebenso
heikles wie lange vernachlässigtes Thema, sieht man von einigen wenigen
Arbeiten zum Kontext ab.
Der Düsseldorfer Literat und
Medienkünstler A.J. Weigoni definiert mit seinen jüngst erschienenen
Vignetten eine Literaturgattung neu. Er praktiziert damit mehr als
Schreiben, denn diese Novelle versteht sich als ein Sich-Einschreiben
in die Welt, demzufolge eine Schreibe, die spricht, und eine
Spreche, die schreibt... Finden Sie hier den ersten Teil seiner
Vignetten als unser digitales Gedächtnis bereichernde
digital aufgezeichnete Spreche, als interaktives Zeitobjekt, wie
Bernard Stiegler, Husserl folgend, diese kulturellen Elemente der Hypomnesis nennt.
Darüber hinaus präsentiert A.J. Weigoni
als Mitinitiator die neue Edition "Das Labor, Verlag der Artisten".
Näheres hierzu in einem digitalen Flyer zum Selbstausdrucken und Fliegen
lassen ....
Flyer Aussen,
Flyer Innen.
Zur Finanzkrise republizieren wir hier
ein Interview mit Dr. Werner Rügemer: "Die
Ursachen der Finanzkrise - oder warum wir die Staatsschulden nicht
zurückzahlen sollten". Das Interview von Radio Utopie wurde
erstpubliziert unter diesem
Link.
Der Herausgeber widmet sich dieses Mal,
aus aktuellem Anlass, einem politischen Thema. In dem Essay "Warum
Deutschland die Piratenpartei braucht ..." wird die Frage nach unserem
demokratischen Selbstverständnis und der Überführung von
Entscheidungsfindungen in politisches Handeln aufgeworfen.
Das wär's für dieses Mal.
Viel Spaß beim Lesen,
das vordenker team,
Joachim Paul (Ed.)
News vom 16. Juni 2009
Am 18. Juni wird der
bundesrepublikanische Staatsphilosoph und Großkommunikator Jürgen Habermas
80 Jahre alt. Das Wochenmagazin "DIE ZEIT" titelte "Weltmacht
Habermas".
Haben die eigentlich noch alle Tassen im
Schrank?
Anstelle des Einstimmens in den Chor der
einschlägigen Feuilletons zitieren wir aus einem
Radioessay von Sibylle Tönnies: "Habermas bewies stets eine
ausgeprägte Anschmiegsamkeit gegenüber intellektuellen Moden."
War sonst noch was? Nö.
Beste Grüße,
Ihr vordenker team.
News vom 30. Januar 2009
Liebe Vordenkerinnen und Vordenker,
ein - zugegeben verspätetes - frohes
neues Jahr wünschen wir. Dafür fällt das gebotene Material umso
umfangreicher aus.
Unser Hauptthema ist dieses Mal Warren
Sturgis McCulloch, sein Wirken und die Rezeption seiner Arbeiten:
Eigentlich, tja eigentlich hätten
wir im Jahr 2008 Warren McCullochs 100sten Geburtstag feiern sollen. Das
wir dies erst hiermit und 2009 tun, ist der Tatsache geschuldet, dass weitaus die
meisten Internet-Quellen – bis vor kurzem – falscherweise 1899 statt 1898
als McCullochs Geburtsjahr angaben, so auch die englische und die deutsche
Wikipedia. Korrekt ist jedoch die WebSite
der
American Philosophical Society, die von vornherein das richtige Jahr
angab.
Besonders peinlich scheint uns, dass die
Website der American Society
for Cybernetics
Warren McCulloch, der als einer der Gründerväter der Gesellschaft gelten
kann, völlig unzureichend rezipiert. Er ist dort unter den "Notable
Cyberneticians" gar nicht mal genannt. Ohne McCulloch, soviel steht fest,
hätte es nicht nur die Gesellschaft sondern auch das Biological Computer
Lab und viele der dort entstandenen grundlegenden Arbeiten nie gegeben,
von denen nicht nur die Mitglieder der ASC noch heute zehren.
Einleitend sei die historische
Einordnung McCullochs und seines Werkes durch Seymour Papert
wiedergegeben:
"By a remarkable coincidence, which
shows that these ideas were well rooted in that period, two important
papers written in this spirit were published in the same year in the
United States. One, by Julian Bigelow, Arturo Rosenblueth, and Norbert
Wiener, set out the general principles for mechanisms that would embody
the concept, no less difficult philosophically than number, of purpose.The
other, by Warren McCulloch and Walter Pitts, described a logical calculus
and the principles of construction for a class of computing machines that
would permit the embodiment of any theory of mind or behavior provided
only that it satisfied some very general principles of finitude and
causality. These two papers introduce so clearly the new frame of thought
that their publication could well be taken as the birth of explicit
cybernetics. To that matter we shall return, after mentioning a fourth,
rather different but equally important, focus of the new epistemological
approach." Seymour Papert, Introduction to Embodiments of Mind
by Warren S. McCulloch [http://www.papert.org/articles/embodiments.html]
Neben Seymour Papert sind vor allem
sieben weitere für die McCulloch-Rezeption bedeutsame Quellen zu nennen:
1. Michael A. Arbib, Warren
McCulloch's Search for the Logic of the Nervous System, in:
Perspectives in Biology and Medicine, vol. 43, no 2, 2000, p. 193-216. [externer
Link]
2. Lily E. Kay,
From
Logical Neurons to Poetic Embodiments of Mind: Warren S. McCulloch's
project in neuroscience, Science in context, vol. 14, no. 4, 2001,
p. 591-614. [hier
verfügbar, 2009]
3. Margaret A. Boden, Mind as Machine
- A History of Cognitive Science, Clarendon Press, Oxford 2006, 1631
pages.
4. J.Y. Lettvin, H.R. Maturana, W.S.
McCulloch and W.H. Pitts, "What the Frog's Eye Tells the Frog's Brain."
[externer
Link]
leider in Deutschland schwer erhältlich:
5. Rook McCulloch (Ed.): Collected Works of Warren S. McCulloch, Vol. 1-4,
Intersytems Publications, 1989.
6. Gotthard Günther,
Number and Logos - Unforgettable Hours with Warren S. McCulloch, [Bilingual
English/German, hier
verfügbar, 2007] first published as postum publication in:
Selbstorganisation – Jahrbuch für Komplexität in den Natur-, Sozial- und
Geisteswissenschaften, Band 6, "Realitäten und Rationalitäten" (Axel
Ziemke & Rudolf Kaehr, eds.) Duncker & Humblot, Berlin 1995, p. 318-348
7. Gotthard Günther,
Identität, Gegenidentität und Negativsprache
Hegeljahrbücher 1979, p. 22-88
Bilingual version, English/German:
Identity, Counter-Identity and Negative Language
[beide hier verfügbar, 2006]
Von den Quellen, die Bezug zu McCulloch
nehmen, sind es nur die beiden letzten von Gotthard Günther, in denen der
grundlegende wissenschaftstheoretische und philosophische Charakter von
McCullochs Aufsatz aus dem Jahr 1945 "A
Heterarchy of Values determined by the Topology of Nervous Nets"
(Bulletin of Mathematical Biophysics, 7, 1945, 89-93) vollständig erkannt ist.
In seiner Laudatio "Number and Logos/ Zahl und Begriff" würdigt Günther
McCulloch als Philosophen, der aus der naturwissenschaftlichen Erkenntnis
heraus auf die Unzulänglichkeit unseres Verständnisses des Begriffs der
Zahl hinweist. In eben jener Laudatio wird auch auf eine - vielleicht als
"verschüttet" zu bezeichnende - Platonische Zahlenkonzeption eingegangen,
die McCulloch bekannt war, und es wird Bezug zu einer Arbeit des
Philosophen Klaus Oehler "Der
entmythologisierte Platon: Zur Lage der Platonforschung" genommen.
Und in "Identität, Gegenidentität und
Negativsprache" nimmt Günther eben jene McCullochsche Arbeit als
Ausgangspunkt für die Entwicklung seiner Konzeption der Negativsprachen.
Der Arzt und Neurophysiologe McCulloch,
der als Mitbegründer der Kybernetik und der Neuroinformatik zu sehen ist,
wird und wurde nicht nur von den sogenannten Neurowissenschaften
unzureichend rezipiert. Dies gilt insbesondere für die
genannte Arbeit "A Heterarchy ...". Ebenso ist seine Bedeutung als
Wissenschaftstheoretiker und für
die Philosophie als jemand, der sich aus naturwissenschaftlichen
Betrachtungen heraus einem grundlegenden Problemfeld der Beschreibung/
Einschreibung nähert, das schon im deutschen Idealismus präsent war,
bislang nicht erkannt.
McCulloch als Philosoph? Unbedingt. Seine Arbeiten spiegeln eine Bildung und ein Denken wieder, das so
manchem heutigen deutschen Hochschullehrer auf dem Gebiet der Philosophie
alle Ehre machen würde. Belegt ist dies in den folgenden, hier
bereitgestellten Aufsätzen, die die ganze Bandbreite seines Denkens
wiedergeben:
What Is a Number,
that a Man May Know It, and a Man, that He May Know a Number?
Mysterium
Iniquitatis of Sinful Man Aspiring into the Place of God
Through the Den of
the Metaphysician
A Logical
Calculus of the Ideas Immanent in Nervous Activity
What´s in the
Brain That Ink May Character?
Why
the Mind Is in the Head
Für die genauen bibliographischen Daten
sei auf den Autorenindex verwiesen, Buchstabe
"M" -> McCulloch
Desweiteren verweisen wir noch einmal
auf Aufsätze McCullochs, die hier schon länger bereitstehen:
A Heterarchy of Values determined by the Topology of Nervous Nets
Toward
some circuitry of ethical robots or an observational science of the
genesis of social evaluation in the mind-like behavior of artifacts
The Past of a Delusion // Die Vergangenheit einer Täuschung
Die von McCulloch schon früh erkannte
wissenschaftslogische Problematik brachte ihn noch vor seinem
Zusammentreffen mit Gotthard Günther zur Beschäftigung mit mehrwertigen
Ansätzen. Dieser Tatsache ist es geschuldet, dass wir hier die Arbeit von
Christopher R. Longyear "Further Towards A Triadic Calculus" (part
1, part 2,
part 3)
präsentieren.
Selbstreferenz und Heterarchie, zwei
Begriffe, die als "Ergebnis" des Wirkens von McCulloch wesentlich sind,
führen uns dazu, hier auch eine Arbeit der Feminismustheoretikerin Eva
Meyer "Zum
Phantasma der Selbstgeburt" einer erweiterten Leserschaft zuzuführen.
Es mag etwas weit hergeholt sein, außer
für Denker auf dem Gebiet der Stringtheorie, für zeitgenössische
Naturphilosophen, für einige wenige Künstler. Seit dem großen Begründer,
„Erfinder“ des mathematischen Teilgebietes der Topologie, Felix Hausdorff, seit
Martin Heideggers „Topologie des Seins“, aber spätestens seit Warren
McCullochs oben genanntem Aufsatz „A Heterarchy …“ ist es annehmbar, denkbar, dass zu den
Bedingungen der Möglichkeit von „Dasein“ als Prozess Eigenschaften des
Universums gehören, die mit Hilfe der mathematischen Topologie
beschreibbar sind. Beatrice Nunold widmet sich in ihrem Aufsatz „Sinnlich
– konkret: Eine kleine Topologie des S(ch)eins“, erstmals gehalten als
Vortrag auf dem 12. Internationalen Kongress der Deutschen Gesellschaft
für Semiotik, vom 9. – 12.10 2008 an der Universität Stuttgart, unserer
„Verwickeltheit ins Sein“ (Merleau-Ponty), und nähert sich dem Thema von
philosophischen, künstlerischen und zeichentheoretischen Ausgangspunkten
her.
Das wär's für dieses Mal.
Viel Spaß beim Lesen,
das vordenker team,
Joachim Paul (Ed.)
News vom 21. August 2008
Liebe Vordenkerinnen und Vordenker,
zur Sommerausgabe 2008 wählen wir als
einleitende Worte ein paar Zeilen aus der
deutschen Version eines
Aufsatzes von Sven Ove Hansson aus Uppsala:
"Die Anthroposophie [....] ist eine der
erfolgreichsten okkulten Bewegungen in Nord- und Mitteleuropa. Sie gewinnt
ständig neue Anhänger durch ihre Waldorfschulen, ihre alternative Medizin
und ihre pestizidfreie Landwirtschaft. Anthroposophie ist jedoch mehr als
eine bloße Ansammlung von sozialen Bewegungen. Ihre Anhänger behaupten,
sie sei eine Wissenschaft."
Anthroposophiekritik war hier schon einmal Thema in einem Aufsatz des
Herausgebers. Nun haben wir uns entschlossen, das im Grunde erste
kritische Werk zu Waldorfschulen und Waldorfpädagogik, Fritz
Beckmannshagens 1984 erschienene Schrift "Rudolf
Steiner und die Waldorfschulen - eine psychologisch-kritische Studie"
in einer dritten Auflage als frei herunterladbares ebook herauszubringen.
Warum das? Und wieso so ein altes Buch? Und wer genehmigt das? Mehr dazu
im Editorial des Werkes.
Nochmal Schule: im Essay "Das
Verschwinden des Privaten" versucht Joachim Paul hinter dem Phänomen
cyber-mobbing von Lehrern durch Schüler einen Blick auf grundlegendere
Strukturen zu werfen.
Und sonst? Zurück an die Wurzeln ...
Nachdem in der letzten Ausgabe Joachim Castellas "Gotthard
Günther - Leben und Werk" so eingeschlagen hat, wenden wir uns noch
einmal Günthers Anfängen zu. Aus seinem Erstlingswerk
Grundzüge
einer neuen Theorie des Denkens in Hegels Logik bieten wir die
Vorworte zur ersten und zweiten Auflage, die Einleitung und den Abschnitt
über den Begriff der Vermittlung an ...
In seinen "Anmerkungen zu ....
Gotthard Günther - Grundzüge einer neuen Theorie des Denkens in Hegels
Logik" geht Eberhard von Goldammer auch auf die historische Bedeutung
des Positivismus für den philosophischen Erkenntnisfortschritt und seine
Abgrenzung zum Werk Günthers ein. Darüber hinaus enthalten die Anmerkungen
einige "Überraschungseier" in Form von Links ... Ebenfalls enthalten im
Text ist der Eintrag "Gotthard Günther" aus dem Wörterbuch der Logik von
N.I.Kondakow sowie eine Rezension der Grundzüge .. von keinem Geringeren
als Herbert Marcuse. Auch Willy Hochkeppels hier bereits veröffentlichte
Laudatio zu Günthers achtzigstem Geburtstag aus "DIE ZEIT" ist in den
Anmerkungen nochmal enthalten.
Viel Spaß beim Lesen wünscht
Ihr Joachim Paul (Hrsg.)
News vom 30. März 2008
Liebe Vordenkerinnen und Vordenker,
eines der definitiven Highlights des 20.
Jahrhunderts ist nun auf DVD erhältlich, ein handverlesener und
kommentierter Zusammenschnitt mehrerer Live-Konzerte der legendären
Düsseldorfer Kultkapelle Ernst Frosch
und die Original Oberkellner, eine Perle der Musik und der
Kleinkunst des 20. Jahrhunderts. [Mehr
...]
Ihr Joachim Paul (Hrsg.)
News vom 04. Januar 2008
Liebe Vordenkerinnen und Vordenker,
ein frohes neues Jahr wünschen wir
Ihnen!
Hier nun unsere Neuigkeiten zum Januar
2008.
Ihr Joachim Paul (Hrsg.)
|
A) Wissenschaftsgeschichte
Wir stellen den Originaltext und eine deutsche
Übersetzung des Aufsatzes "The
Past of a Delusion // Die Vergangenheit einer Täuschung" von Warren S.
McCulloch, basierend auf einer Rede, gehalten vor dem Chicagoer
Literaturverein, als Arbeitstext bereit. Er liefert interessante
Aufschlüsse zur Rezeptionsgeschichte der Psychoanalyse in den USA.
B) Work in Progress
Die Weiterentwicklung der Polykontexturalitätstheorie
insbesondere durch Rudolf Kaehr wurde seit dem Start unseres e-journals
www.vordenker.de im September 1996
fortlaufend dokumentiert und gewürdigt. Mittlerweile entspricht es nicht
mehr der Realität, von der Polykontexturalitätstheorie als einer Theorie
von Gotthard Günther allein zu sprechen.
Parallel dazu gibt es jedoch auch noch andere Grenzgänger
und Neuland-Kultivierer mit Bezug zum Günther'schen Ansatz, deren Arbeiten
wir hier präsentieren wollen.
Nina Ort ist Germanistin und
Literaturwissenschaftlerin. Avantgardistische Literatur, der mit
herkömmlichen hermeneutischen Werkzeugen nicht beizukommen ist, führte sie
zu abstrakten und formalen Problemen in der Theoriebildung selbst. Ein
neues transdisziplinäres Theoriemodell sieht sie in einer mit Hilfe des
Werks von Günther vorgenommenen reflexionslogischen Erweiterung der
"pansemiotischen" Zeichentheorie Charles S. Peirces. Eine Zusammenfassung ihres
Ansatzes finden Sie in Nina Orts Beitrag "Reflexionslogische Semiotik".
Alfred Toth ist ein weiterer Grenzgänger. Er lehrt
und lebt in Arizona. Eines seiner Hauptthemen ist die Neubestimmung des
Verhältnisses von Semiotik und Informationstheorie aus polykontexturaler
Sicht, das hier in gleich acht Beiträgen konkretisiert ist. Der durch Heinz von Foerster bestärkte Aufsatz "Einige ungelöste Probleme des semiotischen und mathematischen
Zusammenhanges zwischen Informationstheorie und Semiotik" liefert
einen guten Einstieg. Dass das von Günther in der PKL formal fundierte
Wechselspiel zwischen Hierarchie und Heterarchie auch in der Semiotik zu
polykontexturalen "Einbrüchen" führt, zeigt Toths Aufsatz "Hierarchie und Heterarchie in der Semiotik".
In "Die Geburt
semiotischer Sterne" wird demonstriert, zu welchen strukturellen
Gewinnen diese "Einbrüche" führen. Der Beitrag "Logische
und semiotische Limitationsaxiome" zeigt die axiomabhängige
Auffächerung der Semiotik in verschiedene Semiotiken und deren Beziehungen
untereinander. In "Semiotische
Thetik, Hypotypose und Modelltheorie" nähert sich Toth dem Problem der
Bestimmung des Verhältnisses von Semiotik und Polykontexturalitätstheorie
von einer ganz anderen Seite. Er begründet mit Hilfe der von Max Bense
inaugurierten Theoretischen Semiotik auf der Basis der Varela'schen
Erweiterung "Extended Calculus of Indications (ECI)" des CI von George
Spencer-Brown die Darstellung eines sog. "semiotischen EC", um die
Einführung von Zeichen und ihre modelltheoretische Bildung präzisieren zu
können. Mit Proto-Zeichenklassen beschäftigt sich der Beitrag "Protozahlen und Primzeichen".
In einer polykontextural fundierten Semiotik fächert auch das Verhältnis
von Identität und Diversität in eine Vierheit auf, wie Toths Beitrag "Identität
und Diversität in der theoretischen Semiotik" unter Berücksichtigung
speziellerer Aspekte noch eimal zeigt. In "Trialität,
Teridentität, Tetradizität" widmet sich Toth der Erörterung der
Möglichkeit einer kombiniert quantitativ-qualitativen Beschreibung der
Struktur des Universums. Hierzu beweist er zunächst, dass das Feld der
mathematischen Semiotik sich isomorph zu jeder der vier Divisionsalgebren
verhält. Er führt das physiko-mathematische Konzept der Trialität und das
semiotische Konzept der Teridentität ein und zeigt, dass Teridentität ein
tetradisches Zeichenmodell voraussetzt. Als Resultat können Dynkin- und
Feynman-Diagramme, die die Trialität des Spins darstellen, in der Form
eines kombinierten Peirce-Günther-Graphenmodells wiedergegeben werden, die
neben Energie und Kraft auch Information behandeln kann.
Viel Spaß beim Stöbern und Lesen wünscht
Ihr vordenker-team |
News vom 3. September 2007
Liebe Vordenkerinnen und Vordenker!
Wer will bestreiten, dass Innovationen
hervorzurufen und auszugestalten unter anderem Aufgabe unserer
Universitäten und ihrer Institute ist? Für den angloamerikanischen Raum
ist dies eindrucksvoll belegt durch Einrichtungen wie das MIT, das auch
heute noch als trendbildend gilt, das legendäre BCL (Biological Computer
Lab, Urbana, Illinois), an dem wesentliche Grundsteine der Kybernetik und
der Informatik gelegt wurden oder das Santa Fe Institute, um hier
stellvertretend für andere drei führende Institutionen zu nennen.
Das auch in Deutschland einmal für eine
kurze Zeit die Chance bestand, die institutionelle Basis für einen ganz
grundsätzlichen Vorstoß in disziplinübergreifendes wissenschaftliches
Neuland zu schaffen, mag man gar nicht glauben angesichts der hierzulande
erfundenen ministeriellen "Brain Up"-Kampagne.
Dennoch, in den Achtzigern des vorigen
Jahrhunderts bestand diese Chance, an der die Innovationsfreudigkeit der
Stiftung Volkswagenwerk nicht unerheblichen Anteil hatte.
Das Kerngeschäft der Wissenschaften ist
und bleibt Wissenschaft, nicht Meckern. Daher legen wir hier in einer
kompletten Liste diejenigen Arbeiten zur Publikation vor, die im Rahmen
dieser Chance entstanden sind. Zudem legt Eberhard von Goldammers "Historischer
Rückblick und Anmerkungen zu einem Projekt, das an einer
Privat-Universität unerwünscht war ..." Zeugnis über diese Chance ab
und enthält desweiteren ein von Peter Rath geführtes Gespräch mit E. v.
Goldammer zu den Vorgängen in den Achtzigern, aus dem hervorgeht, wie
Kurzsichtigkeiten und Ränkespiele Chancen zunichte machen können - als
möglichen Hinweis, worauf man in der Zukunft bei ähnlichen Vorhaben achten
sollte.
Die im Rahmen des o.g. Projektes
publizierten Arbeiten im Folgenden:
Joachim Castella
Kontextur-Différance-Kenogramm - Dekonstruktive Bemerkungen zur
Symbol-Subsymbol-Debatte in der KI
Joachim Castella
Gotthard Günther:
Innen wie Außen
Joachim Castella
Gotthard Günther - Leben und Werk
Ob Peirce, Hilbert, Tarski oder
Heidegger, diese Arbeit stellt Günther in die wissenschafts- und
philosophieprogrammatischen Kontexte seiner Zeit, und zwar umfassend!
Joseph Ditterich
Selbstreferentielle Modellierungen. Biologie – Kybernetik.
Kategorientheoretische Untersuchungen zur Second Order Cybernetics und ein
polykontexturales Modell kognitiver Systeme
Rudolf Kaehr
Polykontexturale Logik: Zur Konzeption, Formalisierung und Validierung
Thomas Mahler
Kombinatorische Analyse der Polysemie
Eberhard von Goldammer und Rudolf Kaehr
Das Immunsystem als
kognitives System
Und als Ergebnis einer Kooperation:
Joachim Pfalzgraf
Logical
Fiberings and Polycontextural Systems
Die beiden folgenden Arbeiten wurden
bereits 1996 im "vordenker" verfügbar gemacht, sie gehören jedoch in
obigen Kontext und werden hier zusätzlich als pdf-Dokumente
bereitgestellt:
Rudolf Kaehr
SUFI's DRAI: Wozu
Diskontexturalitäten in der AI ?
Eberhard von Goldammer und Rudolf Kaehr
Transdiziplinarität in der Technologieforschung und Ausbildung
Wesentliche Teile der folgenden Arbeit
entstanden in der Zeit des Projektes.
Rudolf Kaehr, et al. (alias Kurt
Klagenfurt)
Technologische
Zivilisation und transklassische Logik. Zur Technikphilosophie Gotthard
Günthers (Kurzfassung)
Darüber hinaus stellen wir einen Vortrag des Neurologen Bernhard
Mitterauer zur Technisierung subjektiver Systeme bereit sowie das Nachwort
Max Benses zu Gotthard Günthers "Beiträge zur Grundlegung einer
operationsfähigen Dialektik" nebst einer Rezension der Beiträge bereit:
Bernhard Mitterauer
Gotthard Günther: Philosoph der Kybernetik - Zur Technisierung subjektiver
Systeme // Vortrag am Institut für Computerwissenschaften der
Universität Salzburg, 2003.
Max Bense
Nachwort zu
"Beiträge zur Grundlegung einer operationsfähigen Dialektik" von Gotthard
Günther
Winfried Marotzki
Gotthard
Günther: Beiträge zur Grundlegung einer operationsfähigen Dialektik
erschienen in: Philosophischer Literaturanzeiger, 31 (1978) 248-252.
und in eigener Sache: am 12. Mai 2007 verstarb Günter Schulz,
ein Autor, der das Projekt vordenker.de seit Beginn mit Interesse
verfolgte und unterstützte. Einen Nachruf finden Sie
hier.
Ihr Joachim Paul (Hrsg.)
News vom 15. Januar 2007
Liebe Vordenkerinnen und Vordenker!
Ein frohes neues Jahr wünschen wir
Ihnen.
Hier nun unsere Neuigkeiten zum Januar
2007.
Ihr Joachim Paul (Hrsg.)
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Wir haben einige bislang nicht verfügbare Aufsätze
und Textfragmente Gotthard Günthers aufbereitet.
Zur chronologischen Einordnung der Texte verweisen
wir auf die
Günther-Bibliographie.
Bereitgestellt werden:
eine bilinguale Version des Günther'schen Nachrufs
auf Warren S. McCulloch,
Number and Logos --- Zahl und Begriff
Die deutsche Version wurde aus dem Englischen
übersetzt von Marie Günther-Hendel.
Analog-Prinzip, Digital-Maschine und Mehrwertigkeit
Dieser Aufsatz stellt eine erkenntnistheoretische
Kritik der Rezeption der Kybernetik dar. Er stammt aus dem Jahr 1960.
Cybernetics
and the Transition form Classical to Transclassical Logic
Günthers Forschungsbericht, der BCL-Report No. 30 aus
dem Jahr 1965.
Das Programm
...
Dieses als 14-seitiges Typoskript vorliegende
Textfragment aus dem Nachlass hat keinen Titel. Es beginnt mit dem Satz
"Das Programm eines streng wissenschaftlichen Aufbaus der Philosophie ...
ist heute seinen inneren Bedingungen nach undurchsichtiger als je." Es
stellt einen lesenswerten Baustein der wissenschaftlichen Entwicklung
Günthers dar, der bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat.
Darüber hinaus bringen wir einen Essay von Andrascz Jaromír Weigoni
"VerDichtung - Über das
Verfertigen von Poesie", der über zeitgeistige Subjektivismen hinaus
das Verfertigen von Lyrik thematisiert und Schreiben in einen
psychozozialen Kontext stellt. Die Jaynes'sche These aus den 70er-Jahren
von der "Sprache als Wahrnehmungsorgan" findet in Weigonis Essay eine neue
Entsprechung.
Viel Spaß beim Lesen wünscht
Ihr vordenker-team |
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