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News Archiv

 

NEWS

 

 

News vom 02. März 2010

Liebe Vordenkerinnen, liebe Vordenker,

wir bedauern, ihnen mitteilen zu müssen, dass Herr Toth den Wunsch äußerte, seine sämtlichen hier vorgehaltenen Aufsätze zu entfernen. Selbstverständlich haben wir diesem Wunsch entsprochen.

Joachim Paul (Hrsg.) 


News vom 03. Januar 2010

Liebe Vordenkerinnen und Vordenker,

ein frohes neues Jahr wünschen wir!

In seinen Anmerkungen widmet sich Eberhard von Goldammer einem Aufsatz Gotthard Günthers aus dem Jahr 1954, der die Heisenberg'sche Unbestimmtheitsrelation und ihre Beziehung zum Erkenntnisinstrument Logik zum Gegenstand hat, ein intellektuell ebenso heikles wie lange vernachlässigtes Thema, sieht man von einigen wenigen Arbeiten zum Kontext ab.

Der Düsseldorfer Literat und Medienkünstler A.J. Weigoni definiert mit seinen jüngst erschienenen Vignetten eine Literaturgattung neu. Er praktiziert damit mehr als Schreiben, denn diese Novelle versteht sich als ein Sich-Einschreiben in die Welt, demzufolge eine Schreibe, die spricht, und eine Spreche, die schreibt... Finden Sie hier den ersten Teil seiner Vignetten als unser digitales Gedächtnis bereichernde digital aufgezeichnete Spreche, als interaktives Zeitobjekt, wie Bernard Stiegler, Husserl folgend, diese kulturellen Elemente der Hypomnesis nennt. 

Darüber hinaus präsentiert A.J. Weigoni als Mitinitiator die neue Edition "Das Labor, Verlag der Artisten". Näheres hierzu in einem digitalen Flyer zum Selbstausdrucken und Fliegen lassen .... Flyer Aussen, Flyer Innen.

Zur Finanzkrise republizieren wir hier ein Interview mit Dr. Werner Rügemer: "Die Ursachen der Finanzkrise - oder warum wir die Staatsschulden nicht zurückzahlen sollten". Das Interview von Radio Utopie wurde erstpubliziert unter diesem Link.

Der Herausgeber widmet sich dieses Mal, aus aktuellem Anlass, einem politischen Thema. In dem Essay "Warum Deutschland die Piratenpartei braucht ..." wird die Frage nach unserem demokratischen Selbstverständnis und der Überführung von Entscheidungsfindungen in politisches Handeln aufgeworfen.

Das wär's für dieses Mal.

Viel Spaß beim Lesen,

das vordenker team,
Joachim Paul (Ed.)

 


News vom 16. Juni 2009

Am 18. Juni wird der bundesrepublikanische Staatsphilosoph und Großkommunikator Jürgen Habermas 80 Jahre alt. Das Wochenmagazin "DIE ZEIT" titelte "Weltmacht Habermas".

Haben die eigentlich noch alle Tassen im Schrank?

Anstelle des Einstimmens in den Chor der einschlägigen Feuilletons zitieren wir aus einem Radioessay von Sibylle Tönnies: "Habermas bewies stets eine ausgeprägte Anschmiegsamkeit gegenüber intellektuellen Moden."
War sonst noch was? Nö.

Beste Grüße,
Ihr vordenker team.


News vom 30. Januar 2009

Liebe Vordenkerinnen und Vordenker,

ein - zugegeben verspätetes - frohes neues Jahr wünschen wir. Dafür fällt das gebotene Material umso umfangreicher aus.

Unser Hauptthema ist dieses Mal Warren Sturgis McCulloch, sein Wirken und die Rezeption seiner Arbeiten:

Eigentlich, tja eigentlich hätten wir im Jahr 2008 Warren McCullochs 100sten Geburtstag feiern sollen. Das wir dies erst hiermit und 2009 tun, ist der Tatsache geschuldet, dass weitaus die meisten Internet-Quellen – bis vor kurzem – falscherweise 1899 statt 1898 als McCullochs Geburtsjahr angaben, so auch die englische und die deutsche Wikipedia. Korrekt ist jedoch die WebSite der American Philosophical Society, die von vornherein das richtige Jahr angab.

Besonders peinlich scheint uns, dass die Website der American Society for Cybernetics Warren McCulloch, der als einer der Gründerväter der Gesellschaft gelten kann, völlig unzureichend rezipiert. Er ist dort unter den "Notable Cyberneticians" gar nicht mal genannt. Ohne McCulloch, soviel steht fest, hätte es nicht nur die Gesellschaft sondern auch das Biological Computer Lab und viele der dort entstandenen grundlegenden Arbeiten nie gegeben, von denen nicht nur die Mitglieder der ASC noch heute zehren.  

Einleitend sei die historische Einordnung McCullochs und seines Werkes durch Seymour Papert wiedergegeben: 

"By a remarkable coincidence, which shows that these ideas were well rooted in that period, two important papers written in this spirit were published in the same year in the United States. One, by Julian Bigelow, Arturo Rosenblueth, and Norbert Wiener, set out the general principles for mechanisms that would embody the concept, no less difficult philosophically than number, of purpose.The other, by Warren McCulloch and Walter Pitts, described a logical calculus and the principles of construction for a class of computing machines that would permit the embodiment of any theory of mind or behavior provided only that it satisfied some very general principles of finitude and causality. These two papers introduce so clearly the new frame of thought that their publication could well be taken as the birth of explicit cybernetics. To that matter we shall return, after mentioning a fourth, rather different but equally important, focus of the new epistemological approach." Seymour Papert, Introduction to Embodiments of Mind by Warren S. McCulloch [http://www.papert.org/articles/embodiments.html]

Neben Seymour Papert sind vor allem sieben weitere für die McCulloch-Rezeption bedeutsame Quellen zu nennen: 

1. Michael A. Arbib, Warren McCulloch's Search for the Logic of the Nervous System, in: Perspectives in Biology and Medicine, vol. 43, no 2, 2000, p. 193-216. [externer Link]

2. Lily E. Kay, From Logical Neurons to Poetic Embodiments of Mind: Warren S. McCulloch's project in neuroscience, Science in context, vol. 14, no. 4, 2001, p. 591-614. [hier verfügbar, 2009]

3. Margaret A. Boden, Mind as Machine - A History of Cognitive Science, Clarendon Press, Oxford 2006, 1631 pages.

4. J.Y. Lettvin, H.R. Maturana, W.S. McCulloch and W.H. Pitts, "What the Frog's Eye Tells the Frog's Brain." [externer Link]

leider in Deutschland schwer erhältlich:
5. Rook McCulloch (Ed.): Collected Works of Warren S. McCulloch, Vol. 1-4, Intersytems Publications, 1989.

6. Gotthard Günther, Number and Logos - Unforgettable Hours with Warren S. McCulloch, [Bilingual English/German, hier verfügbar, 2007] first published as postum publication in: Selbstorganisation – Jahrbuch für Komplexität in den Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften, Band 6, "Realitäten und Rationalitäten" (Axel Ziemke & Rudolf Kaehr, eds.) Duncker & Humblot, Berlin 1995, p. 318-348

7. Gotthard Günther, Identität, Gegenidentität und Negativsprache
Hegeljahrbücher 1979, p. 22-88
Bilingual version, English/German:
Identity, Counter-Identity and Negative Language
[beide hier verfügbar, 2006]

Von den Quellen, die Bezug zu McCulloch nehmen, sind es nur die beiden letzten von Gotthard Günther, in denen der grundlegende wissenschaftstheoretische und philosophische Charakter von McCullochs Aufsatz aus dem Jahr 1945  "A Heterarchy of Values determined by the Topology of Nervous Nets" (Bulletin of Mathematical Biophysics, 7, 1945, 89-93) vollständig erkannt ist. In seiner Laudatio "Number and Logos/ Zahl und Begriff" würdigt Günther McCulloch als Philosophen, der aus der naturwissenschaftlichen Erkenntnis heraus auf die Unzulänglichkeit unseres Verständnisses des Begriffs der Zahl hinweist. In eben jener Laudatio wird auch auf eine - vielleicht als "verschüttet" zu bezeichnende - Platonische Zahlenkonzeption eingegangen, die McCulloch bekannt war, und es wird Bezug zu einer Arbeit des Philosophen Klaus Oehler "Der entmythologisierte Platon: Zur Lage der Platonforschung" genommen.

Und in "Identität, Gegenidentität und Negativsprache" nimmt Günther eben jene McCullochsche Arbeit als Ausgangspunkt für die Entwicklung seiner Konzeption der Negativsprachen.

Der Arzt und Neurophysiologe McCulloch, der als Mitbegründer der Kybernetik und der Neuroinformatik zu sehen ist, wird und wurde nicht nur von den sogenannten Neurowissenschaften unzureichend rezipiert. Dies gilt insbesondere für die genannte Arbeit "A Heterarchy ...". Ebenso ist seine Bedeutung als Wissenschaftstheoretiker und für die Philosophie als jemand, der sich aus naturwissenschaftlichen Betrachtungen heraus einem grundlegenden Problemfeld der Beschreibung/ Einschreibung nähert, das schon im deutschen Idealismus präsent war, bislang nicht erkannt.

McCulloch als Philosoph? Unbedingt. Seine Arbeiten spiegeln eine Bildung und ein Denken wieder, das so manchem heutigen deutschen Hochschullehrer auf dem Gebiet der Philosophie alle Ehre machen würde. Belegt ist dies in den folgenden, hier bereitgestellten Aufsätzen, die die ganze Bandbreite seines Denkens wiedergeben:


What Is a Number, that a Man May Know It, and a Man, that He May Know a Number?

Mysterium Iniquitatis of Sinful Man Aspiring into the Place of God

Through the Den of the Metaphysician

A Logical Calculus of the Ideas Immanent in Nervous Activity

What´s in the Brain That Ink May Character?

Why the Mind Is in the Head

Für die genauen bibliographischen Daten sei auf den Autorenindex verwiesen, Buchstabe "M" -> McCulloch

Desweiteren verweisen wir noch einmal auf Aufsätze McCullochs, die hier schon länger bereitstehen:

       A Heterarchy of Values determined by the Topology of Nervous Nets

Toward some circuitry of ethical robots or an observational science of the genesis of social evaluation in the mind-like behavior of artifacts

The Past of a Delusion // Die Vergangenheit einer Täuschung

Die von McCulloch schon früh erkannte wissenschaftslogische Problematik brachte ihn noch vor seinem Zusammentreffen mit Gotthard Günther zur Beschäftigung mit mehrwertigen Ansätzen. Dieser Tatsache ist es geschuldet, dass wir hier die Arbeit von Christopher R. Longyear "Further Towards A Triadic Calculus" (part 1, part 2, part 3) präsentieren.

Selbstreferenz und Heterarchie, zwei Begriffe, die als "Ergebnis" des Wirkens von McCulloch wesentlich sind, führen uns dazu, hier auch eine Arbeit der Feminismustheoretikerin Eva Meyer "Zum Phantasma der Selbstgeburt" einer erweiterten Leserschaft zuzuführen. 

Es mag etwas weit hergeholt sein, außer für Denker auf dem Gebiet der Stringtheorie, für zeitgenössische Naturphilosophen, für einige wenige Künstler. Seit dem großen Begründer, „Erfinder“ des mathematischen Teilgebietes der Topologie, Felix Hausdorff, seit Martin Heideggers „Topologie des Seins“, aber spätestens seit Warren McCullochs oben genanntem Aufsatz „A Heterarchy …“ ist es annehmbar, denkbar, dass zu den Bedingungen der Möglichkeit von „Dasein“ als Prozess Eigenschaften des Universums gehören, die mit Hilfe der mathematischen Topologie beschreibbar sind. Beatrice Nunold widmet sich in ihrem Aufsatz „Sinnlich – konkret: Eine kleine Topologie des S(ch)eins“, erstmals gehalten als Vortrag auf dem 12. Internationalen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Semiotik, vom 9. – 12.10 2008 an der Universität Stuttgart, unserer „Verwickeltheit ins Sein“ (Merleau-Ponty), und nähert sich dem Thema von philosophischen, künstlerischen und zeichentheoretischen Ausgangspunkten her.

Das wär's für dieses Mal.

Viel Spaß beim Lesen,

das vordenker team,
Joachim Paul (Ed.)

 


News vom 21. August 2008

Liebe Vordenkerinnen und Vordenker,

zur Sommerausgabe 2008 wählen wir als einleitende Worte ein paar Zeilen aus der deutschen Version eines Aufsatzes von Sven Ove Hansson aus Uppsala:

"Die Anthroposophie [....] ist eine der erfolgreichsten okkulten Bewegungen in Nord- und Mitteleuropa. Sie gewinnt ständig neue Anhänger durch ihre Waldorfschulen, ihre alternative Medizin und ihre pestizidfreie Landwirtschaft. Anthroposophie ist jedoch mehr als eine bloße Ansammlung von sozialen Bewegungen. Ihre Anhänger behaupten, sie sei eine Wissenschaft."

Anthroposophiekritik war hier schon einmal Thema in einem Aufsatz des Herausgebers. Nun haben wir uns entschlossen, das im Grunde erste kritische Werk zu Waldorfschulen und Waldorfpädagogik, Fritz Beckmannshagens 1984 erschienene Schrift "Rudolf Steiner und die Waldorfschulen - eine psychologisch-kritische Studie" in einer dritten Auflage als frei herunterladbares ebook herauszubringen. Warum das? Und wieso so ein altes Buch? Und wer genehmigt das? Mehr dazu im Editorial des Werkes. 

Nochmal Schule: im Essay "Das Verschwinden des Privaten" versucht Joachim Paul hinter dem Phänomen cyber-mobbing von Lehrern durch Schüler einen Blick auf grundlegendere Strukturen zu werfen.

Und sonst? Zurück an die Wurzeln ... Nachdem in der letzten Ausgabe Joachim Castellas "Gotthard Günther - Leben und Werk" so eingeschlagen hat, wenden wir uns noch einmal Günthers Anfängen zu. Aus seinem Erstlingswerk Grundzüge einer neuen Theorie des Denkens in Hegels Logik bieten wir die Vorworte zur ersten und zweiten Auflage, die Einleitung und den Abschnitt über den Begriff der Vermittlung an ...

In seinen "Anmerkungen zu .... Gotthard Günther - Grundzüge einer neuen Theorie des Denkens in Hegels Logik" geht Eberhard von Goldammer auch auf die historische Bedeutung des Positivismus für den philosophischen Erkenntnisfortschritt und seine Abgrenzung zum Werk Günthers ein. Darüber hinaus enthalten die Anmerkungen einige "Überraschungseier" in Form von Links ... Ebenfalls enthalten im Text ist der Eintrag "Gotthard Günther" aus dem Wörterbuch der Logik von N.I.Kondakow sowie eine Rezension der Grundzüge .. von keinem Geringeren als Herbert Marcuse. Auch Willy Hochkeppels hier bereits veröffentlichte Laudatio zu Günthers achtzigstem Geburtstag aus "DIE ZEIT" ist in den Anmerkungen nochmal enthalten.

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Ihr Joachim Paul (Hrsg.)

 


 

News vom 30. März 2008

Liebe Vordenkerinnen und Vordenker,

eines der definitiven Highlights des 20. Jahrhunderts ist nun auf DVD erhältlich, ein handverlesener und kommentierter Zusammenschnitt mehrerer Live-Konzerte der legendären Düsseldorfer Kultkapelle Ernst Frosch und die Original Oberkellner, eine Perle der Musik und der Kleinkunst des 20. Jahrhunderts. [Mehr ...]

Ihr Joachim Paul (Hrsg.)

 

News vom 04. Januar 2008

Liebe Vordenkerinnen und Vordenker,

ein frohes neues Jahr wünschen wir Ihnen!

Hier nun unsere Neuigkeiten zum Januar 2008.

Ihr Joachim Paul (Hrsg.)

 

A) Wissenschaftsgeschichte

Wir stellen den Originaltext und eine deutsche Übersetzung des Aufsatzes "The Past of a Delusion // Die Vergangenheit einer Täuschung" von Warren S. McCulloch, basierend auf einer Rede, gehalten vor dem Chicagoer Literaturverein, als Arbeitstext bereit. Er liefert interessante Aufschlüsse zur Rezeptionsgeschichte der Psychoanalyse in den USA.  

 

B) Work in Progress

Die Weiterentwicklung der Polykontexturalitätstheorie insbesondere durch Rudolf Kaehr wurde seit dem Start unseres e-journals www.vordenker.de im September 1996 fortlaufend dokumentiert und gewürdigt. Mittlerweile entspricht es nicht mehr der Realität, von der Polykontexturalitätstheorie als einer Theorie von Gotthard Günther allein zu sprechen.

Parallel dazu gibt es jedoch auch noch andere Grenzgänger und Neuland-Kultivierer mit Bezug zum Günther'schen Ansatz, deren Arbeiten wir hier präsentieren wollen.

Nina Ort ist Germanistin und Literaturwissenschaftlerin. Avantgardistische Literatur, der mit herkömmlichen hermeneutischen Werkzeugen nicht beizukommen ist, führte sie zu abstrakten und formalen Problemen in der Theoriebildung selbst. Ein neues transdisziplinäres Theoriemodell sieht sie in einer mit Hilfe des Werks von Günther vorgenommenen reflexionslogischen Erweiterung der "pansemiotischen" Zeichentheorie Charles S. Peirces. Eine Zusammenfassung ihres Ansatzes finden Sie in Nina Orts Beitrag "Reflexionslogische Semiotik".

Alfred Toth ist ein weiterer Grenzgänger. Er lehrt und lebt in Arizona. Eines seiner Hauptthemen ist die Neubestimmung des Verhältnisses von Semiotik und Informationstheorie aus polykontexturaler Sicht, das hier in gleich acht Beiträgen konkretisiert ist. Der durch Heinz von Foerster bestärkte Aufsatz "Einige ungelöste Probleme des semiotischen und mathematischen Zusammenhanges zwischen Informationstheorie und Semiotik" liefert einen guten Einstieg. Dass das von Günther in der PKL formal fundierte Wechselspiel zwischen Hierarchie und Heterarchie auch in der Semiotik zu polykontexturalen "Einbrüchen" führt, zeigt Toths Aufsatz "Hierarchie und Heterarchie in der Semiotik". In "Die Geburt semiotischer Sterne" wird demonstriert, zu welchen strukturellen Gewinnen diese "Einbrüche" führen. Der Beitrag "Logische und semiotische Limitationsaxiome" zeigt die axiomabhängige Auffächerung der Semiotik in verschiedene Semiotiken und deren Beziehungen untereinander. In "Semiotische Thetik, Hypotypose und Modelltheorie" nähert sich Toth dem Problem der Bestimmung des Verhältnisses von Semiotik und Polykontexturalitätstheorie von einer ganz anderen Seite. Er begründet mit Hilfe der von Max Bense inaugurierten Theoretischen Semiotik auf der Basis der Varela'schen Erweiterung "Extended Calculus of Indications (ECI)" des CI von George Spencer-Brown die Darstellung eines sog. "semiotischen EC", um die Einführung von Zeichen und ihre modelltheoretische Bildung präzisieren zu können. Mit Proto-Zeichenklassen beschäftigt sich der Beitrag "Protozahlen und Primzeichen". In einer polykontextural fundierten Semiotik fächert auch das Verhältnis von Identität und Diversität in eine Vierheit auf, wie Toths Beitrag "Identität und Diversität in der theoretischen Semiotik" unter Berücksichtigung speziellerer Aspekte noch eimal zeigt. In "Trialität, Teridentität, Tetradizität" widmet sich Toth der Erörterung der Möglichkeit einer kombiniert quantitativ-qualitativen Beschreibung der Struktur des Universums. Hierzu beweist er zunächst, dass das Feld der mathematischen Semiotik sich isomorph zu jeder der vier Divisionsalgebren verhält. Er führt das physiko-mathematische Konzept der Trialität und das semiotische Konzept der Teridentität ein und zeigt, dass Teridentität ein tetradisches Zeichenmodell voraussetzt. Als Resultat können Dynkin- und Feynman-Diagramme, die die Trialität des Spins darstellen, in der Form eines kombinierten Peirce-Günther-Graphenmodells wiedergegeben werden, die neben Energie und Kraft auch Information behandeln kann.

 

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen wünscht

Ihr vordenker-team

 

 


News vom 3. September 2007

Liebe Vordenkerinnen und Vordenker!

Wer will bestreiten, dass Innovationen hervorzurufen und auszugestalten unter anderem Aufgabe unserer Universitäten und ihrer Institute ist? Für den angloamerikanischen Raum ist dies eindrucksvoll belegt durch Einrichtungen wie das MIT, das auch heute noch als trendbildend gilt, das legendäre BCL (Biological Computer Lab, Urbana, Illinois), an dem wesentliche Grundsteine der Kybernetik und der Informatik gelegt wurden oder das Santa Fe Institute, um hier stellvertretend für andere drei führende Institutionen zu nennen.

Das auch in Deutschland einmal für eine kurze Zeit die Chance bestand, die institutionelle Basis für einen ganz grundsätzlichen Vorstoß in disziplinübergreifendes wissenschaftliches Neuland zu schaffen, mag man gar nicht glauben angesichts der hierzulande erfundenen ministeriellen "Brain Up"-Kampagne. 

Dennoch, in den Achtzigern des vorigen Jahrhunderts bestand diese Chance, an der die Innovationsfreudigkeit der Stiftung Volkswagenwerk nicht unerheblichen Anteil hatte.

Das Kerngeschäft der Wissenschaften ist und bleibt Wissenschaft, nicht Meckern. Daher legen wir hier in einer kompletten Liste diejenigen Arbeiten zur Publikation vor, die im Rahmen dieser Chance entstanden sind. Zudem legt Eberhard von Goldammers "Historischer Rückblick und Anmerkungen zu einem Projekt, das an einer Privat-Universität unerwünscht war ..." Zeugnis über diese Chance ab und enthält desweiteren ein von Peter Rath geführtes Gespräch mit E. v. Goldammer zu den Vorgängen in den Achtzigern, aus dem hervorgeht, wie Kurzsichtigkeiten und Ränkespiele Chancen zunichte machen können - als möglichen Hinweis, worauf man in der Zukunft bei ähnlichen Vorhaben achten sollte.

Die im Rahmen des o.g. Projektes publizierten Arbeiten im Folgenden:

Joachim Castella
Kontextur-Différance-Kenogramm - Dekonstruktive Bemerkungen zur Symbol-Subsymbol-Debatte in der KI

Joachim Castella
Gotthard Günther: Innen wie Außen

Joachim Castella
Gotthard Günther - Leben und Werk

Ob Peirce, Hilbert, Tarski oder Heidegger, diese Arbeit stellt Günther in die wissenschafts- und philosophieprogrammatischen Kontexte seiner Zeit, und zwar umfassend!

Joseph Ditterich
Selbstreferentielle Modellierungen. Biologie – Kybernetik. Kategorientheoretische Untersuchungen zur Second Order Cybernetics und ein polykontexturales Modell kognitiver Systeme

Rudolf Kaehr
Polykontexturale Logik: Zur Konzeption, Formalisierung und Validierung

Thomas Mahler
Kombinatorische Analyse der Polysemie

Eberhard von Goldammer und Rudolf Kaehr
Das Immunsystem als kognitives System

Und als Ergebnis einer Kooperation:

Joachim Pfalzgraf
Logical Fiberings and Polycontextural Systems

Die beiden folgenden Arbeiten wurden bereits 1996 im "vordenker" verfügbar gemacht, sie gehören jedoch in obigen Kontext und werden hier zusätzlich als pdf-Dokumente bereitgestellt:

Rudolf Kaehr
SUFI's DRAI: Wozu Diskontexturalitäten in der AI ?

Eberhard von Goldammer und Rudolf Kaehr
Transdiziplinarität in der Technologieforschung und Ausbildung

Wesentliche Teile der folgenden Arbeit entstanden in der Zeit des Projektes.

Rudolf Kaehr, et al. (alias Kurt Klagenfurt)
Technologische Zivilisation und transklassische Logik. Zur Technikphilosophie Gotthard Günthers (Kurzfassung)


Darüber hinaus stellen wir einen Vortrag des Neurologen Bernhard Mitterauer zur Technisierung subjektiver Systeme bereit sowie das Nachwort Max Benses zu Gotthard Günthers "Beiträge zur Grundlegung einer operationsfähigen Dialektik" nebst einer Rezension der Beiträge bereit:

Bernhard Mitterauer
Gotthard Günther: Philosoph der Kybernetik - Zur Technisierung subjektiver Systeme // Vortrag am Institut für Computerwissenschaften der Universität Salzburg, 2003.

Max Bense
Nachwort zu "Beiträge zur Grundlegung einer operationsfähigen Dialektik" von Gotthard Günther

Winfried Marotzki
Gotthard Günther: Beiträge zur Grundlegung einer operationsfähigen Dialektik erschienen in: Philosophischer Literaturanzeiger, 31 (1978) 248-252.

 

und in eigener Sache: am 12. Mai 2007 verstarb Günter Schulz, ein Autor, der das Projekt vordenker.de seit Beginn mit Interesse verfolgte und unterstützte. Einen Nachruf finden Sie hier.

 

Ihr Joachim Paul (Hrsg.)

 

 

 

News vom 15. Januar 2007

Liebe Vordenkerinnen und Vordenker!

Ein frohes neues Jahr wünschen wir Ihnen.

Hier nun unsere Neuigkeiten zum Januar 2007.

Ihr Joachim Paul (Hrsg.)

 

Wir haben einige bislang nicht verfügbare Aufsätze und Textfragmente Gotthard Günthers aufbereitet.

Zur chronologischen Einordnung der Texte verweisen wir auf die Günther-Bibliographie.

Bereitgestellt werden:

eine bilinguale Version des Günther'schen Nachrufs auf Warren S. McCulloch,

Number and Logos --- Zahl und Begriff

Die deutsche Version wurde aus dem Englischen übersetzt von Marie Günther-Hendel.

Analog-Prinzip, Digital-Maschine und Mehrwertigkeit

Dieser Aufsatz stellt eine erkenntnistheoretische Kritik der Rezeption der Kybernetik dar. Er stammt aus dem Jahr 1960.

Cybernetics and the Transition form Classical to Transclassical Logic

Günthers Forschungsbericht, der BCL-Report No. 30 aus dem Jahr 1965.

Das Programm ...

Dieses als 14-seitiges Typoskript vorliegende Textfragment aus dem Nachlass hat keinen Titel. Es beginnt mit dem Satz "Das Programm eines streng wissenschaftlichen Aufbaus der Philosophie ... ist heute seinen inneren Bedingungen nach undurchsichtiger als je." Es stellt einen lesenswerten Baustein der wissenschaftlichen Entwicklung Günthers dar, der bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat.

Darüber hinaus bringen wir einen Essay von Andrascz Jaromír Weigoni "VerDichtung - Über das Verfertigen von Poesie", der über zeitgeistige Subjektivismen hinaus das Verfertigen von Lyrik thematisiert und Schreiben in einen psychozozialen Kontext stellt. Die Jaynes'sche These aus den 70er-Jahren von der "Sprache als Wahrnehmungsorgan" findet in Weigonis Essay eine neue Entsprechung.

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Ihr vordenker-team

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