TOP 6, 12.05.2016 – LT NRW – Master und Meister – duale Ausbildung und Studium

Meine Rede zu TOP 6 am 12. Mai 2016, Master und Meister – NRW benötigt weiterhin duale Ausbildung und Studium als gleichwertige Ausbildungsalternativen
Antrag der Fraktion der SPD und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 16/11890

Vizepräsident Eckhard Uhlenberg: Vielen Dank, Frau Kollegin Freimuth. – Für die Fraktion der Piraten spricht der Kollege Dr. Paul.

Dr. Joachim Paul (PIRATEN): Vielen Dank, verehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Liebe Zuschauer! Wir Piraten sind 2012 mit dem Anspruch in dieses Parlament gekommen, dass wir vernünftige Anträge und Initiativen – und zwar ganz unabhängig davon, von wem diese beantragt werden – unterstützen. Das ist bei dem hier vorliegenden Antrag der Fall. Wir werden diesen Antrag unterstützen.

Das Spannungsfeld zwischen Hochschulabschluss, dualer Ausbildung und Meisterprüfung ist eines, was verstärkt von zukünftigen Anforderungen betroffen sein wird. SPD und Grüne be-schreiben in dem Antrag exakt, was wir seit Jahren schon anprangern: erstens mangelnde Integration von Menschen mit schlechten Startchancen, zweitens Hürden im Bildungssystem, die einen sozialen Aufstieg verhindern, drittens die voranschreitende Ökonomisierung des Bildungssektors und viertens fehlende Maßnahmen zum Übergang von der Schule zum Beruf und vom Studium in den Beruf.

Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt; aber es bleibt festzuhalten, dass die regierungstragenden Fraktionen in dieser Frage einen guten Job machen. Applaus!

(Beifall von den PIRATEN)

Das muss bei aller Oppositionsrhetorik auch einmal gesagt werden dürfen.

Der Antrag nimmt aktuelle Problemlagen auf und gibt zumindest Handlungsempfehlungen, die wir im Großen und Ganzen befürworten. Ich möchte an dieser Stelle einmal zwei Punkte herausgreifen, die für uns besonders wichtig sind. Zum einen geht es um die Eröffnung von Chancen und Perspektiven. Hier sehen wir gerade in Nordrhein-Westfalen dringenden Nach-holbedarf. Die beschriebenen Elemente – wie engmaschige Beratung und Begleitung sowie das gezielte Talentscouting – sind die geeigneten Maßnahmen, um wirkliche Chancengerech-tigkeit herzustellen. Der Allgemeinplatz der Abhängigkeit der Bildungschancen vom Geldbeutel der Eltern bekommt dadurch ein Gesicht. Und engagierte Menschen kümmern sich um die Heranwachsenden. Das ist deutlich auszubauen und fortzuführen.

Das größte Kapital unseres Landes sind letztlich die Menschen, die hier – mit ihren Stärken und auch Schwächen sowie ihren unterschiedlichen Entwicklungsgeschwindigkeiten – leben. Zum anderen ist uns der Aspekt der individuellen Talenterkennung sehr wichtig. Hier sehen wir gerade im Bereich der Schulen einen Anker. Und gerade mit den Elementen der digitalen Bildung bzw. mit digitalen Lern- und Lehrmaterialien sind ganz neue Möglichkeiten geschaffen worden, um die Kompetenzentwicklung stärker voranzutreiben. Hier sehen wir große Potentiale, die auch die formulierten Ansprüche an die Studier- und Ausbildungsfähigkeit der jungen Menschen sinnvoll und vor allen Dingen effizient befriedigen können.

Zu guter Letzt noch ein Appell an die Unternehmerinnen und Unternehmer in diesem Land: Geben Sie nicht so viel auf Schulnoten. Damit will ich Schule nicht entwerten, aber häufig stellt sich erst im Lebensweg heraus, dass manch einer, der in der Schule nicht so gut war, nachher ein hervorragender Meister wurde oder den Master an der Hochschule schaffte.

Die Normierung ist letztlich nur ein Instrument, das eine Vergleichbarkeit herstellen soll, wo im Prinzip nichts zu vergleichen ist. Lern- und Entwicklungsgeschwindigkeiten haben eine große Bandbreite. Menschen haben Potentiale, die geweckt werden wollen und können. Wir sollten uns viel mehr Gedanken über die abgehängten Jugendlichen machen, die in der sozioökonomischen Armutsfalle sitzen und deren Förderung im Elternhaus leider nicht vonstatten geht. Das bedeutet für uns nicht, den alleinigen Fokus darauf zu legen; aber wir sollten darauf achtgeben, uns nicht selbst die nächsten Sozialfälle heranzuziehen. Das ist volkswirtschaftlich – auch die FDP wird das freuen – und humanitär nicht verantwortbar. Auch das trägt zum Erstarken der Angst für Deutschland bei.

Ich empfehle meiner Fraktion, diesen Antrag zu unterstützen. Er überzeugt mehr, als dass er Fehler hat. Vielen Dank an die regierungstragenden Fraktionen für diesen schönen Antrag. Zum CDU-Antrag bleibt mir nur zu sagen: Ein alter Antrag, der eine neue Ordnungsnummer bekommt, wird dadurch nicht besser. Und an die FDP gewandt sage ich: Es scheint, Frau Freimuth, in Ihrem Antrag ein gewisser Ökonomismus durch. Ich sage einmal ganz explizit für die Piraten: Bildung ist für uns der Oberbegriff, und dann kommt Ökonomie. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall von den PIRATEN, der SPD und den GRÜNEN)

Vizepräsident Eckhard Uhlenberg: Vielen Dank, Herr Dr. Paul. – Für die Landesregierung spricht Frau Ministerin Schulze.

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